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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 1, pp 57–57 | Cite as

Traumanetzwerk Saar-Lor-Lux-Westpfalz

Notfallübung im Saarland war erfolgreich

  • Tim Pohlemann
Aus den Verbänden DGU

Die landesweite, integrierte Notfallübung im Saarland, die am 3. November 2018 stattfand, stellte den vorläufigen Schlusspunkt einer zweijährigen Vorbereitung auf die Folgen terrorassoziierter MANV-Situationen dar. Vorausgegangen war eine Initiative des Sprechers des Traumanetzwerkes, Prof. Dr. Tim Pohlemann, Universitätsklinikum des Saarlandes, zusammen mit den saarländischen Innen- und Sozialministerien. Hintergrund war die wissenschaftliche Erkenntnis, dass bei in derartigen Situationen zu erwartenden „Kriegsverletzungen“ die bewährten MANV-Konzepte nicht greifen und das Überleben der Patienten nach schnellstmöglichen Transport in eine Klinik dort im Wesentlichen von einer kompetenten Priorisierung der Verletztengruppen (Triage) und schnellen chirurgischen Blutstillung von perforierenden Verletzungen abhängt. Diese chirurgischen Fähigkeiten stehen wegen des derzeitigen Fokus auf hochspezialisierte, elektive und möglichst minimalinvasive Eingriffe nicht mehr flächendeckend und zeitnah zur Verfügung.

Integrierte Task Force Terror MANV Saar

Nach Gründung einer „Task Force Terror MANV Saar“ unter Leitung des Innenministeriums, mit Integration aller Behörden und Organisationen mit Sicherungsaufgaben (BOS), den Ministerien, der saarländischen Krankenhausgesellschaft, Ärztekammer, Bundeswehr und den Vertretern angrenzender Polizeibehörden wurden verschiedene Problemfelder unbürokratisch und lösungsorientiert bearbeitet.

Ein besonderer Schwerpunkt der Untergruppe Medizin war die Schulung ärztlicher Mitarbeiter in zunächst vier vom Traumanetzwerk (TNW) Saar-Lor-Lux-Westpfalz identifizierten Krankenhäusern. Mit der finanziellen Unterstützung des Sozialministeriums von rund 50.000 € fanden im Frühjahr 2018 bundesweit der erste Kombikurs TDSC (Terror and Disaster Surgical Care) und DSTC (Definitive Surgical Trauma Care) in Homburg und im Herbst eine zweite kombinierte Schulung statt. Es wurden bisher 28 Unfallchirurgen durch Landesförderung geschult, drei weiteren Mitarbeitern wurde die Teilnahme durch das Klinikum und Eigenmittel ermöglicht. Dazu kam ein Auffrischungsseminar spezifischer Kenntnisse für Allgemein- und Viszeralchirurgen in Kooperation mit der DGAV und Ärztekammer kurz vor der Übung. Für die langfristige Finanzplanung des Saarlandes wurde die weitere Förderung vorgeschlagen — auf alle Fälle wird 2019 weitergeschult!

Proben für den Ernstfall in realistischem Szenario

Die abgeschlossene Übung sah eine Geiselnahme/Terroranschlag auf eine Schule vor. In realistischem Szenario wurde die Polizeilage durch Einsatz- und Spezialkräfte der saarländischen Polizei bewältigt. Insbesondere die medizinischen Kenntnisse der Abschlussklassen der Polizeilehrgänge wurden überprüft sowie die geordnete Patientenübergabe an den Rettungsdienst unter wechselnden „Sicherheitszonen“ geprobt. Die Patientendarsteller wurden danach in vier TNW-Krankenhäuser gebracht. Dort wurden die Übergaben, Triage, Schockraumversorgung und weitere Therapie (OP, Intensiv-, Normalstation) geübt und beurteilt. In allen Häusern erfolgte eine „Vollalarmierung“ zur Überprüfung der Warnsysteme und Mitarbeiterverfügbarkeit. Das Sozialministerium unterstützt die Krankenhäuser dazu mit insgesamt 100.000 €.

Die laufende Analyse der Übung hat bereits wichtige Erkenntnisse zum Gesamtablauf erbracht: Erstmals fungierte ein TNW im Kreis der BOS als Ansprechpartner und Mittler der Zuständigkeitsbereiche Innenministerium (Polizei und präklinische Rettung) und Sozialministerium (Krankenhäuser). Wegen der erforderlichen institutionellen Ansprechbarkeit des TNW Saar-Lor-Lux-Westpfalz wurde eine entsprechende Dienstgruppe aus erfahrenen TNW-Unfallchirurgen eingerichtet. Sie ist über Sammel-SMS von der Leitstelle erreichbar und entsendet in derartigen Situationen einen „Fachberater Chirurgie“ in einen erweiterten Stab. Diese Aktivitäten könnten auch für andere Bundesländer und Traumanetzwerke Modell sein.

Notfallübung November 2018 im Saarland: simulierter Terroranschlag auf eine Schule

© Koop

Rolle und Verantwortlichkeiten der DGU-Traumanetzwerke müssen wohl erweitert werden, um auch in diesen besonderen Situationen eine effektive, flächendeckende Patientenversorgung landesweit sicherzustellen.

Prof. Dr. Tim Pohlemann

© Koop

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Tim Pohlemann
    • 1
  1. 1.Homburg/SaarDeutschland

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