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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 1, pp 18–18 | Cite as

Wieder keine Win-win-Modelle

ESTW und Knochendichtemessung seit 1. Januar — ein Kommentar
  • Johannes Flechtenmacher
  • Martin Ringeisen
  • Jörg Hausdorf
Aus unserem Fach Abrechnung und Management

Der G-BA hatte bereits im Herbst 2018 entschieden, dass die ESWT unter bestimmten Voraussetzungen in das EBM-Sachleistungsprinzip aufgenommen wird. Der Bewertungsausschuss hat nun am 12. Dezember 2018 die Vergütung für diese Leistung festgelegt.

Zur Abrechnung der Extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESTW) wurde zum 1. Januar 2019 die GOP 30440 neu in den EBM aufgenommen. Sie ist mit 247 Punkten (26,73 €) bewertet. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Der BVOU, die Deutsche Gesellschaft für Extrakorporale Stoßwellentherapie (DIGEST) und KBV hatten eine Bewertung der Leistung von 84 € beim Bewertungsausschuss eingegeben. Die Befürchtungen, dass durch die Honorierung keine adäquate Kostenerstattung dieser teuren Leistung zu erreichen ist, haben sich somit bestätigt.

Man beachte: Im EBM ist ein Arztlohn von 89 Cent pro Minute (!) vorgesehen. Der Rest des Honorars sind dann die technischen Leistungen.

Erst konservative Verfahren

Der BVOU hatte sich zusammen mit der DIGEST im Vorfeld dafür eingesetzt, dass Patienten, die eine ESTW erhalten, bereits mindestens sechs Monate unter Fersenschmerz bei Fasciitis plantaris leiden und dadurch in ihrer gewohnten körperlichen Aktivität einschränkt sein müssen. Während dieser Zeit sollen unterschiedliche konservative Therapieansätze und Maßnahmen wie Dehnübungen und Schuheinlagen ohne relevante Beschwerdebesserung angewandt worden sein. Erst dann, und nur dann, darf eine ESWT als zusätzliche Maßnahme nach EBM abgerechnet werden. Ich empfehle diese Vorgabe konsequent umzusetzen, denn unter diesen Voraussetzungen ist die ESWT wohl fast nie eine Kassenleistung.

Bis zu drei Sitzungen pro Fuß

Nach dem Beschluss des G-BA dürfen nur Fachärzte für Orthopädie, Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin die ESTW durchführen. Die neue GOP 30440 kann dabei pro Krankheitsepisode für jeden betroffenen Fuß bis zu dreimal abgerechnet werden — in maximal zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.

Ich weiß nicht, wie viele Patienten Sie haben, bei denen Sie sechs Monate erfolglos eine Fasciitis plantaris behandeln. Nach meiner 21-jährigen Praxiserfahrung sollten das nicht viele sein, bei denen nach EBM abzurechnen ist. Für die anderen gilt die GOÄ.

Immer noch kein adäquates Honorar für die Knochendichtemessung

Schließlich erhalten Ärzte seit 1. Januar für osteodensitometrische Untersuchungen mehr Geld. Die Vergütung steigt von rund 17 € auf 29 €. Das hat der Bewertungsausschuss im Dezember 2018 beschlossen. Die Bewertung der osteodensitometrischen Untersuchung I und II im EBM wird entsprechend angepasst: Die Punktzahl der GOP 34600 und 34601 wurde zum 1. Januar von 161 auf 268 Punkte erhöht. Zur Finanzierung der Höherbewertung der GOP 34600 wurde die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) entsprechend angehoben. Die Honorierung der GOP 34601 erfolgt extrabudgetär. KBV und GKV-Spitzenverband hatten bereits 2013 in einer Protokollnotiz vereinbart, die Leistungen im Rahmen der EBM-Weiterentwicklung neu zu bewerten. Diese Anpassung wurde nun vorgezogen. Obwohl hier eine Verbesserung der Honorierung stattgefunden hat, sehe ich auch bei dieser Leistung nach verschiedenen Berechnungen eine deutliche Unterdeckung im Honorar.

Wie schon zu erwarten war, hat der G-BA wieder einmal zum Nachteil einer patientenorientierten ambulanten Versorgung entschieden. Wir werden diese Vorgaben auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene abgestimmt und entschieden umsetzen und begleiten. Kluge Systeme in der Versorgung zeigen, dass es Win-win-Modelle im Sinne einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung und Zufriedenheit der Ärzte gibt. Wenn der Kollektivvertrag keine Qualitätsverbesserung und eine ordentliche Honorierung zulässt, müssen wir andere Wege in der Versorgung suchen.

Honorierungskonzepte brauchen Versorgungskonzepte. An diesen arbeiten wir und hoffen in diesem Jahr einiges umsetzen zu können.

Dr. Johannes Flechtenmacher

© R. Sablotny

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Johannes Flechtenmacher
    • 1
  • Martin Ringeisen
    • 2
  • Jörg Hausdorf
    • 3
  1. 1.KarlsruheDeutschland
  2. 2.AugsburgDeutschland
  3. 3.MünchenDeutschland

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