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Histochemische Untersuchungen an den Nebennieren des erwachsenen Menschen

Eine histobiologische Studie
  • J. Wallraff
Article

Zusammenfassung

Die Nebennieren 12 gesunder erwachsener Menschen wurden auf das Verhalten des kollagenen Bindegewebes und auf das Vorkommen von tannophilen Stoffen, Eisen, Plasmal, Fettstoffen, Glykogen und Vitamin C untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden wie folgt zusammengefaßt:
  1. 1.

    Die menschliche Nebennierenrinde ist für gewöhnlich arm an Bindegewebe. Eine Markkapsel gibt es bei ihr nicht. Die Rindenkapsel, nämlich die Nebennierenkapsel im gebräuchlichen Sinne, setzt sich zusammen aus einer äußeren faserreidhen Schicht und einer inneren faserärmeren, aber kernreicheren Schicht, deren Zellen sich meist nicht abgrenzen lassen. Gewisse Kernformen dieser Kapselschicht erwecken den Eindruck amitotischer Kern- oder Zellteilungen. Ein erheblicher, vielleicht sogar der größte Teil dieser Zellkerne, wird in dieser Weise durch kollagene Bindegewebsfasern gepreßt und verformt.

     
  2. 2.

    Die Zona reticularis und das innere Drittel der Zona fasciculata sind in der Regel schwach bis stark tannophil, das mittlere und äußere Drittel der Fasciculata sowie die Zona glomerulosa dagegen im wesentlichen tannophob. In dem tannophoben Rindenabschnitt finden sich immer verschieden breite, schwach tannophile Streifen (Radiärstreifen) und fleckige Herde. Nicht selten reichen die Streifen, die von dem tannophilen Innengürtel der Rinde ausgehen, bis an die Nebennierenkapsel. Der tannophile Innengürtel kann breiter sein, sogar bis an die Zona glomerulosa heranreichen, so daß die ganze Zona fasciculata tannophil ist.

    Die Tannophilie ist ein sicheres Zeichen der Zellrückbildung in der Nebennierenrinde; die Zellen verlieren die Fettstoffe und bilden tannophile Körnchen. Mit zunehmendem Fett- und Lipoidschwund mehren sich die tannophilen Granula im Zelleib, werden Kern und Zelleib kleiner und schwinden schließlich die Zellgrenzen. Die geschrumpften Zellen bilden Syncytien, aber nichts deutet bei den Kernen auf einen Zelluntergang hin.

     
  3. 3.

    In der Nebennierenrinde kommt Eisen nur in sehr kleinen Mengen vor und ohne Beziehung zur Tannophilie der Rindenzellen in der Zona reticularis und fasciculata. Mit Sicherheit enthielten Gefäßendothelzellen Eisen, wahrscheinlich auch Rinden- und Bindegewebszellen. Größere Eisenansammlungen wurden im Bindegewebe des Markes und in den Wänden einzelner Markvenen gefunden.

     
  4. 4.

    Das meiste Plasmal fand sich diesmal im Bereiche des tannophilen Rindengürtels (Zona reticularis und inneres Drittel der Zona fasciculata) und in der Zona glomerulosa. Von einer regelrechten oder gesetzmäßigen Verteilung des Plasmals in der menschlichen Nebennierenrinde kann indessen nicht die Rede sein. Ebensowenig besteht ein regelrechtes Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Menge des Rindenplasmals und der Menge des Rindenfettes.

     
  5. 5.

    Das äußere und mittlere Fasciculatadrittel besitzen für gewöhnlich das meiste Fett, während das innere Fasciculatadrittel, die Reticularis und die Glomerulosa in der Regel fettarm bis fettfrei sind. Fettarm sind auch die tannophilen Herde und Streifen der Rinde. Die sudanophilem Fette können aber auch in großer Menge gleichmäßig über die ganze Rinde oder herdförmig wie das dunkel- bis schwarzviolette Plasmal in der Rinde verteilt sein. Die Menge des Fettes und die Art seiner Verteilung in der Rinde kann schließlich noch bei beiden Nebennieren und bei einer Nebenniere an weit auseinanderliegenden Stellen sehr verschieden sein.

    Die tannophilen und die sudanophilen Stoffe in den Rindenzellen schließen sich gegenseitig aus; daher sind die tannophilen Rindenbezirke je nach dem Grade ihrer Tannophilie fettarm bis fettfrei, die tannophoben dagegen sehr fettreich. Eine Ausnahme macht die Zona glomerulosa. Ihre Zellen sind im allgemeinen tannophob, aber trotzdem in der Regel sehr fettarm oder fettfrei. Die tannophilen Stoffe sind wie die Rindenfette paraplasmatische Zellerzeugnisse.

    Die Markzellen enthalten außer Plasmal sudanophile Fette.

     
  6. 6.

    In ziemlich großer Menge wurde Glykogen in zahlreichen Markzellen gefunden. In den Rindenzellen war Glykogen histologisch nicht nachzuweisen.

     
  7. 7.

    Beim histochemischen Vitamin-C-Darstellungsverfahren ist das Natriumthiosulfat überflüssig und schädlich. Die Nebennierenrinde enthielt mit einer Ausnahme stets Silberkörner, das Nebennierenmark dagegen nur in etwa der Hälfte der Fälle. Bei der Rinde fand sich das meiste Vitamin C in den tannophilen Abschnitten, wo es in Form sehr feiner Silberkörner verstreut im Zelleib lag. In den tannophoben Rindenabschnitten besaßen die Zellen weniger und verschieden große Silberkörner.

    In den Markzellen waren die Silberkörner ähnlich wie in der Rinde verschieden groß. Mit ihnen stimmen nicht überein die chromaffinen Körnchen dieser Zellen. Die chromaffinen Körnchen „färben“ sich gelb bis braun bis schwarzbraun in saurer Silbernitratlösung. Ich habe ihre Zellen Schorfzellen genannt.

     
  8. 8.

    Die Zelluntergangs- und Zellwanderlehre von der Nebennierenrinde wird als Irrtum erkannt und widerlegt. Nicht Zelluntergang und Zellneubildung, sondern Zellrückbildung und Zellwiederentfaltung geben der Nebennierenrinde das gestaltliche und funktionelle Gepräge, wobei die Rückbildung nicht im negativen Sinne, sondern im Sinne einer durchaus positiven Zelleistung zu werten ist.

     
  9. 9.

    Die Nebennierenrinde des Menschen besitzt ähnlich wie die Nebennierenrinde der Ratte und des Meerschweinchens ein inneres und ein äußeres Umformungsfeld. Das erste besteht aus der Zona reticularis und einem daran anschließenden Teil der Zona fasciculata, das letzte aus der Zona glomerulosa und der (inneren Schicht der Nebennierenkapsel.

     
  10. 10.

    Den regsten Anteil an den Stoffumsetzungen und an der Hormonausschüttung in der Nebennierenrinde nehmen die tannophilen Zellen (funktionelle Gürtel- und Herd- und Streifenreaktion der Rinde). Die tannophoben, fettreichen Rindenzellen sind voll einsatzbereit und einsatzfähig für die Absonderung. Die tannophoben, fettarmen bis fettfreien Glomerulosazellen sind zwar auch einsatzbereit, aber, gemessen an ihrem Fettgehalt, nicht augenblicklich einsatzfähig. Die Zellen der inneren Schicht der Nebennierenkapsel sind weder einsatzfähig noch einsatzbereit; sie müssen beides erst werden, d. h. sich zunächst zu Glomerulosazellen und damit zu Rindenzellen und gegebenenfalls zu Fasciculatazellen entwickeln.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1949

Authors and Affiliations

  • J. Wallraff
    • 1
  1. 1.Anatomischen Institut der Universität KölnDeutschland

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