Die Durchschneidung der Pyramidenvorderstränge und benachbarter extrapyramidaler Bahnen bei spastischen Zuständen und unwillkürlichen Bewegungsstörungen

Zusammenfassend

kann gesagt werden, daß zum Teil erstaunlich gute Resultate mit der bilateralen Durchschneidung des Pyramidenvcrderstranges und benachbarter extrapyramidaler Bahnen (Tractus olivo- und reticulospinalis) im Bereich des oberen Halsmarkes bei spastischen Zuständen und unwillkürlichen Bewegungsstörungen, wie sie im Little-Syndrom anzutreffen sind, zu erzielen waren. Anscheinend gelang es durch diese Strangdurchschneidung die permanenten Hemmungs- und Enthemmungsphänomene, die von den geschädigten basalen Ganglien und Pyramidenbahnen ausgehen und über den Weg der in diesenStrang-systemen verlaufenden pyramidalen und extrapyramidalen Fasern geleitet werden, zu unterbrechen. Die unwillkürlichen Bewegungsstörungen, vorwiegend striärer Natur, waren durch die Strangdurchtrennung günstiger zu beeinflussen gewesen als die Pyramidenbahnstörungen. Da bei Kindern das Ergebnis dieser Operation besonders überzeugend war, scheint ein möglichst frühzeitiger Operationstermin, der, soweit bei der geringen Anzahl unserer Fälle ein Schluß erlaubt ist, zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr liegen dürfte, entscheidend für den Erfolg zu sein. Dabei sollte der neurochirurgische Eingriff stets anderen Operationen, wie Eingriffen an den Sehnen und am peripheren Nerven o. ä., die nur für kleinere Korrekturen geeignet sind, vorausgehen.

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Mit 2 Textabbildungen.

Vortrag, gehalten auf der 100. Tagung der Vereinigung Niederrhein.-Westfäl. Chirurgen am 4. und 5. März 1949 in Düsseldorf.

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Schürmann, K. Die Durchschneidung der Pyramidenvorderstränge und benachbarter extrapyramidaler Bahnen bei spastischen Zuständen und unwillkürlichen Bewegungsstörungen. Deutsche Zeitschrift f. Nervenheilkunde 163, 27–39 (1949). https://doi.org/10.1007/BF00216179

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