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Editorial

  • Max WunderlichEmail author
Editorial
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Editorial

Das vorliegende Themenheft spiegelt ausgewählte Facetten jenes Gesamtbildes wider, welches entsteht, wenn die harmonische Interdisziplinarität von Pflegedienst, Physiotherapie und Ärzteschaft sich zum Austausch ihres Fachwissens trifft – so geschehen während der 28. Jahrestagung der MKÖ (Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich) im Oktober 2018 in Linz.

Deren Leitthema, Das Becken – Generationen und Sensationen, hat während 2 Tagen Vorträge, Salons und Workshops inspiriert und Autoren aus dem deutschsprachigen Raum zu den hier vorliegenden Artikeln angeregt. Der Bogen der Generationen spannt sich von der kindlichen Harninkontinenz bis zu jenem Alter, da erwachsene Menschen mit den intestinalen und emotionalen Folgen von schweren Erkrankungen konfrontiert sind. Neben der traditionellen Befassung der MKÖ mit Entleerungsstörungen von Blase und Darm gewinnen die Sensationen im Sinne von Empfindungen, beispielsweise der Sexualität, zunehmend an Bedeutung. Dies ist als die glückliche Entwicklung einer seriösen Enttabuisierung von Problemen in Zusammenhang mit den weiblichen Beckenorganen zu sehen.

Der reichhaltigen Übersicht der normalen Entwicklung der Blasenfunktion des Kindes und deren funktioneller Störungen schließt sich die Urotherapie an. Letztere wird durch erste interdisziplinäre Teams, die sich den Betroffenen und ihren Angehörigen widmen, mit höchster Professionalität verwirklicht. Das leidige chronische Symptom der „urgency“ sowie die überaktive Blase mit den involvierten neurologischen Strukturen sind von aktuellsten Erkenntnissen anderer Art gefolgt: Das Neurobiom und seine Implikationen, betreffend die Harnblase, waren Gegenstand des Festvortrags der Tagung, mit dem vielversprechende Zukunftsperspektiven eröffnet wurden.

Den zunehmend ins Bewusstsein der Chirurgie rückenden Beschwerden des vorderen Resektionssyndroms („low anterior resection syndrome“ [LARS]) wird mit 2 unterschiedlichen therapeutischen Ansätzen begegnet: einerseits mit der in beispielhaftem Detail beschriebenen Methode TAI (transanale Irrigation), andererseits durch praxisnahe diätetische Maßnahmen zur Stuhlregulation im Interesse einer gebesserten Kontinenz nach tiefen oder ausgedehnten Darmresektionen.

Keinesfalls überraschend verdienen Patientinnen nach Diagnose und Therapie von gynäkologischen Tumoren und von Brustkrebs eine besondere Zuwendung – sowohl psychologisch als auch durch konservative Behandlung. Die Hoffnung, das Leid zu lindern, beruht nicht zuletzt auf einer aktiven Annäherung von Seiten des medizinischen Teams, um den betroffenen Frauen zu einer möglichst befriedigenden Bewältigung einschneidender physischer Veränderungen zu verhelfen. Wie intensiv sich die MKÖ mit dem Thema der Sexualität befasst, geht aus dem abschließenden Beitrag hervor: „sex toys“ sind keineswegs skurrile oder verwerfliche Auswüchse des gegenwärtigen Lebens. Es gibt sie schon lange, und es ist zweifelsohne Aufgabe unserer Gesellschaft, auf die möglichen Risiken bei deren Verwendung aufmerksam zu machen.

Die Lektüre der folgenden Seiten soll ein Streifzug sein durch die nimmermüden Bemühungen, die Lebensqualität unserer Mitmenschen zu optimieren, die sich nicht einer ungetrübten Kontinenz und Sexualität erfreuen dürfen. Später eingetroffene Manuskripte werden in noch folgenden Heften des Journals für Urologie und Urogynäkologie erscheinen. Der Dank für das Engagement, welches sich in den mit Verve und Esprit geschriebenen Publikationen niederschlägt, gebührt all jenen, die ihre berufliche Erfahrung auf diese Weise in der oft kargen Zeit außerhalb ihrer täglichen klinischen Verpflichtungen einbringen.

Max Wunderlich

Notes

Interessenkonflikt

M. Wunderlich gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Austria, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ)WienÖsterreich

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