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Über den Wandel der Doppelbrechung des Zahnschmelzes bei Entkalkung, Wärmeeinwirkung und Karies

Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Während partieller Entkalkung fertigen Zahnschmelzes geht seine negative Doppelbrechung in positive über; zugleich wird der Schmelz wieder imbibierbar (mit den entsprechenden optischen Folgen). In diesen Punkten verhält sich partiell entkalkter Schmelz also ebenso wie noch nicht erhärteter, jugendlicher Schmelz. Durch die Entkalkung sind offenbar anisodiametrische, regelmäßig geordnete, submikroskopische Poren (Intermicellarlücken) aufgetreten, die Formdoppelbrechung bedingen.

     
  2. 2.

    Die nach völliger Entkalkung des menschlichen Zahnschmelzes zurückbleibenden organischen Bestandteile zeigen positiven optischen Charakter in bezug auf die Länge.

     
  3. 3.

    Unter Wärmeeinwirkung kehrt der Zahnschmelz das Vorzeichen seiner Doppelbrechung vielfach schon zwischen 130 und 200° C um. Die Umkehrtemperatur variiert bei verschiedenen Zähnen, ja an verschiedenen Stellen desselben Zahnes.

     
  4. 4.

    Der Wandel der Doppelbrechung durch thermische Einwirkung ist auf das Auftreten submikroskopischer Porosität zu beziehen. Der so in seiner Optik geänderte Schmelz läßt sich aber im allgemeinen nicht imbibieren; daher muß man annehmen, daß die entstandenen feinsten Lücken allseits abgeschlossen sind.

     
  5. 5.

    Die Querstreifung der Schmelzprismen, die als Beginn der Schmelzkaries anzusehen ist, geht mit Senkung der Doppelbrechung Hand in Hand. Diese beruht vermutlich auf der Anwesenheit gehäufter submikroskopischer Poren im partiell entkalkten Prisma. Damit steht im Einklang, daß die Querstreifen auch nach Hitzeeinwirkung auftreten können.

     
  6. 6.

    Bei fortschreitender Schmelzkaries kehrt sich das Vorzeichen der Doppelbrechung unter Auftreten anomaler Interferenzfarben um. Dieser Prozeß betrifft zuerst das Innere der Prismen. Die äußeren Teile der Prismen folgen im Entkalkungsgrad nach, scheinen also größere Widerstandsfähigkeit gegen Säuren zu besitzen.

     
  7. 7.

    Die Ausbreitung der Schmelzkaries wird durch vorhandene Retziusstreifen begünstigt, indem sie an diesen entlang rascher fortschreitet.

     
  8. 8.

    An der Basis des Schmelzes findet sich eine stärker doppelbrechende Schicht, die der Karies länger widersteht.

     

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© Springer-Verlag 1935

Authors and Affiliations

  • A. Keil
    • 1
  1. 1.Zoologischen Institut GießenDeutschland

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