Über das Wachstum und die mechanischen Vorgänge bei der Häutung von Tegenaria agrestis (Araneae)

Zusammenfassung

  1. 1.

    Für Tegenaria agrestis wird ein neuer Fundort von Göttingen, 400 km weiter nördlich als das bisher bekannte Verbreitungsgebiet, berichtet.

  2. 2.

    Das Gesamtwachstum dieser Spinne erfolgt nach der Formel g = a · 2t; g = Gewicht der Spinne, a = Ausgangsgewicht; die Einheit für t ist der Zwischenraum zwischen je 2 Häutungen. Bei der Häutung wird Hämolymphe vom Abdomen in den Cephalothorax gepumpt, wobei jenes im Mittel auf 67% abnimmt, während der Cephalothorax auf 180% zunimmt.

  3. 3.

    Das Wachstum der Beine ist fast gleichmäßig; die großen Differenzen, die von den Autoren berichtet werden, sind auf Unzulänglichkeiten der Messungen zurückzuführen.

  4. 4.

    Um den Blutdruck der Spinne zu messen, wurde die Ausströmungsgeschwindigkeit des Blutes aus einem Bein am Tier verglichen mit der Ausströmungsgeschwindigkeit aus einem Bein unter bekanntem Druck; er ergab sich zu etwa 0,2 atü.

  5. 5.

    Die Zerreißfestigkeit des Chitins wurde durch Zerreißversuche am Tibia-Metatarsalgelenk zu 270 (680) kg · cm−2 ermittelt; sie ist von der Größenordnung der sog. Kunststoffe.

  6. 6.

    Zur Häutung nimmt die Festigkeit des Chituiü auf etwa 1/3 ab.

  7. 7.

    Denkt man sich den Cephalothorax bei der Häutung als einen Kessel unter Druck, so läßt sich aus der Wandstärke und dem Radius (gemessen an Schnitten) und der Zerreißfestigkeit des Chitins der zum Sprengen nötige Druck errechnen; die Rechnung ergab 0,35 atü.

  8. 8.

    Durch Daten aus dem Abreißen der Beine an dem für die Autotomie präformierten Gelenk kommt man zu einem Druck von 0,28 atü für das Sprengen des Cephalothorax.

  9. 9.

    Die Ausströmungsgeschwindigkeit des Blutes aus dem Bein einer sich häutenden Spinne fühlt auf den Druck von 0,35 atü.

  10. 10.

    Sich zur Häutung anschickende Spinnen wurden mit Wasser unter gemessenem Drück aufgeblasen, bis beim Einknicken der Cheliceren die Wand des Cephalothorax einriß; das geschah bei einem Druck von 0,35–0,4 atü.

  11. 11.

    Dieser Druck, der dem 1,5–2fachen des normalen Druckes entspricht, ist durch geringe Vergrößerung der Schlagfolge und des Schlagvolumens des Herzens zu. erreichen.

  12. 12.

    Beim Befreien der Beine können 4 Phasen unterschieden werden: 1. das Hervorquellen der Ansätze infolge der Drucksteigerung im Cephalothorax, 2. das Herausziehen durch Tätigkeit der Muskeln im Cephalothorax, 3. das Weiterwandern in der Exuvie infolge des Verkürzens und Verlängerns des Beines durch dessen Muskeln, 4. das gegenseitige Befreien der Tarsen. Die Kräfte bei diesen Vorgängen wurden gemessen.

  13. 13.

    Die dritte Phase ließ sich an einem Beinmodell nachahmen,

  14. 14.

    Die Taster der Männchen werden bei der Häutung weitgehend deformiert.

  15. 15.

    Die Stellung bei der Häutung ist von untergeordneter Bedeutung; die Spinnen können sich in jeder Lage häuten, wenn nicht besonders unglückliche Zustände auftreten; doch ist die hängende Lage für das Befreien der Beine am günstigsten.

  16. 16.

    Der Stoffwechselverbrauch ist bei der Häutung so gering, daß er gegenüber dem Gesamtgewicht vernachlässigt werden kann: weniger als eine äquivalente Menge von 0,0006 mg Kohlenhydrat bei einem Gesamtgewicht von 25 mg Trockensubstanz.

  17. 17.

    Es wird auf weitere Probleme hingewiesen.

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Homann, H. Über das Wachstum und die mechanischen Vorgänge bei der Häutung von Tegenaria agrestis (Araneae). Zeitschrift für vergleichende Physiologie 31, 413–440 (1949). https://doi.org/10.1007/BF00338035

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