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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 8, pp 63–63 | Cite as

MRSA — Dekolonisation ist zeitaufwändig und ressourcenintensiv

IMPULS DER WISSENSCHAFT
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Auch wenn die jüngsten Statistiken in einigen europäischen Ländern durchaus einen Erfolg beim Kampf gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) zeigen, so sind multiresistente Erreger im Gesundheitswesen weiterhin ein großes Problem — besonders für Frühgeborene.

Staphylokokken gehören zu den klinisch bedeutendsten Erregern und können nahezu in allen Organsystemen Infektionen auslösen. Dabei ist es zunächst unwichtig, ob es sich um Methicillin-sensible Staphylococcus aureus- (MSSA) oder um Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme (MRSA) handelt. Zur Prävention und Kontrolle von MRSA in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen empfiehlt die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) ein mikrobiologisches Screening in Bezug auf die Kolonisation mit multiresistenten und anderen pathogenen Infektionskeimen.

Im vorliegenden Praxisbericht werden sowohl das Screening als auch die sich anschließenden Maßnahmen für einen Fall dargestellt, der sich 2016 auf einer neonatologischen Intensivstation der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) ereignete. Dort wurden bei allen Patienten einmal wöchentlich Abstriche aus dem Nasopharynx sowie Analabstriche untersucht. Anfang 2016 fiel eine Häufung von MSSA-Stämmen (Typ t091 des Komplexes CC7) auf, welche bis zum Jahresende bei 50 Patienten der Station nachgäwiesen wurden. Folgende Maßnahmen wurden sofort ergriffen:
  • Einführung von Isolationsmaßnahmen bei S. aureus-Nachweis

  • Spezielle Personalschulungen

  • Umfangreiche Umgebungsuntersuchungen

  • Pasteurisierung der Muttermilch bei Nachweis von S. aureus in der Milch

  • Compliancebeobachtungen

  • Erhöhung der Screeningfrequenz auf 2-mal wöchentlich

  • Mitarbeitersanierung

Compliance ist entscheidend

Nach einer Informationsveranstaltung für das Stationspersonal im Juni 2016 erfolgte bei 128 Mitarbeitern jeweils vor Dienstbeginn die Entnahme von Nasen- und Rachenabstrichen. Hierbei wurde in 43 Fällen (33,6%) eine Besiedlung mit S. aureus im Nasen-/Rachenbereich nachgewiesen, die in neun Fällen (20,9%; 9/43) dem Typ t091 entsprach. Bei zwei Mitarbeitern (4,7%; 2/43) wurde ein MRSA als Zufallsbefund nachgewiesen. Nachdem mit den mit S. aureus besiedelten Mitarbeitern Einzelgespräche über das Sanierungsprozedere vom betriebsärztlichen Dienst geführt wurden, nahmen 40 Mitarbeiter (93%) das Angebot der initialen Sanierung wahr. Sie erhielten ein Handout mit den wichtigsten SaMaßnahmen, die sie fünf Tage lang im eigenen Haushalt durchführten:
  • Ganzkörperwäsche (einschließlich Haarwäsche) mit Octenidin-haltiger Waschlotion (täglich)

  • Anwendung von Octenidin-haltigem Nasengel und Octenidin-haltiger Mundspüllösung (3-mal täglich)

  • Bettwäschewechsel (täglich)

  • Entsorgung von kontaminierten Pflege- und Kosmetikartikel

Der erste Sanierungsversuch war bei drei S. aureus-Trägern erfolgreich, die Erfolgsquote bei Personal mit t091- oder MRSA-Nachweis lag bei 0%. Daraufhin wurden weitere Beratungsgespräche geführt und bei elf Mitarbeitern ein zweites Sanierungsintervall angeschlossen. Im Ergebnis zeigten sich bei drei Mitarbeitern mit vorheriger t091-Kolonisation dreimal negative Kontrollabstriche, acht Mitarbeiter waren in den Kontrollen weiterhin positiv. Bei einem dritten, finalen Sanierungsintervall wurde anstelle von Octenidin-haltigem Nasengel Mupirocin-haltige Nasensalbe für die Dekolonisation des Nasenvorhofes eingesetzt.

Mitte Dezember 2016 war der letzte Sanierungsversuch abgeschlossen und bei allen acht „verbliebenen“ Mitarbeitern lagen drei negative Abstriche vor. Insgesamt erstreckte sich die Sanierungsperiode über ein halbes Jahr.

Kommentar

Die zeitaufwändige und ressourcenintensive Durchführung des Personalscreenings und die anschließenden, lange nur mäßig erfolgreichen, Maßnahmen sind durchaus diskussionswürdig. Aus dem vorliegenden Bericht wird nicht ersichtlich, warum nicht alle betroffenen Mitarbeiter die Sanierung(en) wahrnehmen „mussten“. Eine Sanierung im eigenen Haushalt ist aufgrund von kontaminierten Kontaktflächen und/oder S. aureus-positiven Personen sowie Haustieren im selben Haushalt deutlich schwieriger durchzuführen als im Krankenhaus. Diese Problematiken gilt es in Zukunft strukturierter und strikter, z.B. durch ein klinikinternes Ablaufschema zum Thema „Personaluntersuchungen und -sanierung“ anzugehen. Es gilt dabei ganz klar, die Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und bezüglich der Sanierung zu schulen, da der Erfolg der Maßnahmen wesentlich von ihrer Handlungskompetenz abhängig ist.

Quelle

  1. Richter A. et al. Dekolonisation bei Nachweis von Methicillin-sensiblen Staphylococcus aureus bei Mitarbeitern einer neonatologischen Intensivstation. Gesundheitswesen 2018; 80: 54–58CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.JenaDeutschland

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