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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 9, pp 63–63 | Cite as

Haben Studienkinder mit ALL bessere Chancen?

Impuls der Wissenschaft
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Kinder mit ALL, die an Therapiestudien teilnehmen, haben eine bessere Prognose als solche mit einer Behandlung außerhalb von Studien. Ob das an den Studien oder deren Einschlusskriterien liegt, bleibt aber unklar.

Es ist ein bekanntes Phänomen: Krebskranke in klinischen Studien haben seltener Rezidive und leben länger als solche, die außerhalb von Studien behandelt werden. Mögliche Gründe dafür gibt es viele: Zum einen dürfte die medizinische Betreuung sämtlicher Patienten in Studien besser sein als außerhalb, zum anderen könnten die in Studien geprüften neuen Substanzen einen Vorteil bieten. Es gibt aber auch noch einen ganz anderen Grund: Patienten mit ungünstiger Prognose werden mitunter verstärkt von klinischen Studien ausgeschlossen. Bisher lässt sich trotz allerlei Adjustierungen nicht klar sagen, welcher Effekt dominiert.

Eine ähnliche Diskussion wird auch bei Kindern mit Krebserkrankungen geführt. Hier ist der Anteil, der an Studien teilnimmt, recht hoch — so beteiligt sich etwa ein Viertel aller Kinder des kanadischen Registers CYP-C (Cancer in Young People in Canada) an klinischen Studien, bei ALL (Akute lymphoblastische Leukämie) — dem häufigsten Kindheitstumor — sogar mehr als die Hälfte, berichten Onkologen um Dr. Caron Strahlendorf von der Kinderklinik in Vancouver. Das kanadische Register erfasst sehr gründlich tumorspezifische Angaben sowie biografische und sozioökonomische Daten.

Mit diesen Angaben wollten die Ärzte herausfinden, ob Kinder in klinischen Studien tatsächlich eine bessere Prognose haben oder ob es sich nur um einen Selektionsbias handelt. So ganz gelungen ist es ihnen jedoch nicht: Je mehr Faktoren sie in ihrer Analyse berücksichtigten, umso schwächer war der Vorteil für die Studienkinder.

Das Team um Strahlendorf konnte Angaben zu knapp 2570 Kindern mit ALL auswerten. 55% von ihnen hatten an klinischen Studien teilgenommen. Für die übrigen Kinder war meist vermerkt worden, weshalb sie das nicht taten. Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund war, dass es gerade keine passende Studie gab (bei 54%), immerhin 9% scheiterten an den Einschlusskriterien und bei 4% rieten die behandelnden Ärzte von der Teilnahme ab. Die Studienkinder waren vermehrt kaukasisch, hatten eine geringere Zahl weißer Blutkörperchen und gehäuft einen B-Zell-Immunphänotyp.Wie erwartet, deuteten die Rohdaten auf eine bessere Prognose der Kinder aus Therapiestudien. Nach fünf Jahren lebten noch 90% von ihnen ohne Rezidive, aber nur 84% der Kinder außerhalb von Studien. Am Leben waren nach fünf Jahren noch 94% der Kinder mit und rund 91% ohne Studienteilnahme. Beide Differenzen erwiesen sich als statistisch hochsignifikant.

Dies änderte sich jedoch, sobald die Forscher Alter, Geschlecht, Tumorcharakteristika, allgemeinen Gesundheitszustand, Ethnie und sozioökonomische Faktoren berücksichtigten. Danach ist die Wahrscheinlichkeit für Studienkinder, nach fünf Jahren noch ohne Rezidiv zu leben, zwar um ein Drittel höher als für Kinder außerhalb von Studien, der Unterschied ist aber nur noch knapp statistisch signifikant. Bei der Gesamtsterblichkeit ergibt sich numerisch ein ähnlich großer Vorteil für die Studienkinder, allerdings wird hier das Signifikanzniveau nicht mehr erreicht. Auch wenn die Resultate auf wackligen Beinen stehen, betonen die Forscher um Strahlendorf das bessere Abschneiden der Studienkinder.

Quelle

  1. Strahlendorf C et al. Enrolling children with acute lymphoblastic leukaemia on a clinical trial improves eventfree survival: a population-based study. Br J Cancer 2018; online 30. Januar. DOI: http://dx.doi.org/10.1038/bjc.2017.462Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • TM
    • 1
  1. 1.

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