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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 11, pp 58–58 | Cite as

Mit Freude bei der Arbeit? Ein Stimmungsbild aus der ambulanten Pflege

  • Markus Meißner
  • Thomas Meißner
Impuls der Wissenschaft
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Die Pflege ist am Limit — so heißt es derzeit in allen Medien. Gemeint ist der Personalmangel verbunden mit dem Zuwachs an Aufgaben in der Pflege. Eine deutsche Studie hat sich nun konkret mit den Wünschen und Bedürfnissen in der ambulanten Pflege befasst.

Aus der Perspektive von Leitungskräften wurde in der vorliegenden qualitativen Studie ein Stimmungsbild zur Arbeitssituation in der ambulanten Pflege erarbeitet. Dabei wirkten 100 Leitungskräfte von Sozialstationen und privaten Pflegediensten aus verschiedenen Bundesländern in Deutschland bei einer telefonischen Befragung mit. Die Gespräche dauerten fünf bis 15 Minuten. Die Umfrage bestand aus sieben Fragen mit vorausgewählten möglichen Antworten. Dabei konnten auch weitere qualitative Antworten gegeben werden.

Bei den vorausgewählten Fragen zeigen die Ergebnisse, dass sich 59% der Befragten mehr Zeit für Gespräche wünschen. Nur halb so viele Befragte bewerteten den pünktlichen Einsatzbeginn als das Wichtigste aus der Perspektive des Pflegekunden. Einen kurzen Dienstweg bei der Kommunikation unter dem Punkt Arbeitsorganisation wünschten sich zwei Drittel. Die meiste Mühe würde die Arbeit mit Angehörigen bereiten. (49% der Befragten). Diesem Arbeitsaufwand mit einer App entgegenzuwirken, welche jedoch nur grobe Informationen der Dienstleistung automatisch weiterleiten sollte, stimmten 60% zu. Beim Thema Fachkraftmangel und dem Einsatz von Migranten sprachen sich 44% dafür und 47% dagegen aus.

Positives Feedback und mehr Zeit für Gespräche

Der große Themenschwerpunkt „Freude und Last im Alltag“ verdeutlicht, dass positives Feedback an erster Stelle für die Leitungskräfte steht, dicht gefolgt von Kunden- und Mitarbeiterkontakt. Mühe bereiten würden negatives Feedback, unorganisierte Arbeitsabläufe, Bürokratie, Krankmeldungen und die Krankenkassen.

Die Autoren hoben hervor, dass der Wunsch der Pflegekunden nach mehr Zeit für Gespräche auch von den Leitungskräften geteilt wird. Dem Zeitdruck könne man durch Absprachen auf dem kurzen Dienstweg direkt zwischen den Pflegekräften begegnen. Dies würde laut 62% der Befragten zu einer erheblichen Entlastung führen. So sollten Pflegekräfte Organisatorisches direkt untereinander abstimmen und das Leitungsteam damit nicht belasten. Eine weitere Möglichkeit für die Gewinnung von Zeit wird durch ein gutes Angehörigenmanagement gegeben. Warum die Weitergabe aller Informationen wie Einsatzbeginn und -ende sowie eine Darstellung der erbrachten Leistung durch eine App nicht gewünscht wurde, konnte nicht abschließend geklärt werden. Dieser Punkt sollte daher in zukünftigen Untersuchungen geklärt werden.

Kommentar

Es verwundert nicht, dass Lob und Anerkennung einen hohen Stellenwert bei der „Freude im Alltag“ haben. Dass unorganisierte Arbeitsabläufe, Krankmeldungen, Bürokratie und die ständigen Auseinandersetzungen mit Kostenträgern negativ und demotivierend bewertet werden, ist ebenfalls nicht verwunderlich und spiegelt die Situation nicht nur in der ambulanten Pflege wider. Welche Antworten aber bietet die Studie?

Arbeitsorganisation, klare Zuteilung von Kompetenzen, Schulung der Mitarbeiter und das Setzen auf Eigenverantwortung sind keine neuen, aber doch nachhaltige Ansätze, Arbeitsprozesse und Anforderungen zu gestalten. Wo aber wird zwischen kleinen, mittleren und großen Betrieben unterschieden? Ist wirklich die Entlastung der Leitungskräfte das zentrale Thema? Ist nicht vielmehr der Personalmangel, das Ablehnen von Pflegeaufträgen, das ständige Umschreiben von Dienstplänen das eigentliche Dilemma der ambulanten oder sogar der ganzen Pflegelandschaft? Erstaunlich ist, dass die Weitergabe der Informationen über eine App, die die Darstellung der einzelnen Leistungen transparent macht, nicht gewünscht ist, obwohl die Arbeit mit Angehörigen die meiste Mühe bereitet.

Wir brauchen Entlastungskonzepte, die in alle Bereiche gehen. Isolierte Betrachtungen bringen uns nicht weiter. Gemeinsame Ursachen- und Sachstandsanalysen sind Grundlage für effizientes Handeln. Es muss vielmehr um gut organisierte Prozesse, um Eigenkompetenz und Entbürokratisierung in der Pflege gehen. Nur so erreichen wir Wertschätzung und Zufriedenheit und damit Versorgungsqualität und Sicherheit.

Quelle

  1. Seemann A-K, Fischer H. Was macht Freude im Arbeitsalltag, was belastet? Ein Stimmungsbild der ambulanten Pflege. HBScience (2017), https://doi.org/10.1007/s16024-017-0308-9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.
  2. 2.Vorstand AVG BerlinBerlinDeutschland

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