Advertisement

Zeitschrift für Politikwissenschaft

, Volume 28, Issue 2, pp 225–232 | Cite as

Identitäten jenseits des Nationalstaats

Keine wirkliche Antwort auf die Frage, ob es eine europäische Identität gibt
  • Armin Nassehi
Forum
  • 29 Downloads

Vor allem im Hinblick auf Europa ist die öffentliche Diskussion davon geprägt, das Fehlen einer transnationalen Identität zu beklagen. Gemeint ist damit, dass die Loyalitäts- und Solidaritätsformen, die wir aus Nationalstaaten kennen, nicht auf Europa übertragbar waren und sind. Man denke etwa an die Einlassungen Peter Graf Kielmannseggs (1996), in denen der neuen europäischen Realität ein Demokratiedilemma und -defizit attestiert wird. Verantwortlich dafür sei ein Mangel an Identität stiftender Gemeinschaft. Weder eine „Erinnerungsgemeinschaft“ sei Europa, noch eine „Kommunikationsgemeinschaft“ oder gar eine „Erfahrungsgemeinschaft“ konstituiere jenes Gebilde, das exakt deswegen keine Demokratiesein könne, weil ihm jene Ingredienzen fehlen, die aus einer Bevölkerung ein Volk machen, um an Bertolt Brechts Unterscheidung zu erinnern. Lässt sich über Europa nicht anders nachdenken als in den Kategorien, mit denen man historisch kontingent entstandenen Nationen in Europa den Charakter...

Literatur

  1. Beck, Ulrich. 2004. Der kosmopolitische Blick oder: Krieg ist Frieden. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  2. Derrida, Jacques und Jürgen Habermas 2003: Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 31. Mai 2003.Google Scholar
  3. Erikson, Erik H. 1975. Dimensionen einer neuen Identität. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  4. Finkielkraut, Alain. 1989. Die Niederlage des Denkens. Reinbek: Rowohlt.Google Scholar
  5. Gerhards, Jürgen, et al. 2018. How Strong is European Solidarity? Berlin Studies on the Sociology of Europe (BSSE), Bd. 37Google Scholar
  6. Habermas, Jürgen. 1976. Können komplexe Gesellschaften eine vernünftige Identität ausbilden? In Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Hrsg. Jürgen Habermas, 92–126. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  7. Habermas, Jürgen 2018: Sind wir noch gute Europäer?, in: Die Zeit vom 5. Juli 2018.Google Scholar
  8. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich. 1970. Die Philosophie des Geistes. Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften, Bd. 10. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  9. Heidegger, Martin. 1957. Der Satz der Identität. In Identität und Differenz, Hrsg. Martin Heidegger, 9–30. Pfullingen: Neske.Google Scholar
  10. Kielmannsegg, Peter Graf. 1996. Integration und Demokratie. In Europäische Integration, Hrsg. Markus Jachtenfuchs, Beate Kohler-Koch, 47–72. Opladen: VS.CrossRefGoogle Scholar
  11. Kristeva, Julia. 1990. Fremde sind wir uns selbst. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  12. Nassehi, Armin. 1999. Differenzierungsfolgen. Beiträge zur Soziologie der Moderne. Opladen: VS.Google Scholar
  13. Nassehi, Armin. 2002. Politik des Staates oder Politik der Gesellschaft? Kollektivität als Problemformel des Politischen. In Theorie der Politik. Niklas Luhmanns politische Soziologie, Hrsg. Kai-Uwe Hellmann, Rainer Schmalz-Bruns, 38–59. Frankfurt/M.: Suhrkamp.Google Scholar
  14. Nassehi, Armin. 2003. Der Begriff des Politischen und die doppelte Normativität der „soziologischen“ Moderne. In Der Begriff des Politischen, Soziale Welt-Sonderband, Hrsg. Armin Nassehi, Markus Schroer, 133–170. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  15. Nassehi, Armin. 2010. Identität als europäische Inszenierung. In Fragile Sozialität. Inszenierungen, Sinnwelten, Existenzbastler, Hrsg. Anne Honer, Michael Meuser, und Michaela Pfadenhauer, 261–276. Wiesbaden: VS.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieLudwig-Maximilians-Universität MünchenMünchenDeutschland

Personalised recommendations