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Schreiben als Beziehungspraxis

Frauenbriefe aus dem Zürcher Bürgertum 1760–1800. Ein Entwurf
  • Angelika LinkeEmail author
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Zusammenfassung

Im Fokus des Beitrags steht der Zusammenhang von privater Schriftlichkeit und Beziehungskonstitution. Datengrundlage sind authentische Briefe von Frauen an Frauen aus dem Zürcher Bürgertum des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Briefkultur, wie sie u. a. in Brieflehren und Briefstellern fassbar wird, geht der Beitrag der Frage nach, welche Funktion dem Medium Brief in der Ausbildung und konkreten Ausformung des soziokulturellen Konzepts der Freundschaft unter Frauen zukam.

Schlüsselwörter

18. Jahrhundert Beziehungskonstitution Brief Briefsteller Bürgertum Freundschaft Gender Performanz Praktik private Schriftlichkeit 

Letter Writing as ›Doing Relation‹

Correspondence Among Bourgeois Women in Zurich 1760–1800. An Outline

Abstract

The paper examines the interdependency between private letter-writing and the constitution of friendship among women as a specific social relationship. The data used are private letters exchanged between women belonging to the urban middle class of Zurich at the end of the 18th century. With regard to the vivid epistolary culture of the time as it is documented in letter manuals I ask for the function of the letter as a means to create and shape the sociocultural concept of female friendship.

Keywords

18th Century Bourgeoisie Doing Relation Friendship Gender Letter Writing Letter Manual Performance Practice 

Quellen- und Literaturverzeichnis

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Authors and Affiliations

  1. 1.Deutsches SeminarUniversität ZürichZürichSchweiz

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