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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 8, pp 64–64 | Cite as

Diabetes: Neuer Hinweis auf Schutz durch Stillen

Impuls der Wissenschaft

Je länger Mütter stillen, umso niedriger ist ihr Diabetesrisiko. Das bestätigen selbst unter Berücksichtigung von biochemischen Parametern die Ergebnisse der prospektiven CARDIA-Studie. Sie stützen die Vermutung, dass das Stillen die Mütter vor der Stoffwechselerkrankung bewahrt.

In der prospektiven CARDIA-Studie (Coronary Artery Risk Development Study in Young Adults) wurde in den USA die Diabetesentwicklung bei mehr als 1.200 Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren (Durchschnitt: 24,2 Jahre) dokumentiert, die im Beobachtungszeitraum zwischen 1986 und 2016 mindestens ein Kind zur Welt brachten. Bis zu sieben Mal vom Zeitpunkt vor der Schwangerschaft bis zum Abstillen wurden Glukosetoleranztests vorgenommen sowie weitere Parameter untersucht, etwa BMI, Triglyzeride, HDL, Blutdruck und Bauchumfang. Primärer Endpunkt der Studie der US-Versicherungsgesellschaft Kaiser Permanente in Oaklandwar die Diabetesinzidenz pro 1.000 Personenjahre. 418 Frauen gaben an, ihr Kind bis zu einem halben Jahr gestillt zu haben, 268 Frauen stillten zwischen sechs Monate und einem Jahr und 230 Frauen mindestens ein Jahr.

Wie die Epidemiologin Dr. Erica P. Gunderson und ihre Kollegen berichten, erkrankten 155 der 1238 teilnehmenden Frauen (12,5%) an Gestationsdiabetes, Hauptrisikofaktor für Typ-2-Diabetes. Die Gesamtinzidenzrate an Diabetes mellitus errechnete sich zu einem Wert von 6,6 Fällen pro 1.000 Personenjahre. Bei Frauen mit Gestationsdiabetes lag die Diabetesinzidenz pro 1.000 Personenjahre signifikant höher als bei Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes (18,0 vs. 5,1). 86% der Diabeteserkrankungen begannen zwischen 15 und 30 Jahre nach Studienbeginn.

Risikoreduktion bis zu 48% möglich

Schließlich ergab die statistische Analyse, dass die Stilldauer stark invers mit der Diabetesinzidenz assoziiert ist. Nach Berücksichtigung mehrerer Faktoren, um systematische Verzerrungen zu verhindern, ermittelten die Epidemiologen bei Frauen, die bis zu sechs Monate lang stillten, eine um 25% niedrigere Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, als Frauen, die nicht stillten (adjustiertes relatives Hazard (RH): 0,75 (95%-Konfidenzintervall: 0,51–1,09). Noch deutlicher war der Unterschied bei einer Stilldauer zwischen sechs und zwölf Monaten (48%; RH: 0,52) bzw. von mehr als einem Jahr (47%; RH: 0,53), wobei die Wissenschaftler Gewichtsverlust als Erklärung für diesen Effekt ausschließen konnten. Es gab keinen Einfluss auf die Risikoreduktion durch die ethnische Zugehörigkeit, das Auftreten von Gestationsdiabetes oder dadurch, wie viele Kinder eine Frau hatte.

Einschränkend weist das Forscherteam darauf hin, dass Informationen über Schwangerschaftskomplikationen auf Angaben der Studienteilnehmerinnen beruhten, desgleichen die Angaben darüber, wie lange gestillt wurde. Die absolute Stilldauer habe nicht ermittelt werden können.

Quelle

  1. Gunderson E P et al. Lactation Duration and Progression to Diabetes in Women Across the Childbearing Years. The 30-Year CARDIA Study. JAMA Intern Med 2018; 178(3): 328–337. DOI: https://dx.doi.org/10.1001/jamainternmed.2017.7978CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • PL
    • 1
  1. 1.

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