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Zeitschrift für Politikwissenschaft

, Volume 29, Issue 3, pp 431–437 | Cite as

Gestaltungsmacht für Gemeinwohl: Zur Rolle des Bundespräsidenten

  • Karl-Rudolf KorteEmail author
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Der Bundespräsident repräsentiert nach innen und außen, wofür Deutschland als Ganzes steht. Ein Solitär, der frei und einsam wirkt. Das Grundgesetz hat ihn formell mit Kompetenzarmut ausgestattet. Sie prädestiniert ihn, Repräsentationsaufgaben als Symbol der staatlichen Einheit effektvoll wahrzunehmen. Als Ausdruck zeremonieller Würde des Staates nutzt der Bundespräsident Symbole und Rituale. Das Protokoll übersetzt mit reduziertem Formenkanon die Aura des Präsidenten. So entsteht nonverbale Gemeinschaft ohne Kommunikation. Sie steht radikal unter Druck in Zeiten der Digitalmoderne. Denn das Leben in Echokammern forciert eine Kommunikation ohne Gemeinschaft (vgl. dazu Byung-Chul Han 2019). Das Echo des Selbst folgt in der „Gesellschaft der Singularitäten“ (Reckwitz) dem Individualwohl. Bundespräsidenten müssen von Amtswegen Resonanzgemeinschaften schaffen, die Gemeinwohl konstituieren. Das ist extrem schwierig. Wie erzählt sich Demokratie? Der Bundespräsident verfügt über enorme...

Literatur

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Copyright information

© The Editor(s) and the Author(s) 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.NRW School of Governance, Institut für PolitikwissenschaftUniversität Duisburg-EssenDuisburgDeutschland

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