Die vorliegende Untersuchung ist das Ergebnis einer vergleichenden Bearbeitung von Inzuchtlinien und heterotischen Maishybriden; bei einigen von ihnen wurde ein Unterschied in ihrer Antigen-Struktur festgestellt (Dimitrov et al. 1972).
Verglichen wurden miteinander:
Inzuchtlinien, die nach reziproken Kreuzungen und Rückkreuzungen heterotische Hybriden ergeben ;
Inzuchtlinien, die nur in einer Kreuzungsrichtung Heterosis ergeben ;
Inzuchtlinien, die Heterosis ergeben, wenn sie als männlicher Kreuzungspartner in Kreuzungen mit verschiedenen anderen Linien (als ♂) verwendet werden;
Inzuchtlinien, die als weiblicher Elter nach Kreuzung mit einigen Inzuchtlinien Heterosis ergeben, mit anderen aber nicht ; einfache heterotische sowie nichtheterotische Hybriden mit Rückkreuzungen, bei denen die F1-Hybriden (als Mutter) in einigen Fällen mit der mütterlichen, in anderen Fällen mit der väterlichen Linie rückgekreuzt wurden.
Benutzt wurden die Inzuchtlinien N-6, C-103, WIR-44 und WIR-38. Die Untersuchungen wurden in der Weise durchgeführt, daß jeder Extrakt geprüft wurde gegenüber nicht-absorbierten und absorbierten homologen und heterologen Seren.
Das Auftreten von Heterosis wurde unter Feldbedingungen geprüft. Als heterotisch wurden nur diejenigen Kreuzungen bezeichnet, die im Kornertrag den Ertrag jeder einzelnen zur Kreuzung verwendeten Inzuchtlinie übertrafen.
Unsere Untersuchungen bestätigen die bereits früher von uns mitgeteilten Daten über das Vorhandensein von 4 spezifischen Eiweißfraktionen in den Inzuchtlinien und von einer 5. Eiweißfraktion in den heterotischen Hybriden.
In den Inzuchtlinien wurde das Vorhandensein von je 3 diesen Linien gemeinsamen Eiweißfraktionen und einer 4. festgestellt, die für diejenigen Inzuchtlinien spezifisch ist, welche Heterosis ergeben. Die Inzuchtlinien N-6, C-103 und WIR-44 enthalten eine spezifische Eiweißfraktion, die Inzuchtlinie WIR-38 hingegen nicht.
Es wurde festgestellt, daß ein Heterosiseffekt in beiden Kreuzungsrichtungen nur dann beobachtet wird, wenn Inzuchtlinien gekreuzt werden, von denen jede Träger einer spezifischen Eiweißfraktion ist. Wenn nur eine der verwendeten Inzuchtlinien eine spezifische Eiweißfraktion enthält, so wird nach unseren Ergebnissen nur dann ein Heterosiseffekt beobachtet, wenn die Vaterlinie der Träger des individuellen Antigens ist. Dies spricht dafür, daß die verantwortlichen Erbanlagen im Zellkern liegen.
Wir führten einen Vergleich durch zwischen einfach heterotischen sowie nicht-heterotischen Hybriden und Rückkreuzungs-Generationen, für die als Vater in einigen Fällen eine Inzuchtlinie verwendet wurde, welche eine spezifische Eiweißfraktion enthält, im anderen Falle eine Linie, die keine spezifische Fraktion enthält. Dieser Vergleich zeigt, daß die Verdoppelung des individuellen Faktors in der Zygote — dem Ausgangspunkt der Rückkreuzung — zu einem gesteigerten Heterosiseffekt führt, der mit der Erhöhung der Subfraktionszahl der im Extrakt der Rückkreuzungspflanzen enthaltenen Eiweißfraktion verbunden ist.
Die von uns ermittelten Daten und Gesetzmäßigkeiten eröffnen Möglichkeiten zur Vorhersage von Heterosiseffekten bei Zea mays und zugleich zur Schaffung von komplexen heterotischen Hybriden auf wissenschaftlicher Grundlage.