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Die arterio-venösen Anastomosen im Löffel des Kaninchens nach graphischen Rekonstruktionen

  • Jochen Staubesand
  • Charlotte Genschow
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Graphische Rekonstruktionen, bei denen Anastomosen mit zu-und ableitenden Gefäßen dargestellt werden, geben ein anschauliches und zuverlässiges Bild vom Einbau und Verlauf solcher Strombahngebiete. Außerdem erlauben sie, im Gegensatz zum Injektionspräparat, Angaben über den Feinbau der einzelnen Gefäßstrecken. Ein Vergleich mit Abbildungen anderer Autoren von arterio-venösen Anastomosen im Kaninchenlöffel zeigt die Überlegenheit dieser Methode bezüglich morphologischer Einzelheiten, wie Gabelungen, Astfolge, Weite der Lichtung und Wandstärke.

     
  2. 2.

    In kleineren und mittelgroßen Venen des Kaninchenlöffels wurden Klappen festgestellt. Damit ist die Fragwürdigkeit von Ergebnissen, die auf Grund von „Doppelinjektionen” in die Arterien und Venen erhoben worden sind, erwiesen.

     
  3. 3.

    Im Kaninchenlöffel werden derivatorisch wirksame Brückenanastomosen sowie einfache und komplizierte epitheloidzellige Anastomosen beschrieben. Brückenanastomosen haben hier bis zur Einmündung in eine Vene den Wandbau von Sperrarterien. Sie verbinden meist größere Arterien und Venen miteinander als die epitheloidzelligen Anastomosen. Letztere sind nach dem Prinzip der Oberflächenvergrößerung gebaut. Dieses Prinzip wird nicht, wie bei den Anastomosen vom Glomustyp, durch Aufknäuelung, sondern durch mehrere, kurz hintereinander abzweigende und miteinander kommunizierende Gefäße verwirklicht. Regelmäßig geben epitheloidzellige Anastomosen arteriolen-oder capillarartige Äste ab, die sich an der Bildung epineuraler und anderer Capillarnetze beteiligen.

     
  4. 4.

    In epitheloidzelligen Anastomosen läßt sich eine elastische Innenhaut nicht nachweisen. Das Endothel dieser Gefäße scheint stellenweise keine geschlossene Schicht zu bilden. Beide Befunde sprechen für besondere Austauschbedingungen.

     
  5. 5.

    Manche epitheloidzellige Anastomosen dürften bei Drosselung der Durchblutung in kleinen Capillarbezirken wie ein Überlaufventil wirken, ohne daß dadurch eine wesentliche Druckerhöhung im Venensystem erfolgte.

     
  6. 6.

    Frequente, rhythmische Kontraktionen der arterio-venösen Anastomosen im Kaninchenlöffel werden im Zusammenhang gebracht mit dem Nebeneinander von epitheloiden Zellen und glatten Muskelzellen in diesen Gefäßen. Der schnelle Wechsel zwischen Zusammenziehung und Erschlaffung der Gefäßmuskulatur ist möglicherweise nur durch die Freisetzung eines rasch abbaufähigen Stoffes in den epitheloiden Zellen realisierbar.

     
  7. 7.

    Ein Stoff, der in der epitheloiden Zelle produziert wird, kann infolge des Phänomens der „paradoxen” Durchblutung humoral nicht nur auf Venen, sondern rückläufig auch auf Capillargebiete einwirken.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1952

Authors and Affiliations

  • Jochen Staubesand
    • 1
  • Charlotte Genschow
    • 1
  1. 1.Anatomischen Institut der Universität HamburgHamburgDeutschland

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