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Editorial

  • A. Bagattini
  • K. Beier
  • D. Borchers
  • M. HähnelEmail author
  • S. Muders
  • M. Rüther
Editorial
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Die Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie (kurz: ZEMO) versteht sich als ein akademisch ausgerichtetes Debattenorgan für alle Aspekte von Ethik und Moralphilosophie. Diese Grundauffassung spiegelt sich auch im aktuellen Heft wider, das sowohl in den Rubriken als auch in den Themen mit einer großen Vielfalt aufwarten kann.

Die Fachaufsätze widmen sich sowohl grundlagentheoretischen Fragestellungen als auch konkreten moralischen Anwendungsproblemen.

Xu Hanhui (Tianjin) beschäftigt sich in ihrem Fachaufsatz mit dem Thema der Leihmutterschaft und der Frage, welchem Personenkreis in diesen Konstellationen elterliche Pflichten zugesprochen werden können – dem Paar mit Kinderwunsch, den biologischen Eltern oder der Leihmutter? In diesem Zusammenhang diskutiert sie verschiedene Theorien elterlicher Pflichten und kommt zu dem Schluss, dass einzig den Adoptiveltern elterliche Pflichten auferlegt werden können.

Der Fachaufsatz von Joachim Wündisch (Düsseldorf) greift das Thema der genetischen Verhaltensdetermination auf. Den Ausgangspunkt bilden neuere empirische Untersuchungen in der Psychologie und Genetik, die vermeintlich zeigen, dass genetische Einflüsse unserem individuellen und kollektiven Verhalten zugrunde liegen. Wündisch zeigt auf, dass diese Erkenntnisse eine Herausforderung für unsere Zuschreibung von Handlungsfähigkeit und Verantwortung darstellen, entwickelt aber auch einen eigenen Weg, wie dieser Herausforderung begegnet werden kann.

Im dritten Fachaufsatz wirft Tammo Mintken (Eichstätt) einen kritischen Blick auf das Thema der Selbstspaltung in den Ethikansätzen Kants und Husserls. Es geht ihm insbesondere um das Verständnis von Selbstspaltung in sozialen Kontexten, welches mithilfe der Gegenüberstellung von vorgegebener und reflexiv gestalteter Sozialität konkretisiert wird. Darüber hinaus geht Mintken aber nicht nur auf die konfliktreichen Seiten der Selbstspaltung ein, sondern betont auch ihre positiven Aspekte, zum Beispiel ihre Potenziale für die moralische Kommunikation.

Im Zentrum des vierten Aufsatzes von Dennis Kalde (München) steht eine Auseinandersetzung mit dem metaethischen Realismus. Den Ausgangspunkt bildet eine Kritik des metaethischen Dogmas, der zufolge der moralische Realismus derjenige Ansatz im Theorienspektrum ist, der sich durch eine besondere Konvergenz mit der Alltagsphänomenologie auszeichnet. Diese Ansicht weist Kalde in verschiedenen Interpretationen zurück und empfiehlt stattdessen einen konstruktivistischen Theorienrahmen, der sich bei näherem Hinsehen als weitaus plausibler erweisen könne.

Die eingeladenen Essays dieser Ausgabe beschäftigen sich unter anderem mit sozialphilosophischen und metaethischen Fragen.

Georg Lohmann (Magdeburg) blickt in seinem Essay kritisch auf die Bemühungen von Marx und Simmel, eine Diagnose der modernen Gesellschaft anhand des Begriffs der Entfremdung zu leisten. Hierbei streicht er insbesondere die Ambivalenzen beider Erklärungsansätze heraus und verweist auf Möglichkeiten, eine Entfremdungstheorie unter modernen Vorzeichen zu entwickeln.

Sophie-Grace Chappell (Milton Keynes) unterbreitet in ihrem Essay einen Vorschlag für ein ethisches Forschungsprogramm, welches sich mit dem Phänomen der Epiphanie beschäftigt. Im Zuge von ausführlichen Literaturanalysen entwickelt sie zunächst eine Definition des Phänomens, um dann auf die besondere Bedeutung der Epiphanie für die ethische Theorienbildung zu sprechen zu kommen.

Im Mittelpunkt der Rubrik „Diskussionen“ stehen Fragen des Mensch-Tier-Vergleichs und der Flüchtlingsethik. Alice Crary (Oxford), Eva Feder Kittay (Stony Brook) und Peter Singer (Princeton und Melbourne) debattieren darüber, ob ein Vergleich von Tieren und geistig behinderten Menschen, wie er in ethischen Debatten häufig vorkommt, zulässig, nützlich oder geradezu irreführend ist. Die Diskussion hat, basierend auf einem Text von Alice Crary, im November 2017 an der Princeton University stattgefunden. Die überarbeiteten Kommentare von Singer und Kittay erscheinen hier zusammen mit einer Paraphrase des Ausgangstextes von Alice Crary und ihrer neuen Replik auf die Kommentare.

Demgegenüber knüpft Zofia Stemplowska (Oxford) an einen Diskussionsfaden in der politischen Philosophie an, der in einer vorigen Ausgabe der ZEMO von Matthias Hoesch und David Owen aufgenommen wurde. Dieser betrifft die Frage, ob für Staaten eine moralische Pflicht besteht, sich an der Lösung kollektiver Probleme zu beteiligen. Stemplowska konzentriert sich auf das Thema der Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen. Sie setzt sich hierbei nicht nur mit den beiden Beiträgen von Hoesch und Owen auseinander, sondern thematisiert zudem weitere theoretische Optionen, die in der weitreichenden Literatur diskutiert werden.

Den Forschungsbericht für die ZEMO haben Markus Rüther und Jan-Hendrik Heinrichs (beide Jülich) verfasst. Es ist der zweite von insgesamt drei Berichten, der die moralphilosophische Debatte zum „Cognitive Enhancement“ vorstellen soll. Nachdem sich der erste Bericht mit den konsequenzialistischen Argumenten auseinandergesetzt hat, beschäftigt sich der hier publizierte zweite Teil mit den deontologischen Argumenten. Der letzte Teil, der in der nächsten Ausgabe erscheinen wird, wird die tugendethischen Argumente in den Blick nehmen.

Darüber hinaus wird die Ausgabe der ZEMO mit zwei Rezensionen abgerundet. Roman Wagner (Bonn) stellt das Buch Autonomie. Ein Versuch über das gelungene Leben (2017) von Beate Rössler vor, während sich Susanne Hiekel (Essen) kritisch mit David Benatars The Human Predicament (2017) auseinandersetzt.

Um den wissenschaftlichen Standard unserer Fachaufsätze zu sichern, sind wir nicht nur auf die Autorinnen und Autoren angewiesen, sondern auch auf das Engagement der externen Gutachterinnen und Gutachter. Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen ganz herzlich bedanken, die mit ihren Gutachten die Herausgabe des ersten Heftes dieses Jahres möglich gemacht haben.

Und nun viel Freude bei der Lektüre!

Das ZEMO-Herausgeberteam

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • A. Bagattini
    • 1
  • K. Beier
    • 2
  • D. Borchers
    • 3
  • M. Hähnel
    • 4
    Email author
  • S. Muders
    • 5
  • M. Rüther
    • 6
  1. 1.MünchenDeutschland
  2. 2.ErfurtDeutschland
  3. 3.BremenDeutschland
  4. 4.EichstättDeutschland
  5. 5.ZürichSchweiz
  6. 6.JülichDeutschland

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