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Zwischen DDR-Erbe, Familienfest und Konfirmations-Äquivalent

Die politische Re-Definition der Jugendweihe in Deutschland am Beispiel der Jugendfeier des Humanistischen Verbandes Deutschlands
  • Stefan Schröder
Artikel
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Zusammenfassung

Der Artikel nimmt gegenwärtige Jugendweihen in Deutschland am Beispiel der sogenannten „Jugendfeiern“ des Humanistischen Verbandes Deutschlands in den Blick und fragt nach dem Umgang der Anbieter mit dem DDR-Erbe der Feier. Dabei wird mit Hilfe einer Grounded Theory geleiteten Analyse von Found data, offenen Interviews und teilnehmenden Beobachtungen eine politische Re-Definition der Jugendweihe festgestellt: In Abgrenzung zur DDR-Jugendweihe werden sozialistische Werte durch humanistische ersetzt, Elemente wie das Gelöbnis oder die mitgliedschaftliche Initiationsfunktion des Festes abgeschafft und die Jugendweihe stattdessen als Familienfest für Nichtreligiöse inszeniert, das auf ein ahistorisches und damit universelles menschliches Bedürfnis nach einer Markierung biographischer Übergänge reagiert. Gleichzeitig wird innerhalb des Verbandes jedoch das Potenzial erkannt, über das vor allem in Ostdeutschland weiterhin breite Bevölkerungsteile erreichende Passageritual Zugriff auf eine junge Klientel zu erhalten und neue Mitglieder für den Verband zu gewinnen, die er dringend benötigt, um seiner Forderung, als Interessenvertretung aller Nichtreligiösen in Deutschland mit den Kirchen gleichgestellt zu werden, die nötige Legitimation zu verleihen. Das daraus erwachsende Spannungsfeld aus weltanschaulichen Ansprüchen und verbandspolitischen Notwendigkeiten wird speziell von den „Westverbänden“ des föderalistisch organisierten Humanistischen Verbandes durch die völlige Ablösung von der DDR-Geschichte und die dezidierte Rahmung der Jugendfeier als Konfirmationsäquivalent aufzulösen versucht.

Schlüsselwörter

Jugendweihe Humanismus Atheismus Freidenker Deutsche Demokratische Republik Grounded Theory 

Between GDR-heritage, family ritual and confirmation-equivalent

The political re-definition of contemporary Jugendweihe in Germany, using the Jugendfeier example of the German Humanist Association

Abstract

Using the example of the so called Jugendfeier of the German Humanist Association, this article addresses contemporary forms of Jugendweihe in Germany and the provider’s reflection process on its GDR-heritage. With reference to a Grounded Theory based analysis of found data, open interviews and participant observations, it reconstructs a political re-definition of the Jugendweihe: To distinguish it from the Jugendweihe of the GDR, socialist values are replaced by humanist ones and elements like the solemn pledge or the membership initiation function of the festivity are abandoned. Instead, Jugendweihe is re-enacted as family ritual for the nonreligious, functioning as an ahistorical and therefore universal human need for marking biographical transitions. At the same time, since Jugendweihe still reaches large segments of society especially in Eastern Germany, the organizers recognize its potential to get access to young cohorts and gain new members. These are desperately needed to legitimize association’s claims to function as advocacy for all religious nones in Germany and, as such, to gain the same legal status as the Christian Churches. Between the priorities of ideological and pragmatic aspirations, representatives especially from Western German federal associations, try to re-interpret Jugendweihe as an equivalent to the Christian confirmation practice.

Keywords

Jugendweihe Humanism Atheism Freethinkers German Democratic Republic Grounded Theory 

1 Einleitung

Die Jugendweihe hat die Deutsche Demokratische Republik (DDR) überlebt. In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nehmen auch im 21. Jahrhundert jährlich konstant über 100.000 Jugendliche gemeinsam mit ihren Familien an Jugendweihen teil – überwiegend in den neuen, aber auch in den alten Bundesländern (Döhnert 2000, S. 168). Die Kontinuität eines Festes, dem für die DDR-Zeit der Charakter einer „staatlichen Verpflichtungsfeier“ (Hallberg 1979, S. 145) zugeschrieben wird, überrascht Sozialforscher, Politiker und Kirchenvertreter gleichermaßen. Dabei schlägt die Überraschung häufig in den Vorwurf um, die Anbieter der Jugendweihe würden das sozialistische und kirchenkämpferische Erbe der Jugendweihe nicht selbstkritisch genug reflektieren (vgl. z. B. Gandow 1994; Neubert 1994; Evangelische Kirche in Deutschland 1999).

Dieser Artikel nimmt gegenwärtige Jugendweihe in Deutschland am Beispiel der Jugendfeierpraxis des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) in den Blick und fragt nach dem Umgang der Anbieter mit dem DDR-Erbe der Jugendweihe. Dabei stellt er eine politische Re-Definition der Jugendweihe durch ihre Anbieter fest. Der HVD grenzt seine Jugendfeier schon dem Namen nach vom sozialistischen Erbe der Jugendweihe ab und tritt stattdessen mit dem Anspruch auf, Interessenvertretung der nichtreligiösen Menschen in Deutschland zu sein (Humanistischer Verband Deutschlands 2015, S. 4).

Seit der Wiedervereinigung ist der konfessions- und religionslose Bevölkerungsanteil in Deutschland auf etwa ein Drittel angewachsen (Wohlrab-Sahr 2009). Während in der soziologischen Religionsforschung zunächst zwischen einem traditionell-kirchlichen Westen und einem säkularisierten Osten unterschieden wurde, nähern sich die abnehmenden statistischen Werte zu Religiosität und Kirchlichkeit in Westdeutschland in der jüngeren Vergangenheit denen Ostdeutschlands an (vgl. z. B. Pollack 2003, 2009). Mit seinem Jugendfeierangebot beansprucht der HVD, sich den Bedürfnissen dieses wachsenden Teils der Bevölkerung zu- und damit gleichsam vom sozialistischen Erbe der DDR-Jugendweihe abzuwenden. Der Artikel geht dieser politischen Re-Definition der Jugendweihe aus analytisch-religionswissenschaftlicher Perspektive auf explorative Weise nach. Dazu soll der Gegenstand zunächst historisch kontextualisiert und die Geschichte der Jugendweihe in groben Zügen nachgezeichnet werden (Kap. 2). Es wird ersichtlich, dass Jugendweihen keine Erfindung der DDR sind, sondern von freigeistigen Organisationen1, darunter Vorläufer des heutigen HVD, bereits Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt wurden. Nach einer kurzen Vorstellung des HVD (Kap. 3) wird die Grounded Theory geleitete Methodik der darauffolgenden Analyse von Primärliteratur (Webseiten, Verbandszeitschrift, andere Publikationen usw.) und ethnografischem Material2 erläutert (Kap. 4). Im Analyseteil wird schließlich dargelegt, wie der Verband sich in der eigenen Jugendweihepraxis über das Postulat eines universellen menschlichen Bedürfnisses nach der Markierung biografischer Übergänge als kultureller Dienstleister für konfessions- und religionslose Menschen allgemein inszeniert. Dabei verzichtet der HVD auf klassische Elemente der Jugendweihe der DDR, z. B. ein Gelöbnis, eine Vermittlung politisch-sozialistischer Inhalte (zugunsten des zentralen weltanschaulichen Wertes der Selbstbestimmung) und eine mitgliedschaftliche Initiationsfunktion der Feier (Kap. 5). Kapitel 6 widmet sich den ambivalenten Konsequenzen dieser politischen Re-Definition der Jugendweihe für deren Anbieter: Der Freiwilligkeitscharakter der Feier führt eher zu Klientenbeziehungen als zu einer Identifikation mit dem Verband bzw. einer Steigerung der Mitgliederzahlen, welche dem Anspruch, Interessenvertretung der Nichtreligiösen zu sein, mehr Legitimität verleihen würde. Es entsteht ein Spannungsfeld beim Versuch, das Mitgliederwerbungspotenzial der Jugendweihe zu nutzen, ohne den Eindruck von Initiation zu erwecken. Der Artikel schließt mit einer Zusammenfassung und einem Ausblick (Kap. 7).

2 Geschichtlicher Abriss der Jugendweihe in Deutschland

Die Jugendweihe geht auf spätaufklärerische Traditionen im freireligiösen und proletarischen Spektrum seit Mitte des 19. Jahrhunderts zurück (Hallberg 1979, S. 5–59) und entstand als funktionales Äquivalent in inhaltlich-ästhetischer Abwendung vom katholischen Sakrament der Firmung bzw. von protestantischen Konfirmationen, die zu dieser Zeit vor allem als Feiern zur Schulentlassung durchgeführt wurden und mit denen die Kinder bzw. Jugendlichen gleichzeitig als vollwertige Mitglieder in ihre Gemeinden und in die Gemeinschaft der „Erwachsenen“ aufgenommen werden sollten (Döhnert 2000, S. 13–15).

Zum ersten Mal Verwendung fand der Begriff „Jugendweihe“ 1852 in einer Gedichtüberschrift in den Mitteilungen der Freien Gemeinde Halle für Nordhausen (Groschopp 2014, S. 75). Die ersten freireligiösen Feiern waren weitgehend unpolitisch, wiesen einen positiven Religionsbegriff als Ehrfurcht vor dem Göttlichen im Menschen auf und glichen liturgisch noch stark den zeitgenössischen Konfirmationen. Neben der katechetischen Funktion wurde hier vor allem der Charakter des Festes als Aufnahmeritual in die Gemeinde und Segenzuspruch betont (Döhnert 2000, S. 37–38). Einige Orts- und Landesgemeinschaften innerhalb des 1859 in Gotha gegründeten Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) begannen in den Folgejahren, sich stärker religionskritisch auszurichten und auch in ihren Jugendweihen „Vernunfterkenntnis und sittliche Vervollkommnung“ zu betonen (Döhnert 2000, S. 39; Hallberg 1979, S. 80). Seit den 1890er-Jahren richteten auch proletarische Freidenkerverbände und Parteien Jugendweihen im Rahmen von Schulentlassungsfeiern aus (Döhnert 2000, S. 43).

Mit der politischen Zerschlagung der freigeistigen Szene in Deutschland 1932/33 wurde auch ihre Jugendweihepraxis verboten. Aus diesem Grund taucht die Zeit des Nationalsozialismus in internen Jugendweihe-Geschichtsschreibungen in der Regel nicht auf (vgl. z. B. Groschopp 2003). Hallberg (1979, S. 106–134) und Döhnert (2000, S. 65–113) weisen jedoch nach, dass das Fest inklusive seiner Topoi Schulentlassung und Sozialisation in die Gemeinschaft von völkisch-deutschgläubigen freireligiösen Gemeinden und der NSDAP regional aufgegriffen und durchaus nachgefragt wurde, wenn es auch anders als in vielen sonstigen Bereichen der Jugendsozialisation nicht zur Gleichschaltung kam. Sie sehen in dieser Kontinuität der Formen und Funktionen der Jugendweihe einen Grund dafür, dass das Fest nach 1945 in Westdeutschland von freigeistigen Organisationen zunächst durchaus erfolgreich wieder aufgegriffen werden (Hallberg 1979, S. 97–98)3 und sich in der DDR sogar zu einer Art „staatlicher Verpflichtungsfeier“ (Hallberg 1979, S. 145) entwickeln konnte.

Nachdem Jugendweihen parteiunabhängiger Anbieter in der DDR 1950 zunächst zu Gunsten einer sozialistischen Einheitsfront- und Appeasement-Politik mit den christlichen Kirchen verboten worden waren, kam es in den Folgejahren zu verstärkten ideologischen Auseinandersetzungen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) mit den Kirchen, in deren Zusammenhang die SED das Fest mit Hilfe des Zentralen Ausschusses für Jugendweihe (ZAfJW) und entsprechender Kreis- und Ortsausschüsse als weltanschauliches Instrument gegen die „reaktionäre Beeinflussung“ der Jugend durch die Kirchen wieder aufgriff und landesweit installierte (Döhnert 2000, S. 115–131). Nachdem die Partei den Charakter eines zentralistisch gesteuerten und finanzierten sozialistischen Festes zunächst noch zu verbergen versuchte, trat er anhand ihres fortschreitenden Konfliktes mit den christlichen Kirchen zunehmend offen zu Tage. Mit kampagnenartiger Propaganda wurde in Betrieben und Schulen für die Jugendweihe geworben und durch die Androhung negativer Konsequenzen einer ausbleibenden Teilnahme Druck auf die Jugendlichen und ihre Familien erzeugt (Döhnert 2000, S. 133).

Es entwickelte sich ein festgefügtes „Jugendweihejahr“, bestehend aus der Werbungsphase, einer Eröffnungsfeier, dem zwölfmonatigen Vorbereitungsprogramm, welches naturwissenschaftliche und technische Themen und die Vermittlung eines materialistischen Weltbildes in den Vordergrund stellte, Empfängen örtlicher Staatsorgane oder Großbetriebe am Abend vor der Jugendweihe, und der eigentlichen Feier, die in ihrer formal-ästhetischen Gestaltung Kontinuitäten zu Formen der freigeistigen Jugendweihe im 19. Jahrhundert aufwies: Klassisch-musikalische Darbietungen und Rezitationen rahmten Festrede, Gelöbnis und das Überreichen von Urkunden und Geschenkbüchern (Döhnert 2000, S. 137–139).

In der BRD wurde die Jugendweihe nach anfänglichen Erfolgen zunehmend mit einem sozialistischen DDR-Fest assoziiert und geriet unter Legitimationsdruck. 1970 nahm weniger als ein Prozent der 14 bzw. 15-jährigen in der Bundesrepublik an der Jugendweihe teil. In den 1980er-Jahren versuchte der Deutsche Freidenkerverband (DFV), Sitz Berlin, der 1993 im HVD aufgehen sollte, gemeinsam mit einzelnen anderen freigeistigen Organisationen4 das Fest neu zu definieren (Hallberg 1979, S. 99–100; Döhnert, 147–153). In diesem Gesamtzusammenhang ist auch die Distanzierung vom Begriff „Jugendweihe“ zu Gunsten des bis heute im HVD bestehenden „Jugendfeier“-Begriffes zu verstehen. Verlief dieses Projekt zunächst alles andere als erfolgreich – der DFV, Sitz Berlin verweist für das Jahr 1990 auf sinkende Zahlen bei der Anmeldung und lediglich 87 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Dornieden und Schermele 1990, S. 32) – nahm seine Entwicklung mit der Wiedervereinigung Deutschlands eine ungeahnte Wendung. 1991 nahmen 1200 Jugendliche an den Jugendfeiern des DFV, Sitz Berlin, teil (Schierz und John 1991).

Der ZAfJW wurde 1990 in „Interessenverband Jugendweihe e. V.“ umbenannt und existiert bis heute unter dem Namen „Jugendweihe Deutschland e. V.“ (JWD). Weltanschaulich-ideologisch definierte sich dieser Verein vollständig neu, ersetzte die sozialistische durch eine demokratische, humanistische und ökologische Ausrichtung und schaffte in diesem Zusammenhang auch das Gelöbnis auf die DDR-Verfassung und die Quasi-Verbindlichkeit der Teilnahme an Jugendweihe und Vorbereitungskurs ab. Vor allem in der kirchlich-theologischen Literatur (vgl. z. B. Gandow 1994, S. 91–97; Evangelische Kirche in Deutschland 1999, S. 1–2) wird aber auf die Kontinuität der Verbandsstrukturen und des Personals von JWD hingewiesen, und in diesem Zusammenhang auch auf jene einer kirchenfeindlichen, ideologisch-sozialistischen Ausrichtung des Vereins, dessen „Distanzierung zur DDR-Jugendweihe […] nicht nur für Außenstehende schwer zu glauben“ sei (Gandow 1994, S. 72).

Die Organisatoren der jetzt „neuen“ Jugendweihen und auch der Jugendfeiern müssen auf dies 40 Jahre lange Kapitel ihrer hundertjährigen Tradition ihrer Jugendweihe als Geschichte der Intoleranz im Kampf gegen Kirche und Konfirmation befragt werden. Vor allem aber müssen sie zum seelischen Druck auf einzelne Jugendliche und seine Folgen ernstlich und nicht ausweichend (z. B. durch neue Bezeichnungen) Stellung nehmen. Mit der (unwahren) Behauptung: „Damit haben wir nichts zu tun, denn wir sind eine Neugründung!“ ist diese Vergangenheit der Jugendweihe (und etlicher ihrer derzeitigen Vorkämpfer) nicht auszulöschen. Unverschämtes Weitermachen, nämlich ohne Scham für eine Vergangenheit, an der man tw. sogar persönlich beteiligt war, kann nicht akzeptiert werden. Es muss daher von allen heutigen Organisatoren der Jugendweihe – die z. T. ja schon zu DDR-Zeiten recht aktiv dabei waren – erwartet werden, daß sie die schuldhafte Geschichte der – ihrer! – Jugendweihe endlich aufarbeiten (Gandow 1994, S. 97).

Heute ist JWD in mehreren Bundesländern als parteipolitisch wie weltanschaulich ungebundener Träger der freien Jugendhilfe anerkannt und richtet deutschlandweit, vor allem aber in den neuen Bundesländern Jugendweihen für über 90.000 Jugendliche aus. Damit ist er der größte Anbieter dieser Art und kann in den neuen Bundesländern auf drei Mal so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer verweisen wie die Evangelische Kirche bei ihren Konfirmationen (Döhnert 2000, S. 168).5

Trotz dieses mächtigen Konkurrenten im Werben um Jugendweihe-Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitierten auch der HVD und seine Jugendfeier von der Wiedervereinigung. Als Westberliner Verband galt er bei einigen ostdeutschen Familien als ideologisch „unbelastet“ (Döhnert 2000, S. 162). Wie oben beschrieben vervierzehnfachte der Verband, noch als DFV, Sitz Berlin, die Zahl der Anmeldungen zur Jugendfeier von 1990 auf 1991. Er nahm dies zum Anlass, mit verschiedenen Feierformaten zu experimentieren (Döhnert 2000, S. 181). Langfristig sollte sich ein Format im Friedrichstadtpalast durchsetzen, in dem jedes Jahr an mehreren Wochenenden im Frühjahr die Jugendfeierfestveranstaltungen des HVD in Berlin stattfinden. Im Jahr 2015 nahmen daran gut 2700 Jugendliche Teil.6

Ähnlich sprunghaft entwickelten sich die Teilnehmerzahlen in Brandenburg. Verwies der HVD hier 1991 – noch als „Interessenvertretung der Konfessionslosen Brandenburg“ – auf 300 Anmeldungen, stieg deren Anzahl im Jahr 1993 auf über 5000 an (Ukrow 1993), ein Wert, der sich bis in die Gegenwart hinein stabil gehalten hat (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014). In Brandenburg werden die Feiern von den Lokal- und Ortsverbänden in unterschiedlichen Locations (Sport- oder Stadthallen, Theater usw.) ausgerichtet. Gleiches gilt für das Bundesland Sachsen-Anhalt, in dem zwar kein HVD-Landesverband existiert, in dem die Lokalverbände Halle, Magdeburg und Merseburg im Jahr 2012 aber auf rund 1500 Anmeldungen zur Jugendfeier verweisen konnten (o.A. 2012).

Etwas anders stellt sich die Situation freilich in den alten Bundesländern dar. Beim Landesverband Niedersachsen nahmen im Jahr 2012 lediglich 56 Jugendliche an der Jugendfeier teil, in Nordrhein-Westfalen 50 (o.A. 2012). Der HVD Bayern konnte für das Jahr 2015 auf immerhin rund 70 Anmeldungen verweisen (Teilnehmende Beobachtung 1, Jahreshauptversammlung HVD Bayern 2014, Nürnberg, 26.10.2014). Im Landesverband Baden-Württemberg sind die Teilnehmerzahlen seit Jahren einstellig (Interview 2, HVD Gruppeninterview vom 22.04.2013).

3 Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD)

Der konkreten Darstellung und Analyse der Jugendfeier des HVD als Beispiel gegenwärtiger Jugendweihe soll eine kurze Vorstellung des Gesamtverbandes vorangestellt werden.

Der HVD wurde 1993 als föderalistische „Dachorganisation“ von mehreren freigeistigen Landesverbänden in Deutschland gegründet. Er zählt derzeit etwa 20.000 Mitglieder in 13 Landesverbänden. Angeschlossen an den HVD sind der Jugendverband „Junge Humanistinnenen und Humanisten“ (JuHus) und die Humanistische Akademie, in der eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Humanismusgeschichte und -theorie angestrebt wird. Zudem ist der HVD Träger der Bundeszentralstelle für Patientenverfügungen. Der Verband ist national und international mit gleichgesinnten Organisationen vernetzt. So ist er Mitglied im nationalen Koordinierungsrat Säkularer Organisationen in Deutschland (KORSO), in der International Humanist and Ethical Union (IHEU) und in der European Humanist Federation (EHF), die sich als Sprachrohr der Nichtreligiösen in der EU versteht und als Lobbyorganisation in Brüssel bezeichnet werden kann. Vierteljährlich erscheint die Verbandszeitschrift „diesseits“.

Der HVD ist eine Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Von seinen Landesverbänden besitzen fünf den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (Berlin-Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg). Der am politischen Einfluss gemessen bedeutendste Landesverband ist der HVD Berlin-Brandenburg: Für seine Praxis stellt der Berliner Senat jährlich zweistellige Millionenbeträge zur Verfügung. Dieses Geld fließt vor allem in die mittlerweile mehr als 20 Kindertagestätten unter Trägerschaft des HVD und seinen Lebenskundeunterricht, der an etwa 350 Schulen in Berlin und Brandenburg als konfessionelle (Konfession: Humanismus), freiwillige Alternative zum Religionsunterricht angeboten und mittlerweile von über 50.000 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Darüber hinaus ist der HVD in Berlin Träger einer Hochschule für Sozialpädagogik, von Hospizdiensten, Sozialstationen, Beratungs‑, Jugend- und Familienzentren sowie eines Kulturressorts. Mit dem Ausbau der Praxis des HVD erfolgte eine zunehmende Professionalisierung seiner Arbeit. In Berlin und Brandenburg beschäftigt der Verband mittlerweile über 1200 hauptamtliche Mitarbeiter. Ein kleiner Teil von ihnen arbeitet auch im Bereich Lebensfeiern: Der HVD bietet in ganz Deutschland Namensfeiern (zur Geburt eines Kindes), Hochzeiten, Trauerfeiern und Jugendfeiern an. Je nach lokaler Tradition verweisen die Landesverbände auf unterschiedliche Frequentierungen dieser Feiern. Wie schon in Kap. 2 gezeigt, dominiert die Jugendfeier vor allem in den neuen Bundesländern, findet jedoch auch in alten Bundesländern wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg statt (Schröder 2013, S. 170–174).

Der HVD tritt mit dem Anspruch auf, Interessenvertretung aller Nichtreligiösen in Deutschland zu sein (Humanistischer Verband 2015, S. 4). Aus zwei vom Verband selbst beim Institut für Demoskopie Allensbach (2004) und beim Meinungsforschungsinstitut Forsa (2007) in Auftrag gegebenen repräsentativen sogenannten „Akzeptanz-Studien“ geht hervor, dass etwa die Hälfte der deutschen Gesamtbevölkerung die HVD-Lebensauffassung7 „voll und ganz“ oder „überwiegend“ teilt. Vom HVD wird auf diese Werte Bezug genommen, um Forderungen nach einer Ausweitung öffentlicher Förderung der Verbandsangebote zu legitimieren: Trotz geringer Mitgliederzahlen gebe es innerhalb der konfessionsfreien bzw. religionslosen Bevölkerung ein Bedürfnis nach HVD-Angeboten, die nur aus Mitgliedschaftsbeiträgen nicht finanziert werden könnten (Groschopp 2012, S. 20).

4 Methode

Die nachfolgende Analyse der Jugendfeier des HVD erfolgt auf Grundlage einer Grounded Theory geleiteten Analyse (nach Corbin und Strauss 1996 [1990]) unterschiedlichen Datenmaterials: Found data (z. B. Webseiten oder Zeitschriften bzw. andere verbandsinterne Publikationen) wurde ebenso theoretisch gesampelt wie erhobenes Datenmaterial aus fünf offenen Interviews und vier teilnehmenden Beobachtungen, die der Verfasser dieses Artikels im Rahmen der Forschungsarbeit zu seinem Dissertationsprojekt „Freigeistige Organisationen in Deutschland“ durchführte. Der Schwerpunkt der Interviews und Teilnehmenden Beobachtungen lag auf den Landesverbänden in Berlin-Brandenburg und Bayern, um etwaige Ost-West-Unterschiede zu erfassen. Neben drei ausführlichen Interviews zum Thema Jugendfeier mit jeweils einem Vertreter des HVD in Berlin (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014), Brandenburg (Interview 3, HVD-Funktionär vom 16.04.2015) und Bayern (Interview 5, HVD-Funktionär vom 14.06.2013) wird auch aus zwei Gruppeninterviews mit HVD-Funktionären zitiert, in denen Vertreter des Baden-Württembergischen und Berlinerischen (Interview 2, HVD Gruppeninterview vom 22.04.2013) sowie des Nordrhein-Westfälischen Landesverbandes (Interview 4, HVD Gruppeninterview vom 15.03.2015) in Ausschnitten auf die Jugendweihepraxis ihrer Verbände Bezug nehmen. Die Teilnehmenden Beobachtungen umfassen jeweils eine Jugendfeier des HVD in Berlin (Teilnehmende Beobachtung 2, Jugendfeier HVD Berlin 2014, Berlin, 23.05.2014) und in Bayern (Teilnehmende Beobachtung 3, Jugendfeier HVD Bayern 2013, Nürnberg, 13.07.2013) sowie ein Jugendfeiervorbereitungstreffen (Teilnehmende Beobachtung 4, Jugendfeier 2016 Vorbereitungstreffen HVD Bayern, Fürth, 27.11.2015) und eine Jahreshauptversammlung des HVD Bayern (Teilnehmende Beobachtung 1, Jahreshauptversammlung HVD Bayern 2014, Nürnberg, 26.10.2014).

Das Material wurde dem Grounded Theory geleiteten Analyseverfahren nach Corbin und Strauss (1996 [1990]) folgend offen, axial und selektiv kodiert. Als Schlüsselkategorie kristallisierte sich im Laufe der theoriebildenden Analysen politische Re-Definition der Jugendweihe8 heraus. Sie wird anhand ihrer Subkategorien Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR und Familienfest für Nichtreligiöse im folgenden Kapitel näher beschrieben und sodann im Zuge des axialen Kodierens nach Corbin und Strauss (1996 [1990]) mit Hilfe des abstrakt handlungstheoretischen Kodierparadigmas in Beziehung zu Phänomen‑, Kontext‑, Ursachen-, intervenierenden Bedingungs- und Konsequenzkategorien gesetzt.

5 Die Jugendfeier des HVD als politische Re-definition der Jugendweihe

Das Licht im vollbesetzten Friedrichstadtpalast in Berlin wird gedimmt. Zu „Land of the hope and glory“ nehmen die etwa 200 Jugendfeierlinge an diesem Sonnabend im Mai 2014 zu einer Lasershow Einzug in den Saal, in der Hand das HVD-Geschenkbuch „Lebenswege“, das ihnen bereits im Foyer überreicht wurde. Nachdem sie in den ersten beiden Stuhlreihen Platz genommen haben, intoniert eine Rockband „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Als Moderator tritt der Schauspieler Urban Luig auf, der zusammen mit einer gecasteten Jugendtheatergruppe, die typische Alltagsszenen aus dem Familienleben mit Teenagern darstellt, professionell durch die Festveranstaltung führt. Videos mit Grußworten werden eingespielt: Eines vom damaligen Geschäftsführer des HVD Berlin-Brandenburg, Manfred Isemeyer, die anderen drei von Schauspielerin Anna Loos, Sänger Peter Fox und Fernsehmoderator Joachim „Joko“ Winterscheidt. Ein weiterer Videoeinspieler dokumentiert das sechsmonatige Vorbereitungsprogramm der Jugendfeier, das in Berlin und Brandenburg ein freiwilliges Angebot darstellt, und an dem etwa die Hälfte der Jugendfeierlinge teilnimmt (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014): Beispielhaft wird ein Segelflugkurs gezeigt, im weiteren Verlauf auch ein Besuch der Jugendlichen in einem Tonstudio.9 Zwischendurch berichten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Video, was Erwachsenwerden für sie bedeutet. In seiner fünfminütigen Festrede fasst Urban Luig die Quintessenz nahezu aller Redebeiträge, Theaterszenen und Videobotschaften treffend zusammen: Die Jugendfeier sei ein „symbolischer Schritt ins Erwachsenenleben“ (Teilnehmende Beobachtung 2, Jugendfeier HVD Berlin 2014, Berlin, 23.05.2014), und Erwachsen werden bedeute mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung.

Von heute an geht es richtig los: Ihr könnt mehr und mehr die eigenen Entscheidungen fällen, ihr könnt zunehmend bestimmen, wie ihr das Haus verlasst, ihr könnt bald allein auf Reisen gehen, ihr sammelt Erfahrungen in Sachen Beziehung, ihr bekommt mehr Freiheit und ihr bekommt mehr Taschengeld – und viele schöne andere Dinge heute noch dazu. Und außerdem bekommt ihr von heute an: Mehr Verantwortung und mehr Pflichten (Teilnehmende Beobachtung 2, Jugendfeier HVD Berlin 2014, Berlin, 23.05.2014).

Zwischen weiteren Beiträgen der Rockband, die bekannte Charthits wie „Wovon sollen wir träumen“ oder „Chasing cars“ spielt, und einer Breakdancegruppe, finden insgesamt vier sogenannte „Festakte“ statt. Jeweils 40 Jugendliche werden auf die Bühne gebeten. Ihre Namen werden, von leiser Klaviermusik begleitet, aufgerufen, sie treten vor und bekommen von den Bandmitgliedern und einigen Helferinnen und Helfern eine Rose überreicht. Danach reihen sie sich wieder ein. Nach jeweils zehn Namen wird ein „weises Wort“ verlesen. Das Spektrum reicht von Konfuzius („Was Du liebst, lass frei. Kommt es zu Dir zurück, gehört es Dir für immer“) über John F. Kennedy („Man kann im Leben nicht genug lernen. Es gibt nur etwas, was teurer ist als Bildung, nämlich keine Bildung“) bis zu Kurt Tucholsky („Erfahrungen vererben sich nicht. Jeder muss sie selber machen. Jeder muss ganz von vorn anfangen“). Zum großen Finale kommen noch einmal alle Jugendlichen zum Lied „On top of the world“ auf die Bühne (Teilnehmende Beobachtung 2, Jugendfeier HVD Berlin 2014, Berlin, 23.05.2014).

Das beschriebene Beispiel einer Jugendfeier des HVD in Berlin zeichnet sich durch verschiedene Eigenschaften aus, die sich durch offenes, axiales und selektives Kodieren in unterschiedliche Kategorien zusammenfassen und sich schließlich um die Schlüsselkategorie politische Re-Definition der Jugendweihe herum gruppieren lassen. Zwar wird auf der Eintrittskarte zur Festveranstaltung durch das Motto „JugendFEIER – die Jugendweihe des HVD“ im Untertitel noch auf den traditionellen Namen der Feier und damit auch auf deren DDR-Erbe Bezug genommen – dieser Verweis erscheint jedoch nur noch als Reminiszenz an die Jugendweihen der Elterngeneration der Teilnehmenden und soll langfristig wegfallen:

Der Untertitel „Die Humanistische Jugendweihe“ bleibt, weil gerade im ehemaligen Osten durchaus diese DDR-Tradition sehr sehr stark ist, als Familientradition, und der Begriff sich einfach noch nicht durchgesetzt hat. Insofern ist das ein kleines Hilfsmittel. Wir arbeiten daran, irgendwann dahin zu kommen, diesen Zusatz nicht mehr zu brauchen. Also einfach zu sagen: Okay, das ist die Jugendfeier, das ist etwas grundsätzlich anderes, als das, was ihr aus der DDR kennt. Das wird sicherlich irgendwann nicht mehr nötig sein (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014).

Aussagen wie diese lassen sich in der Kategorie Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR zusammenfassen, die als Subkategorie der politischen Re-Definition der Jugendweihe zu verstehen ist. Eine zweite Subkategorie der Schlüsselkategorie ist Familienfest für Nichtreligiöse. Sie beschreibt, wie die Jugendweihe vom HVD politisch re-definiert wird und drückt sein allgemeines Selbstverständnis als Interessenvertretung für Nichtreligiöse in Deutschland aus. Die beiden Subkategorien der Schlüsselkategorie sollen nun nacheinander mit Hilfe ihrer Eigenschaften erläutert werden, die ebenfalls Ergebnis der Grounded Theory geleiteten Analyse sind, in Kategorienform rekonstruiert wurden und hier deshalb auch kursiv gesetzt werden.

Die Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR wird nicht nur über die Umbenennung der Feier erzeugt, sondern z. B. auch über historische Bezüge auf den freigeistigen Ursprung der Jugendweihe begründet. So verweist Moderator Urban Luig in seiner Festansprache darauf, dass die Jugendfeier „in dieser Form seit 125 Jahren gefeiert“ wird, und stellt somit einen Bezug auf die erste proletarische Jugendweihe 1889 in Berlin her. Dieses Motiv findet sich auch in Publikationen von Verbandsvertretern.

1889 wurde die Jugendweihe erstmals als proletarische Jugendweihe in Berlin durchgeführt, womit auch der Grundstein für die humanistischen Jugendweihen gelegt war, die wir heute begehen […]. In der ehemaligen DDR wurde die Jugendweihe bis 1954 nicht zugelassen, danach wurde sie als staatlich organisiertes Fest mit Gelöbnis auf die DDR zweckentfremdet (Witzke 2014, S. 140).

Jugendweihe erscheint in diesem Zitat als ursprünglich freigeistige Tradition, die sich die DDR auf illegitime Weise zu Eigen gemacht hat. Die Rede von einer „Zweckentfremdung“ der Jugendweihe in der DDR verdeutlicht die Abgrenzung von diesem Ausschnitt der Jugendweihe-Geschichte. Sie erfolgt, wie das Zitat ebenfalls zeigt, auch über einen Gelöbnisverzicht: Der HVD hat das Gelöbnis, bis dahin integraler Bestandteil der Jugendweihe, 1990 abgeschafft und seitdem die Formelhaftigkeit solcher Bekenntnisse immer wieder problematisiert. In den von der Bundes-AG Jugendfeier des HVD vereinbarten Standards heißt es:

Die Jugendfeier ist ein attraktives Übergangsritual für 13–15-jährige Jugendliche, die den symbolischen Schritt aus der Kindheit in die Welt der Erwachsenen mit einem Fest ohne Glaubensbekenntnis und Gelöbnis feiern. Die Jugendfeier steht auf der Grundlage einer humanistischen Lebensauffassung für die Vermittlung von Werten wie Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Toleranz und freiem Denken (zit. nach Witzke 2014, S. 141–142).

Neben der Betonung des Gelöbnisverzichts wird in diesem Zitat eine ideologische Umdeutung der Jugendfeier vorgenommen: Die beschriebene „Lebensauffassung“ ersetzt sozialistische durch betont humanistische Bezüge, wobei weltanschaulich vor allem der Wert der Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung ins Zentrum gerückt wird. Damit einher geht ein ausgeprägter Antidogmatismus, der die ideologische Umdeutung mit der Kategorie des Gelöbnisverzichts verbindet. Um sich vom DDR-Erbe abzugrenzen, ist der HVD bestrebt, jeden Missions- oder Indoktrinations-Verdacht entschieden von sich zu weisen. So lehnen z. B. Vertreter des HVD in Brandenburg das Verständnis der Jugendfeier als Initiationsritus zur „Heranzüchtung kleiner Humanisten“ (Interview 3, HVD-Funktionär vom 16.04.2015) resolut ab. Sie betonen, die Jugendfeier und die anderen Jugendangebote des Verbandes stünden allen Interessierten (und damit z. B. auch Kirchenmitgliedern) offen und seien weder mit einer Verpflichtung, an den Vorbereitungskursen teilzunehmen, noch mit der Voraussetzung einer Mitgliedschaft im Verband verbunden. Ein Zwang zur Teilnahme am Vorbereitungsprogramm würde den Jugendlichen die selbstbestimmte Entscheidung gegen dieses verunmöglichen, und damit den zentralen humanistischen Wert, der eigentlich vermittelt werden soll, konterkarieren (vgl. dazu auch Ziese-Henatsch 2007, S. 82). Die wirklich humanistisch interessierten Jugendlichen würden von selbst weiteren Kontakt zum Verband suchen und sich aus echter Überzeugung für einen Eintritt entscheiden (Interview 3, HVD-Funktionär vom 16.04.2015). Diese Ausrichtung der Jugendfeier lässt sich über die Kategorien der Freiwilligkeit und des Verzichts auf eine mitgliedschaftliche Initiation zusammenfassen.

Auch beim HVD in Berlin wird versucht, nach außen hin jeglichen Eindruck einer Initiationsfunktion der Jugendfeier zu vermeiden. Dies geht sogar so weit, dass auf den Festveranstaltungen selbst kaum überhaupt sichtbar wird, dass der Verband ihr Ausrichter ist: Wie im oben beschriebenen Ablauf der Feier im Friedrichstadtpalast ersichtlich, werden Moderation, Grußworte und Festrede von Schauspielern oder Musikern ohne erkennbaren Bezug zum HVD gestaltet. Auch inhaltlich wird nur sehr vereinzelt und oberflächlich auf den Verband verwiesen. Gleiches gilt für die musikalische und künstlerische Begleitung der Veranstaltung durch Rockbands, Tanz- und Theatergruppen, bei der popkulturelle Elemente deutlich überwiegen (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014).

Die Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR beschreibt die eine Seite der politischen Re-Definition der Jugendweihe durch den HVD. Die zweite besteht darin, die Jugendweihe als Familienfest für Nichtreligiöse und sich selbst damit als Interessenvertretung aller Nichtreligiösen in Deutschland zu inszenieren. Diese zweite Subkategorie der Schlüsselkategorie soll im Folgenden beschrieben und durch eine Rekonstruktion ihrer Eigenschaften analytisch ausdifferenziert werden.

Wie Moderator Urban Luig im oben zitierten Ausschnitt aus der HVD-Jugendfeierfestrede im Friedrichstadtpalast 2014 betont, feiern nichtreligiöse Menschen im Rahmen der Jugendfeier symbolisch den Übergang vom Kind zum Erwachsenen/Jugendlichen. Der Verband verortet diesen Übergang innerhalb der Institution Familie und inszeniert seine Jugendfeier dementsprechend als Familienfest für Nichtreligiöse. So heißt es auch auf der Website des HVD Berlin-Brandenburg: „Du wirst nur einmal erwachsen. Deshalb dreht sich bei der JugendFEIER auch alles um Dich und Deine Familie“ (Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg 2017). Die Jugendfeier soll dem HVD-Festredner auf der Jugendfeier in Nürnberg 2013 zu Folge das Erwachsenwerden eines Familienmitglieds „rituell darstellen“ und „symbolisch verdichten“ (Teilnehmende Beobachtung 3, Jugendfeier HVD Bayern 2013, Nürnberg, 13.07.2013), und damit zum einen der entwicklungspsychologisch heiklen, krisenhaften, liminalen10 Jugendphase Ausdruck verleihen, zum anderen dem Stolz und der Wehmut der Elternseite ein Ventil geben. Für alle Beteiligten sei diese Phase anstrengend, mit Ungewissheit verbunden und erfordere Geduld (Interview 3, HVD-Funktionär vom 16.04.2015). Ziel der Feier ist es dementsprechend, alle familiären Perspektiven auf die angesprochene Lebensphase vor allem emotional angemessen zu würdigen. Veranschaulichen lässt sich dies zum einen an der Festveranstaltung der Jugendfeier im Friedrichstadtpalast, und dabei sowohl an den szenischen Darstellungen typischer alltäglicher Situationen des Familienlebens durch die Theatergruppe als auch an den „weisen Worten“ während der Festakte: Das Konfuziuswort „Was Du liebst, lass frei. Kommt es zu Dir zurück, gehört es Dir für immer“, lässt sich auf die Elternperspektive im Sinne der Schwierigkeit, die Emanzipation und Loslösung der Kinder aus dem Elternhaus zu akzeptieren, beziehen. Ähnlich verhält es sich mit der Aussage Kurt Tucholskys: „Erfahrungen vererben sich nicht. Jeder muss sie selber machen. Jeder muss ganz von vorn anfangen“. Zum anderen nimmt auch das Geschenkbuch „Zwischen nicht mehr und noch nicht“ immer wieder auf verschiedene Perspektiven innerhalb von Kleinfamilien Bezug. So richtet sich das Vorwort explizit an die Jugendfeierteilnehmerinnen und -teilnehmer, implizit jedoch auch an deren Eltern und versucht, allen Gefühlslagen gleichermaßen gerecht zu werden:

Dieses Buch wird […] Dich in dem Gefühl bestärken, auch dann nicht allein zu sein, wenn Du ängstlich bist, voller Sehnsucht oder Zweifel. Du findest Geschichten von der Suche nach dem eigenen Ich, von Herzklopfen und Kribbeln im Bauch, vom Noch-nicht-ernst-genommen-Werden oder Schon-Verantwortung-tragen-Müssen. Und wenn Deine Eltern in dem Buch lesen, werden sie, je nachdem, schmunzelnd oder stöhnend sagen: „Ja, genauso ist das in diesem verflixten Alter“ (Block 2004, S. 11).

Der Kategorie Familienfest für Nichtreligiöse liegt in erster Linie das HVD-Postulat eines universellen menschlichen Bedürfnisses nach einer symbolisch-rituellen Markierung biographischer Übergänge zu Grunde, in diesem Fall vom Kind/Jugendlichen zum Erwachsenen. Dieses wird z. B. in einem Beitrag des Jugendfeier-Geschenkbuches „Zwischen nicht mehr und noch nicht“ formuliert: In diesem berichtet Frank-Otto Sperlich von Praktiken der Zoe-Indianer im brasilianischen Urwald, mit dem Kinder in die Welt der Erwachsenen aufgenommen würden. Damit soll offensichtlich die Universalität des Bedürfnisses, biographische Übergangssituationen zu markieren, belegt, die Funktion der Jugendfeier indirekt erläutert und die Feier selbst legitimiert werden (Sperlich 2004, S. 78). Auch in der Verbandszeitschrift „diesseits“ findet sich der Hinweis auf eine kulturübergreifende Praxis biographischer Passagerituale, denen dadurch eine Aura des Ahistorischen und damit des Universellen verliehen wird.

Feiern und Feste sind eine uralte Tradition der Menschheit. Sie sind nicht alle ursprünglich durch religiöse Vorstellungen entstanden […]. Auch die Vorbereitung der Jugendlichen auf das Erwachsenenleben war stets mit Feiern verbunden. Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung vollzogen orientalische Völker in feierlicher Form den Übergang vom Knaben- zum Jünglingsalter durch Mannbarkeitsfeste und Jünglingsprüfungen (Isemeyer 1989, S. 8).

Wie der Anfang dieses Zitates zeigt, wird der religiöse Exklusivanspruch auf Passagerituale vom HVD in Frage gestellt und damit gleichsam beansprucht, ein Angebot bereit zu stellen, das speziell auf die entsprechenden Bedürfnisse nichtreligiöser Menschen reagiert. Dieser Aspekt wird besonders von den westdeutschen Landesverbänden des HVD betont, welche die Jugendfeier als Konfirmationsäquivalent inszenieren: Auf einem Flyer des HVD Bayern zur Jugendfeier 2016 wird diese als „weltliche Alternative zur Konfirmation“ beworben. Hintergrund ist das laut HVD bestehende christlich-kirchliche Monopol im Bereich der Übergangsrituale, das ein Verbandvertreter aus Bayern im folgenden Zitat kritisiert.

[W]ie markiere ich denn das Ende der Kindheit? Das ist ja wichtig für Menschen. Mache ich da einfach nichts, oder einen lustigen Ausflug in den Zoo, wenn die anderen ihre Feier haben und sich auch aufgenommen fühlen können? Das ist ja eine Markierung, die da geleistet wird von Konfirmation und Firmung, und die anderen sind dann nichts und haben halt nichts. Damit dieses Nichts nicht passiert, sondern dass man selbstbewusst sagen kann: Wir haben auch Überzeugungen und Ansprüche, und wir haben die gleichen Bedürfnisse der Passageriten, oder diese Passagen überhaupt darzustellen, wie sie die Menschen auch haben. Wir haben das eben auf unsere Art. Das setzt aber voraus, dass es eine Organisation gibt, weil man es alleine nicht kann. Es geht halt nicht, es ist halt einfach logisch nicht vorstellbar, dass man das alleine macht, weil dann ist es ja […] keine soziale Tätigkeit, […] wenn ich mich alleine auf einen Tisch setze und sage: So, jetzt feiere ich mal, das ist schwer vorstellbar. Also es muss irgendeine soziale Struktur dafür geben, und dafür sind eben Weltanschauungsgemeinschaften da (Interview 5, HVD-Funktionär vom 14.06.2013).

Der Logik dieses Zitates folgend schließt der HVD eine Bedarfslücke im Bereich der Passagerituale für nichtreligiöse Menschen und wird damit zu deren Interessenvertretung.

Die weltanschauliche Verbindlichkeit der Jugendfeier in Richtung einer säkularen bzw. humanistischen Alternative zu Religion erscheint in Bayern ausgeprägter als in Berlin oder Brandenburg. So heißt es z. B. in der auf der Jugendfeier 2013 in Nürnberg gehaltenen Festrede des damaligen HVD-Präsidenten des Landesverbandes Bayern, Helmut Fink:

Wir bestärken keinen Glauben, sondern fördern den Zweifel an religiösen Heilsgewissheiten und politischen Heilsversprechen gleichermaßen. Neugier, Aufgeschlossenheit, Forschergeist, Kreativität und Perspektivwechsel sind uns willkommen, ebenso das Hinterfragen von Autoritäten und die Entwicklung von Kritikfähigkeit, und zwar aktiver wie passiver, denn zum Recht zu kritisieren gehört die Pflicht sich kritisieren zu lassen. Unser Vertrauen ist auf Menschlichkeit und Vernunft, unsere Achtsamkeit auf die Mitmenschen und die Natur gerichtet. Das humanistische Menschenbild verbindet Selbstbestimmung mit Gemeinsinn und Autonomie mit Solidarität (Teilnehmende Beobachtung 3, Jugendfeier HVD Bayern 2013, Nürnberg, 13.07.2013).

Durch die Rahmung der Jugendfeier als Konfirmationsäquivalent verschwindet die Frage nach dem DDR-Erbe der Feier zwar nicht, spielt aber eine deutlich weniger dominante Rolle als in den ostdeutschen Verbänden und bleibt, wenn möglich, unthematisiert. Während die Kategorie Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR in Berlin und Brandenburg also sehr präsent und explizit scheint, steht bei den westdeutschen Landesverbänden eher die Kategorie Familienfest für Nichtreligiöse im Zentrum, mit der die Jugendweihe politisch re-definiert wird. Beide Subkategorien der Schlüsselkategorie lassen sich aber sowohl für die westdeutschen als auch für die ostdeutschen Landesverbände rekonstruieren.

Mit Hilfe des im Methodenkapitel beschriebenen Kodierparadigmas nach Corbin und Strauss (1996 [1990]) lässt sich die politische Re-Definition der Jugendweihe durch den HVD als Handlungs- und interaktionale Strategie begreifen, mit welcher der Verband auf die gesellschaftspolitische Kritik an der Kontinuität der Jugendweihetradition reagiert, die hier als Phänomenkategorie betrachtet wird. Dieser liegt wiederum die ursächliche Bedingung der DDR-Geschichte der Jugendweihe zu Grunde. Die unterschiedlichen Bedingungen der Landesverbände in Westdeutschland und Ostdeutschland führen als Kontextkategorien zu verschiedenen Schwerpunktsetzungen beim Umgang mit dem DDR-Erbe der Feier: Während sich in Berlin und Brandenburg noch vereinzelt Remineszenzen an die DDR-Jugendweihe feststellen lassen und die Auseinandersetzung mit diesem Erbe dominiert, versucht der HVD Bayern eine solche eher zu vermeiden und definiert seine Jugendfeier stattdessen in Bezug auf kirchliche Feste als Konfirmationsäquivalent.

6 Dienstleister oder Mitgliederverband? Die ambivalenten Konsequenzen der politischen Re-Definition der Jugendweihe für den HVD

Der abstrakt-handlungstheoretischen Logik des Kodierparadigmas nach Corbin und Strauss (1996 [1990]) folgend erzeugt jede Handlungs- und interaktionale Strategie zur Bearbeitung eines Phänomens in einem spezifischen Kontext bestimmte Konsequenzen. Welche Konsequenzen lassen sich mit Bezug auf die politische Re-Definition der Jugendweihe in Deutschland durch den HVD feststellen? Allgemein ermöglicht sie die weitere Kontinuität eines Festes, nach dem es in Deutschland, unabhängig von seiner ideologischen Rahmung, nach wie vor ein Bedürfnis zu geben scheint. Die Konsequenzen für das Ziel des HVD, Interessenvertretung der Nichtreligiösen in Deutschland zu sein, sind dagegen ambivalent. Einerseits ermöglicht die angesprochene Re-Definition die Fortführung einer erfolgreichen Verbandspraxis, durch die jährlich nicht nur die 10.000 Teilnehmenden, sondern über Verwandte und Freunde bis zu 200.000 Menschen mit dem HVD konfrontiert werden, viele davon religionslose Nichtmitglieder des Verbandes (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014). Mit keinem seiner Angebote erreicht der HVD mehr nichtreligiöse Menschen. Andererseits führen die im vorangegangenen Kapitel beschriebenen Eigenschaften der politischen Re-Definition der Jugendweihe dazu, dass durch die Jugendfeier eher Klientenbeziehungen entstehen und die geringen Mitgliederzahlen stagnieren.

Wir haben zwar viele Angebote hier in Berlin, und erreichen damit sehr viele Menschen, werben aber trotzdem eben zurückhaltend für unsere Mitgliedschaft. Also es ist eher so ein Daraufhinweisen, weil die Menschen können ja unsere Angebote, auch ohne Mitglied zu werden, wahrnehmen, und leider tun das eben auch sehr viele (Interview 2, HVD Gruppeninterview vom 22.04.2013).

Die geringen Mitgliederzahlen des HVD erzeugen wiederum ein Legitimationsproblem mit Bezug auf seinen Anspruch, Interessenvertretung aller Nichtreligiösen in Deutschland zu sein. Sichtbar wird dies in den politischen, rechtlichen und symbolischen Anerkennungskämpfen, die der Verband, ähnlich den deutschen Islamverbänden, mit Landesregierungen und Gerichten austrägt. Ziel ist eine Gleichbehandlung mit den christlichen Kirchen. Diese wird dem Verband jedoch nicht selten aufgrund zu geringer Mitgliederzahlen verweigert. So wurde ein erster Antrag des HVD Berlin auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts 1999 durch die Berliner Landesregierung abgelehnt und eine darauf folgende Klage des HVD gegen diese Entscheidung durch das Berliner Verwaltungsgericht abgewiesen. In einem Bericht der Verbandszeitschrift „diesseits“ heißt es dazu:

In der Frage der Körperschaftsrechte vertrat das Gericht die Ansicht, der Humanistische Verband habe zu wenig Mitglieder und biete deshalb nicht die „Gewähr der Dauer“ (Kunz 1999, S. 18).

Aus diesem Grund verfolgt der HVD das Ziel, „seine Mitgliederschaft durch Werbung neuer Mitglieder wieder [zu] vergrößern“ (Interview 4, HVD Gruppeninterview vom 15.03.2015). Da Mitgliederwerbungsstrategien des Verbandes in der Vergangenheit jedoch häufig nicht zu der erhofften Resonanz führten – in Nürnberg und Hannover gab es nach einer Plakataktion in öffentlichen Verkehrsmitteln keine nennenswerte Steigerung der Eintrittszahlen (Interview 5, HVD-Funktionär vom 14.06.2013) – setzt der Verband auf die Strategie, über die Qualität der eigenen Angebote neue Mitglieder zu gewinnen. In diesem Zusammenhang wird aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen auch das Mitgliederwerbungspotential der Jugendfeier erkannt (Teilnehmende Beobachtung 1, Jahreshauptversammlung HVD Bayern 2014, Nürnberg, 26.10.2014). Es entsteht ein Spannungsfeld beim Versuch, dieses Potenzial zu nutzen, ohne dabei die politische Re-Definition der Jugendweihe in Abgrenzung von der Jugendweihe der DDR in Frage zu stellen, die sich ja wesentlich durch einen Verzicht auf eine mitgliedschaftliche Initiation auszeichnet. Aus diesem Spannungsfeld resultiert beispielsweise in Berlin das Konstrukt der sogenannten „Betreuungsmitgliedschaft“: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden hier nach der Feier Betreuungsmitglieder des HVD, sofern sie nicht ausdrücklich erklären, dies nicht zu wünschen.

[W]ir haben tatsächlich auf den Anmeldekarten derzeit die Einstellung, dass man „Nein“ ankreuzen muss. […] Die Leute kriegen es dann in der Regel mit, dass sie da ein Häkchen vergessen haben. […] Und dann rufen viele der Leute an, und – naja, was heißt viele? – also einige rufen dann an und sagen: Ach Mensch, das habe ich vergessen. Das wollte ich ja eigentlich nicht. Können wir das wieder rückgängig machen? Und dann machen wir das halt so. Dann tragen wir die wieder aus (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014).

Wie dieses Zitat verdeutlicht, werden einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Jugendfeier geradezu unbemerkt zu Verbandsmitgliedern. Mit dem Status des Betreuungsmitgliedes sind zwar keine finanziellen oder anderweitigen Verpflichtungen verbunden, und er erlischt mit Erreichen des 18. Lebensjahres auch wieder. Die Jugendfeierlinge hübschen auf diese Weise aber nicht nur die Mitgliederstatistiken des HVD in Berlin erheblich auf, sondern eröffnen ihm auch Zugriff auf Jugendliche im Sinne der Möglichkeit, Werbung für den Verband und seine Veranstaltungen zu verbreiten.

Also, alle Teilnehmer der Jugendfeier, die nicht ausdrücklich gesagt haben: Nein, ich möchte nicht, die werden erstmal pro forma in die Mitgliedsdatenbank der Jungen Humanistinnen übernommen, und bekommen dann einen Mitgliedsausweis und ein Anschreiben und eine Einladung zum Neumitgliederempfang […]. Das finden die tatsächlich auch eine gewisse Zeit lang attraktiv, einfach vom Angebot her. Die Jungen Humanistinnen machen nicht nur klassische Jugendverbandsarbeit, sondern zum Beispiel auch viele Reisen. Und das ist für viele einfach attraktiv da mitzumachen, darüber regelmäßig informiert zu werden (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014).

Einen noch direkteren Weg wählt in dieser Hinsicht seit einiger Zeit der HVD Bayern. In erheblicher Spannung zu den Kategorien Freiwilligkeit und Verzicht auf eine mitgliedschaftliche Initiation ist hier der Verbandseintritt der Jugendlichen oder eines Elternteils spätestens bei der Anmeldung zur Jugendfeier ebenso Pflicht wie die Teilnahme der Jugendlichen am Vorbereitungsprogramm (Teilnehmende Beobachtung 4, Jugendfeier 2016 Vorbereitungstreffen HVD Bayern, Fürth, 27.11.2015).

Landesregierungen und Gerichte erscheinen in diesem Zusammenhang der Logik des Kodierparadigmas nach Corbin und Strauss (1996 [1990]) folgend als intervenierende Bedingung der HVD-Praxis bzw. seiner politischen Re-Definition der Jugendweihe. Als Inkorporationsregime11 bestimmen sie über Teilhabe an Ressourcen und Privilegien des religionspolitischen Arrangements in Deutschland und knüpfen dieses wesentlich an die „Währung“ der Mitgliederzahl. Im Wunsch nach Teilhabe reagiert der HVD auf diese Voraussetzungen, indem er wesentliche Eigenschaften der politischen Re-Definition der Jugendweihe – vor allem die Prinzipien des Verzichts auf eine mitgliedschaftliche Initiation und der Freiwilligkeit der Teilnahme am Vorbereitungsprogramm – gewissermaßen „durch die Hintertür“ wieder relativiert.

7 Fazit: Die Jugendfeier des HVD zwischen DDR-Erbe, Familienfest und Konfirmationsäquivalent

Dieser Artikel hat aufgezeigt, wie der HVD als Beispiel eines Anbieters gegenwärtiger Jugendweihen in Deutschland in seiner konkreten Jugendfeierpraxis mit dem DDR-Erbe der Feier umgeht. Verbandsvertreter sind sich darüber im Klaren, dass die konstant hohe Nachfrage nach Jugendfeiern in erster Linie von Eltern ausgeht, die in der DDR an der Jugendweihe teilnahmen und sich ein entsprechendes Fest im Rahmen ihrer Familien nun auch für ihre Kinder wünschen. Das gilt selbst in Bayern, wo einem Funktionär zu Folge 50 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den neuen Bundesländern zugezogene Eltern haben (Interview 5, HVD-Funktionär vom 14.06.2013). Dem Vorwurf, dass gegenwärtige Jugendweihe unreflektiert das sozialistische Erbe einer Diktatur weitertradiere, begegnet der Verband mit einer politischen Re-Definition der Jugendweihe: Er grenzt seine eigene Jugendfeierpraxis von der DDR-Geschichte des Festes ab und inszeniert sie konsequent als Familienfest für Nichtreligiöse, das auf ein universelles – und damit ahistorisches – Bedürfnis nach einer Markierung biographischer Übergänge reagiere. Der HVD setzt Werte wie Selbstbestimmung und Antidogmatismus an die Stelle sozialistischer Ideologie, verzichtet auf ein Gelöbnis und verleiht der Feier damit eine neue ästhetische und inhaltliche Rahmung, die vor allem über die Abgrenzung zu einer anderen, traditionellen Funktion der Jugendweihe hergestellt wird: Die Initiation in die eigene Gemeinschaft. Verbandsvertreterinnen und Verbandsvertreter weisen immer wieder entschieden darauf hin, dass die Jugendfeier nicht als Mission oder Indoktrination verstanden werden dürfe, sondern zu Selbstbestimmung und Autonomie erziehen solle.

In Widerspruch gerät diese Form der Abgrenzung zur Strategie des Verbandes, über die eigenen Angebote neue Mitglieder zu gewinnen – angesichts seines Ziels, eine Gleichbehandlung mit den Kirchen zu erreichen, eine legitimatorische Notwendigkeit. Jugendfeierlinge stellen in den Mitgliederstatistiken einiger Landesverbände des HVD einen erheblichen Faktor dar. Das Potenzial, über die Jugendfeier Zugriff auf eine breite und junge Klientel zu erhalten, wird nicht nur erkannt, sondern auch genutzt. In den alten Bundesländern tut man sich über das Argument, kirchliche Monopole bei Feiern zur Markierung biographischer Übergangsphasen herausfordern zu müssen, leichter, bewusst zu dieser Strategie zu stehen, steht aufgrund geringerer Zahlen bei der Anmeldung jedoch auch nicht so sehr unter öffentlicher Beobachtung wie die Landesverbände in den neuen Bundesländern, in denen Jugendweihe nach wie vor ein Massenphänomen darstellt. Dort bleibt der HVD in einer komplexen Gemengelage aus weltanschaulichen Ansprüchen, verbandspolitischen Notwendigkeiten und Vorwürfen einer fehlenden Reflexion des problematischen historischen Erbes der Jugendweihe gefangen.

Fußnoten

  1. 1.

    Das Attribut „freigeistig“ hat sich in der Forschungsliteratur (vgl. z. B. Fincke 2002; Weir 2006) als Bezeichnung für eine Reihe von Organisationen etabliert, die sich in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst als freireligiöse Reformgemeinden, im weiteren historischen Verlauf auch als religionskritische Freidenkerverbände außerhalb der beiden Großkirchen herauszubilden begannen. In diesem Artikel werden darunter Organisationen gefasst, die sich durch ein naturalistisches Weltbild, eine herausfordernde Haltung gegenüber dem jeweiligen „religiösen Establishment“ sowie eine ausgeprägte Religionsbezogenheit auszeichnen (zum Konzept der Religionsbezogenheit vgl. Quack 2014).

  2. 2.

    Konkret wird in diesem Artikel auf fünf offene Interviews mit Verbandsvertretern und vier teilnehmende Beobachtungen im Kontext von Jugendfeiern des HVD Bezug genommen, die der Verfasser im Rahmen der Arbeit an seiner Dissertation „Freigeistige Organisationen in Deutschland“ durchführte. Nähere Informationen zum methodischen Vorgehen finden sich in Kap. 4.

  3. 3.

    In Hamburg veranstaltete z. B. die AG Jugendweihe bereits 1946 wieder Jugendweihen. 1953 konnte sie auf über 3000 Teilnehmer verweisen (Döhnert 2000, S. 116).

  4. 4.

    So gründete sich z. B. 1981/82 in Hamburg der Verein Jugendweihe Hamburg e. V. als Abspaltung von der sozialistisch ausgerichteten AG Jugendweihe (Döhnert 2000, S. 148).

  5. 5.

    Während kirchlich-theologische Reaktionen auf die Kontinuität und den anhaltenden Erfolg der Jugendweihen zunächst vor allem polemischer Natur waren, setzte gegen Ende der 1990er-Jahre zunehmend eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem „Konkurrenzangebot“ ein (Evangelische Kirche in Deutschland 1999), die unter anderem zu Überlegungen führt, „wie die angebotene Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden für die Jugendlichen [wieder] attraktiv wird“ (Evangelische Kirche in Deutschland 1999, S. 5). Grundsätzlich sieht die EKD sich jedoch zunächst weiterhin im Besitz des „umfassenderen Angebots“, das sie „selbstbewusst profilieren“ müsse (Evangelische Kirche in Deutschland 1999, S. 4). Gleichzeitig wird über die Installation von „Agapefeiern“ (Evangelische Kirche in Deutschland 1999, S. 6–7) oder das Maiglockenfest für konfessionslose Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Konfirmandenvorbereitungsprogramms, die sich am Ende gegen die Konfirmation und den Kircheneintritt entscheiden, nachgedacht, um die kirchenferne Klientel Ostdeutschlands zu erreichen.

  6. 6.

    Dies geht aus einer internen Statistik des HVD Berlin-Brandenburg hervor. Der Verfasser dankt den Verbandsverantwortlichen, die ihm Einblick in diese Statistik gewährten.

  7. 7.

    Seine „Lebensauffassung“ fasste der HVD dabei folgendermaßen zusammen: „[E]in eigenständiges, selbstbestimmtes Leben, das auf ethischen und moralischen Grundüberzeugungen beruht; ein Leben frei von Religion, ohne den Glauben an Gott; andere weltanschauliche und religiöse Lebensauffassungen zu achten, zu respektieren“ (Institut für Demoskopie Allensbach 2004, S. 2). Ähnlich formuliert war die Forsa-Umfrage drei Jahre später.

  8. 8.

    Die mit Hilfe der Grounded Theory rekonstruierten Kategorien und Subkategorien werden in der Folge kursiv gehalten.

  9. 9.

    Neben solchen und anderen Kultur- und Freizeitangeboten (z. B. Töpfer- und Tanzkurse oder Stadtführungen), die zumeist von externen Kooperationspartnern des Verbandes stammen, bietet der HVD auch selbst Wochenendausflüge und Kurse im Rahmen des Vorbereitungsprogramms an (z. B. zu Themen wie „Selbstbestimmung“, „Tod und Trauer“ oder „Richtig Streiten“). Die Jugendlichen haben dabei die Wahl aus einem recht breit gefächerten Gesamtangebot (Interview 1, HVD-Funktionär vom 30.09.2014).

  10. 10.

    Das Jugendfeier-Geschenkbuch von 2004 heißt dementsprechend: „Zwischen nicht mehr und noch nicht“.

  11. 11.

    Das Konzept des Inkorporationsregimes stammt von Soysal (1994) und bietet einen Analyserahmen für die Untersuchung kollektiver Organisation von Migrantengruppen, der den Fokus weg vom kulturellen oder ethnischen Hintergrund ihrer Mitglieder, und hin zu den institutionellen, organisatorischen und diskursiven Rahmenbedingungen verschiebt, die sich im jeweiligen Gemeinwesen als Strategien der Regelung von Mitgliedschaft historisch herausgebildet haben. Demnach definieren Migrantenorganisationen ihre Ziele, Funktionen und Handlungsstrategien in Relation zu den Diskursen, Institutionen und Ressourcen, die sie in ihrem Aufnahmeland vorfinden. In diesem Sinne werden ihre Organisationsformen und kollektiven Identitäten von institutionalisierten Formen staatlicher Inkorporationsregime gerahmt (Soysal 1994, S. 86).

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  1. 1.Fachgruppe ReligionswissenschaftUniversität BayreuthBayreuthDeutschland

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