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Elektronenmikroskopische Untersuchungen der Aorta des Hausschweines

  • Klaus Seifert
Article

Zusammenfassung

Die Aorta des Hausschweines, die der menschlichen Aorta ähnlich strukturiert ist, wurde elektronenmikroskopisch untersucht. Probleme der Präparation werden besprochen.

  1. 1.

    Die Intima besteht aus einem porenfreien Endothel ohne Kittsubstanzen oder Schlußleisten und aus einer breiten subendothelialen Schicht. Diese wird getragen von einem dreidimensionalen, lockeren elastisch-kollagenen Fasergitter, welches in der tiefen Intimaschicht dichter wird und einen starken elastischen Längsfaserzug enthält; das Faserwerk der Intima geht fließend in das der Media über. Eine Lamina elastica interna fehlt. Die Grundsubstanz stellt sich biphasisch dar mit einer homogenen und einer feinfasrigen Komponente.

    Die Bedeutung der Intimafeinstruktur für die Druckübertragung auf die Media, die Verformbarkeit der Intima und den transintimalen Flüssigkeitstransport wird besprochen.

    Die Intima enthält einige in das Fasergitter eingelassene histiozytäre ruhende Mesenchymzellen und langgestreckte Fibrozyten (Langhans-Zellen).

     
  2. 2.

    Die Media zeigt einen aus elastischen Lamellen und Muskelzellagen geschichteten Aufbau.

    1. a)

      Die Zellen stellen eine Sonderform glatter Muskelzellen dar; sie sind als die einzige in der Media vertretene Zellart auch für die Steuerung des Stoffwechsels der Grundsubstanz und ihrer elastischen und kollagenen Faserdifferenzierungen verantwortlich.

       
    2. b)

      Die elastischen Lamellen sind aus einem System elastischer und kollagener Einzelfasern aufgebaut, die in den meisten Fällen in drei Schichten angeordnet sind. Elastische Häute werden nicht gefunden.

       
    3. c)

      Parallel zu den Muskelzellen verbinden elastisch-kollagene Schrägverbindungsfasern die Lamellen untereinander.

       
    4. d)

      Muskelzellen und elastisch-kollagene Fasersysteme der Media bilden eine Funktionseinheit. Die Bedeutung ihrer Feinstruktur für die Funktion der Aortenwand und die Aufteilung in Einzelfunktionen für die einzelnen Strukturkomponenten wird dargelegt.

       
     
  3. 3.

    Die Adventitia besteht vorwiegend aus einem dichten Geflecht starker kollagener Faserbündel. Der Übergang von der Media zur Adventitia ist unscharf; eine Lamina elastica externa fehlt.

     
  4. 4.

    Mittleres und äußeres Drittel der Media enthalten Vasa vasorum. Die größeren Gefäße fallen durch ihre schwache Wandung auf, die Kapillaren durch ihren Reichtum an Perizyten.

    Abschließend wird auf die Bedeutung des muskulo-elastischen Spannapparates und seiner Unversehrtheit für Funktion und Struktur der Aortenwand hingewiesen, ferner darauf, daß der aufgezeigte Aufbau der elastischen Lamellen aus Einzelfasern in Form eines Gitterwerkes eine günstigere Voraussetzung für die ernährende Saftdurchströmung der Media gibt als der bisher nach lichtmikroskopischen Befunden angenommene Aufbau aus elastischen Häuten.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1962

Authors and Affiliations

  • Klaus Seifert
    • 1
  1. 1.Pathologischen Institut der Universität KielBundesrepublik Deutschland

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