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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 8, Issue 4, pp 19–19 | Cite as

Mit und ohne Skalpell

Patienten auch ohne Operation bestmöglich versorgen
  • Springer Medizin
Aus unserem Fach Politik
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Mit dem Skalpell umgehen und nicht-chirurgisch behandeln — Fachärzte für O und U beherrschen beides. Warum die konservativen Therapien für Patienten immer bedeutsamer werden, erläutert Dr. Matthias Psczolla. Er ist Mitherausgeber des Weißbuchs „Konservative Orthopädie und Unfallchirurgie“, in dem DGOU und BVOU 2017 erstmals die gesamte Bandbreite der nicht-operativen Möglichkeiten in O und U aufgezeigt haben.

Was kann die konservative Orthopädie und Unfallchirurgie für Patienten leisten?

Dr. Matthias Psczolla: O und U ist zwar vordergründig ein chirurgisches Fach, umfasst aber nicht nur die operative Therapie: Manuelle Medizin, Schmerztherapie, Medikamente für viele Krankheitsbilder, Akupunktur sowie die große Palette physiotherapeutischer und physikalischer Maßnahmen stehen für viele orthopädische Krankheitsfälle bei Verschleiß- und Stoffwechselerkrankungen im Vordergrund. Der Unfallchirurg therapiert nach Unfällen ebenfalls meistens mit ruhigstellenden und funktionellen Verbänden. Zudem ist die Verordnung von orthopädischen Schuhen, Einlagen und orthopädischen Hilfsmitteln konservative Therapie.

Welchen Stellenwert haben diese Therapieansätze in Deutschland?

Psczolla: Interessanterweise werden die meisten Patienten nicht mit operativen Methoden, sondern konservativ behandelt. In der ambulanten Praxis, akutstationären und rehabilitativen Versorgung haben nicht-chirurgische Behandlungsformen eine große Bedeutung. Für Patienten bringen sie zudem den Vorteil mit sich, dass es sich meist um sehr risikoarme Verfahren handelt. Ein weiterer Gewinn für Betroffene: Bei chronifizierten Erkrankungen des Bewegungssystems oder wenn chirurgische Behandlungen abgeschlossen beziehungsweise nicht mehr möglich sind, bieten nicht-operative Therapien immer noch viele Möglichkeiten.

Mediziner und nicht-ärztliche Berufsgruppen arbeiten hier also eng zusammen?

© M. Psczolla / M. Hauk / DGOU

Psczolla: Durch die enorme Entwicklung der chirurgischen Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten bleibt der Orthopäde und Unfallchirurg auch weiter der primäre Ansprechpartner für die orthopädische Schmerztherapie, für die Behandlung und Wuchslenkung des Kindes, für Probleme von Behinderten und für alle Arten angeborener oder erworbener Krankheiten des Bewegungssystems. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Psychologen und den nicht-ärztlichen Berufen ist inzwischen fester Bestandteil unseres Faches und ein besonderes Thema des Weißbuches.

Im Weißbuch heißt es, die nicht-chirurgische Behandlung müsse zum Wohl der Patienten weiter gestärkt werden. Wie kann das gelingen?

Psczolla: Als Fazit des Weißbuchs sind zehn Thesen und Aufgaben formuliert, die wir als DGOU zukünftig gemeinsam mit unserem Berufsverband verwirklichen wollen, sowohl nach innen als auch nach außen. Im Fokus dieser durchaus auch politischen Forderungen stehen unsere Patienten, denen wir qualitätsgesicherte und leitliniengerechte, möglichst wirksame und risikoarme Diagnose- und Therapieverfahren anbieten möchten. Wir wollen Patienten mit unseren Fachleuten und kooperierenden Berufsgruppen von der Kindheit bis ins Greisenalter bei allen ihren Problemen, die das Bewegungssystem betreffen, optimal betreuen: sowohl chirurgisch mit hoher Spezialisierung als auch nicht-operativ konservativ in den verschiedenen Versorgungsbereichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Maria Hauk, Öffentlichkeitsarbeit DGOU.

Weitere Informationen unter: https://dgou.de/news/10-jahre-dgou/

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