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, Volume 5, Issue 2, pp 33–33 | Cite as

Harry holt keinen Wagen

  • Peter Stäuber
Schwerpunkt International
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Großbritannien: Ein Gefährt mit menschlichem Namen ohne Pilot fährt Bewohner durch London — vorerst testweise. Doch die Regierung treibt Smart Mobility voran.

Im vergangenen Frühling wurden Anwohner im Londoner Stadtteil Greenwich eingeladen, sich in ein fahrerloses Gefährt namens „Harry“ zu setzen, welches sie entlang der Themse manövrierte — so kollisionsfrei wie möglich. Es war der erste Testlauf des Greenwich Automated Transport Environments unter dem Titel „Gateway“-Projekt, das die gesellschaftlichen Auswirkungen selbstfahrender Fahrzeuge untersucht. Die Vehikel sind mit Kameras, Laser und Sensoren ausgestattet, mit deren Hilfe sie sich selbst eine Route aussuchen und Hindernissen ausweichen. Ziel des Projekts ist es herauszufinden, wie sich autonome Fahrzeuge in städtische Mobilität einfügen können und was für gesellschaftliche, technische und rechtliche Schranken überwunden werden müssen, bevor sie Realität werden können.

Die Gateway-Vehikel sind im Smart Mobility Living Lab unterwegs, einem Laboratorium für urbane Mobilität, in dem neue Ansätze zur Verbesserung des städtischen Verkehrs ausprobiert werden. London bietet sich bestens an für solche Experimente: Die Stadt ist eines der wichtigsten Zentren für digitale Technologie und verfügt somit über das nötige Know-how; zudem entwickelt sich die Metropole rasant, sodass innovative Lösungen für Transportprobleme nötig sind. Im Smart Mobility Lab können diese Herausforderungen für Verkehr, Infrastruktur und Urbanisierung in einem realen Umfeld analysiert werden. Die Lösungen lassen sich auf ähnliche Städte übertragen.

Positive Prognose fürs Marktpotenzial

Die Regierung ist sich des Potenzials der Smart Mobility bewusst: Nach einer Studie, die im vergangenen September erschien, wird der britische Markt für autonome Fahrzeuge in 20 Jahren rund 28 Milliarden Pfund schwer sein. Das Centre for Connected and Autonomous Vehicles ist dem Transportministerium unterstellt und finanziert Projekte wie das Smart Mobility Lab, um diesen Sektor zu fördern. Schatzkanzler Philip Hammond prognostizierte noch im November, dass die Briten schon in zwei Jahren mit fahrerlosen Fahrzeugen auf britischen Straßen rechnen können.

Andere sind weniger zuversichtlich. Der Transportausschuss der London Assembly — also des gewählten Lokalparlaments der britischen Hauptstadt — veröffentlichte erst im Februar einen Bericht, der den Enthusiasmus zur Einführung von fahrerlosen Autos dämpft. Frühestens ab dem Jahr 2030 sei zu erwarten, dass solche Fahrzeuge auf den Londoner Straßen unterwegs sind, warnen die Autoren. Auch die neuen Technologien bewerten sie weniger euphorisch. Dadurch seien zwar Staus aufzulösen, die in London ein akutes Problem darstellen, aber zur Kehrseite schreiben die Studien-Autoren: Leute, die heute kaum fahren, könnten die Vorteile von Connected und Autonomous Vehicles und dann auch das Auto häufiger nutzen. Wenn dies im großen Stil passiere, könne das zu Verkehrsstaus beitragen, was den Übergang zum nachhaltigen Transportsystem verhindere.

© GATEway project

Testfahrzeug „Harry“ befördert Bewohner ohne Pilot durch London. Das Vehikel ist dafür mit Kameras, Laser und Sensoren ausgestattet.

Die beste Lösung wäre also, wenn selbstfahrende Autos nicht auf individueller Basis genutzt würden, sondern als gemeinsame Ressource, also dass mehrere Passagiere sich die Fahrzeuge teilen. Selbstfahrende Busse könnten demnach die neue Technologie besonders effizient nutzen. Jedoch wirft auch das neue Probleme auf. Insbesondere hinsichtlich vieler Arbeitsplätze: Rund 25.000 Londoner sind als Busfahrer angestellt. Ersetzen Automaten sie, hätte dies krisenhafte Konsequenzen für die Beschäftigung innerhalb der Stadt.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Stäuber
    • 1
  1. 1.Deutschland

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