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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 4, pp 57–57 | Cite as

Massenanfall von Verletzten

Fachgesellschaften fordern Budget

  • Susanne Herda
  • Swetlana Meier
Aus den Verbänden DGU
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Der finanzielle Aufwand für eine Krankenhausnotfallübung zur Vorbereitung auf einen Massenanfall von Verletzten (MANV) liegt bei bis zu 100.000 €. Das zeigte jetzt eine Untersuchung, die unter dem Titel „Kostenabschätzung für MANV-Übungen im Krankenhaus“ online in der Fachzeitschrift „Der Unfallchirurg“ erschienen ist.

Zu hohe Kosten

Die hohen Kosten sind einer der Gründe, warum Notfallübungen in Deutschland bisher nicht zur Routine gehören. Doch Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Präsident der DGOU und DGU, warnt: „In Deutschland wird zu wenig geübt. Um gut für Großschadensereignisse gerüstet zu sein, benötigen Krankenhäuser MANV-Übungen.“ DGU und DGOU fordern daher die Bereitstellung eines festen Budgets für die Krankenhäuser, um sich mit Übungen auf den MANV vorbereiten zu können. Ärzte, Pflegekräfte, Verwaltungsmitarbeiter und Mitarbeiter des technischen Dienstes sollten einen Krankenhausnotfallplan mindestens einmal pro Jahr praktisch üben.

Sichtungs- und Simulationsübung eines Terroranschlages mit Statisten im Universitätsklinikum Frankfurt

© S. Herda / DGOU

Regelbetrieb wird außer Kraft gesetzt

Während einer Notfallübung, bei dem ein Krankenhaus den Ernstfall trainiert, wird der Regelbetrieb weitestgehend stillgelegt: Der normale OP-Betrieb wird ausgesetzt — es entstehen Erlösausfallkosten. Alternativ findet die Übung außerhalb der Regelarbeitszeit statt, mit erheblichen Personalmehrkosten durch Überstunden. Dazu kommen Planungs-, Durchführungs- und Nachbereitungskosten des Übungsszenarios. Eine kleine MANV-Übung mit zirka 25 Patienten (Darstellern) kostet insgesamt zwischen 10.000 und 25.000 €. Eine Vollübung unter Einbindung aller notwendigen Ressourcen wie beispielsweise OP, Radiologie und Intensivstation erfordert eine Summe zwischen 40.000 und 100.000 €.

Refinanzierung nur selten geregelt

Um im MANV- beziehungsweise TerrorMANV-Fall handlungsfähig zu bleiben, setzt das Krankenhausmanagement einen Alarmplan in Kraft: Dabei wird der Regel- auf einen Notfallbetrieb umgestellt. Er umfasst Lage- und Ablaufpläne, Mitarbeiteralarmierung sowie ein situationsangepasstes Ressourcenmanagement. Bisher obliegt es weitgehend dem Engagement des Krankenhausträgers, die Übungen zu finanzieren: Die Refinanzierung ist nur in wenigen Bundesländern geregelt — Berlin gehört beispielsweise dazu. „Keinesfalls sind die Kosten den Krankenhäusern beziehungsweise Rettungsdiensten aufzubürden. Die Öffentlichkeit hat im Rahmen der Daseinsvorsorge ein Recht darauf, dass Krankenhäuser solche Szenarien üben, um sich bestmöglich vorzubereiten. Das muss entsprechend staatlich finanziert werden“, sagt Prof. Dr. Dietmar Pennig, DGU-Generalsekretär und stellvertretender DGOU-Generalsekretär.

Notfallübungen

  • Bereitstellung eines staatlichen Budgets für Notfallübungen für die Krankenhäuser: Verteilung der Finanzierung der Übungen durch die Länder

  • Entwicklung von alternativen Trainingskonzepten unterhalb von Vollübungen: beispielsweise Hybridübungen (präklinisch als Vollübung, innerklinisch als Simulationsübung) oder IT-gestützte Simulationen, mit denen insbesondere die logistischen Aspekte und das Ressourcenmanagement einer MANV-/TerrorMANV-Situation im Krankenhaus geübt werden können, ohne den Regelbetrieb zu stören

  • Nachweis von MANV/TerrorMANV-Übungen als Rezertifizierungskriterium für Traumazentren der Initiative TraumaNetzwerk DGU®

  • Bessere Vernetzung von Partnern aus dem Gesundheitswesen zur gegenseitigen Unterstützung von Rettungsübungen

Copyright information

© DGOU und BVOU 2019

Authors and Affiliations

  • Susanne Herda
    • 1
  • Swetlana Meier
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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