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Soziale Probleme

, Volume 29, Issue 2, pp 189–206 | Cite as

Mit Körpern am Schutz des Körpers arbeiten: Zeigepraktiken der aufsuchenden Sozialen Arbeit im Kontext Prostitution

  • Rebecca Mörgen
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Zusammenfassung

Der sexuell arbeitende Körper von Sexarbeiter*innen stellt, als ein von der sozialen Norm abweichender Körper, den Ausgangs- wie auch Einsatzpunkt sozialstaatlich legitimierter Beratungs- und Unterstützungsangebote durch Soziale Arbeit für in der Prostitution Tätige dar. Adressiert wird dabei in der Regel der weibliche sexuell arbeitende Körper, den es sowohl zu unterstützen als auch zu disziplinieren gelte. In diesem Zusammenhang ist die Demonstration des Femidoms zentraler Bestandteil einer auf die sexuelle Gesundheit bezogenen Präventionsarbeit aufsuchender Sozialer Arbeit. Ausgehend von ethnographischem Material widmet sich der Beitrag einem spezifischen Moment der aufsuchenden Sozialen Arbeit: der situativen Praktik des Zeigens von Verhütungsmitteln im Kontext der sexuellen Gesundheitsprävention. Empirisch wird rekonstruiert, wie in sozialen Situationen der aufsuchenden Sozialen Arbeit mit Körpern am Schutz des Körpers gearbeitet wird. In den Blick geraten so Thematisierungsweisen einer auf den Körper bezogenen Vermittlung von sexuellen Wert- und Normvorstellungen, Professionalisierungsweisen des sexuell arbeitenden Körpers, aber auch Momente der situativen Unsicherheitsbearbeitung, die sich während der Zeigepraktiken ereignen.

Working with Bodies in Order to Protect the Body: Demonstration Practices in Outreach Work Within the Context of Prostitution

Abstract

The sexually working body of sex workers constitutes, as a body that digresses from the social norm, the starting as well as the insertion point of consulting and supporting services legitimised by the welfare state through social work for the individuals working as prostitutes. As a rule, the female sexually working body is addressed, which is to be supported as well as disciplined. In this context, the demonstration of the femidom forms a crucial part in the prevention activities of outreach work regarding sexual health. Originating from ethnographical material, the article addresses a specific moment in outreach work: the situative demonstration practice regarding contraceptives within the context of sexual health prevention. How to work with bodies in order to protect the body in social situations of outreach work is empirically reconstructed. Thematising methods regarding the body-related communication of sexual norms and also ideals, methods of professionalization of the sexually working body, but also instances of the situative treatment of uncertainties that take place during demonstration practices will come into focus.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für ErziehungswissenschaftUniversität ZürichZürichSchweiz

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