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Morphologie und ökologie des perianalen haarkranzes der aphiden

  • Hans Schmidt
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    In der Ernährungssymbiose (Trophobiose) zwischen Ameisen und pflanzensaugenden Insekten (Homopteren) dient am häufigsten der flüssige Kot von Rinden-, Blatt- und Wurzelläusen den Ameisen als Nahrungsmittel. Viele Aphiden, deren Exkrementtröpfchen von den Ameisen aufgenommen werden, tragen an der Analöffnung einen Besatz von Borsten, den man als perianalen Haarkranz bezeichnet. Die funktionelle und biologische Bedeutung des perianalen Haarkranzes sieht man darin, daß die Analborsten die hervortretenden Kottröpfchen festhalten, damit die Ameisen sie auflecken können.

     
  2. 2.

    Die Struktur des perianalen Haarkranzes wird beschrieben. Bei den untersuchten Aphidenarten werden Unterschiede hinsichtlich Anordnung, Größe und Form des perianalen Haarkranzes festgestellt. Der „vollentwickelte” perianale Haarkranz besteht aus einem „oberen” und einem „unteren” Borstenstand. Es gibt Übergänge von einer „Vereinfachung” (schwache Beborstung) bis zu einem völligen Fehlen des Haarkranzes.

     
  3. 3.

    Der perianale Haarkranz erfüllt die Funktion einer Halte- und Auffangvorrichtung für den Kottropfen. Ohne den Haarkranz würde der austretende und schwerer werdende Kottropfen sehr bald abfallen und durch seine klebrige Beschaffenheit die Aphiden verkleben und verschmutzen.

     
  4. 4.

    Während des Größerwerdens und des Entlanggleitens an den Analborsten kann der Kottropfen von den Ameisen fortgenommen werden. Im ernährungsökologischen Sinne und im Hinblick auf die trophobiotischen Beziehungen wird damit der perianale Haarkranz zu einer trophobiotischen Einrichtung.

     
  5. 5.

    Die Verhaltensweise der Aphiden (Trophobionten) den Wirtsameisen gegenüber und der Wirtsaineisen den Trophobionten gegenüber wird beschrieben.

     
  6. 6.

    Die Besonderheiten des Ameisenkropfes als trophobiotische Einrichtung werden aufgezeigt.

     
  7. 7.

    Die bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse verschiedener Autoren über die Entstehung und chemische Beschaffenheit des Aphidenexkrementes im Hinblick auf seine Eigenschaft als trophobiotischer Stoff werden zusammengestellt und erörtert.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1952

Authors and Affiliations

  • Hans Schmidt
    • 1
  1. 1.Bundesanstalt für Forst- und HolzwirtschaftReinbek bei Hamburg

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