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Geriatrie-Report

, Volume 14, Issue 4, pp 24–24 | Cite as

Viele Ursachen lassen sich aktiv angehen

Warum Patienten ihre Medikamente weglassen

Pharmakotherapie
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Mangelnde Therapietreue ist in der Sekundärprävention der KHK ein großes Thema. Bei jedem dritten Patienten steckt nicht nur Vergesslichkeit dahinter.

Der Anteil der KHK-Patienten, die ihre Medikamente nicht bestimmungsgemäß einnehmen, wird in Studien mit 33–50% beziffert. Die Nichtadhärenz hat erhebliche Konsequenzen für die Patienten: Krankenhausaufnahmen aus kardialer Ursache nehmen um 10–40% zu, die Mortalität steigt um 50–80%. Ärzte aus Großbritannien haben deswegen per Fragebogen nach den Gründen gesucht. Demnach wird die Einnahme von sekundärpräventiven Medikamenten zwar meistens schlicht vergessen, häufig behindern aber auch die Angst vor Nebenwirkungen und praktische Schwierigkeiten die Therapietreue.

Große Tabletten und Probleme mit dem Blister senken die Adhärenz.

© Sudowoodo / Getty Images / iStock

Zweifel am Nutzen, Angst vor Nebenwirkungen

Von 500 KHK-Patienten, die im Mittel täglich sechs verschiedene Tabletten zu schlucken hatten, hielten sich 44% nicht durchgängig an die Therapievorschriften. Die Gründe dafür waren meistens vielschichtig. Führende Ursache war mit 85% das Vergessen der Einnahme. Ein Drittel gab an, Bedenken zu haben, ein Medikament könne mehr schaden als nutzen. Fast jeder Siebte hatte sogar, weil es ihm schlechter ging, mindestens ein Medikament abgesetzt, ohne den Arzt darüber zu informieren. Jeder fünfte Patient fühlte sich durch die Zeitpläne für die Medikamenteneinnahme eingeengt, fast jeder Zehnte äußerte sich „nicht überzeugt“ vom Nutzen.

Einer empfehlungsgemäßen Therapie standen aber auch praktische Barrieren entgegen: Die Patienten berichteten z. B. über Probleme mit dem Öffnen von Tablettenbehältern oder Blistern (20%), mit dem Lesen der Beschriftung (8%) oder mit dem Schlucken der Tabletten (9%).

Die Studienautoren sehen ihre Studie unter anderem als Beleg dafür, dass KHK-Patienten, wenn sie in der geeigneten Weise befragt werden (z. B. mit der verwendeten Morisky Medication Adherence Scale, MMAS-8), darüber Auskunft geben, dass und warum sie Medikamente nicht einnehmen. Sie fordern ihre Kollegen daher auf, „ihren KHK-Patienten Einstellungen und Erfahrungen mit ihren Medikamenten zu entlocken“, um so Ansatzpunkte für eine bessere Therapieadhärenz zu finden.

Literatur

  1. Khatib R et al. Open Heart 2019;6:e000997CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • bs
    • 1
  1. 1.

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