Advertisement

Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften

, Volume 20, Issue 1, pp 143–159 | Cite as

Förderung von Mädchen in Naturwissenschaften: Schülerlabore und ihre Effekte

  • Svitlana Mokhonko
  • Reinhold Nickolaus
  • Anne Windaus
Original Paper

Zusammenfassung

Bei der Nutzung von fachspezifischen Profilen im Bildungssystem sowie bei der Studien- und Berufswahl bestehen nach wie vor starke Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, inwiefern sich bei Schülerinnen fachspezifische Selbstkonzepte und Interessen in Physik und Chemie sowie berufliche Interessen durch Schülerlabore steigern lassen. Ausgewertet wurden Daten von Schülerinnen aus 7.–10. Klassen von Realschulen und Gymnasien, die an einem Labor im Rahmen des Förderprogramms „Schülerinnen forschen“ an acht unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen thematischen Zuschnitten und variierender Maßnahmedauer teilnahmen. Längsschnittanalysen zeigen signifikante, jedoch schwache Fördereffekte der Maßnahmen. Drei Monate nach Abschluss der Maßnahmen lassen sich die Effekte nicht mehr nachweisen. Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass für eine effektive und nachhaltige Förderung von Mädchen im MINT-Bereich punktuelle Fördermaßnahmen nicht ausreichen und die bereits an anderen Standorten und für andere Treatments dokumentierten Probleme breitflächig auftreten.

Schlüsselwörter

Schülerlabore Evaluationsstudie Naturwissenschaften Förderung von Mädchen Berufswahl 

Abstract

There are still big differences between girls and boys when it comes to the use of subject-specific profiles in the educational system and the choice of academic study or vocational choice. In the present study, the effect of students’ laboratories on subject-specific self-concepts and interests in physics and chemistry as well as vocational interests of female students were analyzed. The data was collected among female students from grades seven to ten in secondary school. In eight different locations the students participated in a laboratory with various thematic cut parts and varying duration that are part of the promotional program “Schülerinnen forschen”. Longitudinal analyses show significant, however small promotional effects of the intervention. Three months after the end of the intervention, no more effects can be demonstrated. The results of the study suggest that punctual support measures do not suffice when it comes to an effective and sustainable promotion of girls in the STEM field. Furthermore the results show that problems occurred, which have already been documented in different locations and for different treatments.

Keywords

Students’ laboratories Evaluation study Science Promotion of girls Vocational choice 

Literatur

  1. Bergmann, C. (1992). Schulisch-berufliche Interessen als Determinanten der Studien- bzw. Berufswahl und -bewältigung: Eine Überprüfung des Modells von Holland. In A. Krapp & M. Prenzel (Hrsg.), Interesse, Lernen, Leistung. Neuere Ansätze der pädagogisch-psychologischen Interessenforschung (S. 195–220). Münster: Aschendorff Verlag.Google Scholar
  2. Bergmann, C. (2007). Berufliche Interessen und Berufswahl. In H. Schuler & K. Sonntag (Hrsg.), Handbuch der Arbeits- und Organisationspsychologie (S. 413–421). Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  3. Bergmann, C., & Eder, F. (2005). Allgemeiner Interessen-Struktur-Test mit Umwelt-Struktur-Test (UST-R). (Revidierte Fassung.). Göttingen: Beltz Test.Google Scholar
  4. Bortz, J. (2005). Statistik für Sozialwissenschaftler. Berlin: Springer.Google Scholar
  5. Brandt, A. (2005). Förderung von Motivation und Interesse durch außerschulische Experimentierlabors. Göttingen: Cuvillier Verlag.Google Scholar
  6. Brandt, A., Möller, J., & Kohse-Höinghaus, K. (2008). Was bewirken außerschulische Experimentierlabors?: Ein Kontrollgruppenexperiment mit Follow-up Erhebung zu Effekten auf Selbstkonzept und Interesse. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 22, 5–12.CrossRefGoogle Scholar
  7. Brownlow, S., Smith, T., & Ellis, B. (2002). How interest in science negatively influences perceptions of women. Journal of Science Education and Technology, 11(2), 135–144.CrossRefGoogle Scholar
  8. Bundesregierung. (2012). Perspektive MINT – Wegweiser für MINT-Förderung und Karrieren in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. http://www.bmbf.de/pub/perspektive_mint.pdf. Zugegriffen: 03. Juli 2013.
  9. Engeln, K. (2004). Schülerlabors: authentische aktivierende Lernumgebungen als Möglichkeit, Interesse an Naturwissenschaften und Technik zu wecken. Berlin: Logos.Google Scholar
  10. Gesamtmetall. (2009). Die Entwicklung der MINT-Fachkräftelücke in Deutschland, Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie. http://www.gesamtmetall.de/gesamtmetall/meonline.nsf/id/222Entwicklung_MINT-Fachkraefteluecke/$file/BroschuereMINT-Mangel.pdf. Zugegriffen: 24. Jan. 2011.
  11. Gottfredson, L. S. (1981). Circumscription and compromise: A developmental theory of occupational aspirations. Journal of Counseling Psychology (Monograph), 28(6), 545–579.CrossRefGoogle Scholar
  12. Guderian, P. (2007). Wirksamkeitsanalyse außerschulischer Lernorte – Der Einfluss mehrmaliger Besuche eines Schülerlabors auf die Entwicklung des Interesses an Physik. Humboldt-Universität: Berlin.Google Scholar
  13. Guderian, P., Priemer, B., & Schön, L. H. (2006). In den Unterricht eingebundene Schülerlaborbesuche und deren Einfluss auf das aktuelle Interesse an Physik. Physik und Didaktik in Schule und Hochschule, 2/5, 142–149.Google Scholar
  14. Hannover, B. (1991). Zur Unterrepräsentanz von Mädchen in Naturwissenschaften und Technik: Psychologische Prädiktoren der Fach- und Berufswahl. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 5(3), 169–186.Google Scholar
  15. Hannover, B., & Bettge, S. (1993). Mädchen und Technik. Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  16. Hoffmann, L., Häußler, P., & Lehrke, M. (1998). Die IPN-Interessenstudie. Kiel: IPN.Google Scholar
  17. Holland, J. L. (1997). Making vocational choices: A theory of vocational personalities and work environments (3. Aufl.). Odessa: Psychological Assessment Resources.Google Scholar
  18. Holstermann, N., & Bögeholz, S. (2007). Interesse von Jungen und Mädchen an naturwissenschaftlichen Themen am Ende der Sekundarstufe I. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 13, 71–86.Google Scholar
  19. iw-dienst. (2011). Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln. 37(21), 3.Google Scholar
  20. Kampshoff, M. (2007). Geschlechterdifferenz und Schulleistung Geschlechterdifferenz und Schulleistung: Deutsche und englische Studien im Vergleich. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  21. Kessels, U. (2008). Physikinteresse gilt als unweiblich: Erklärung für die Unterrepräsentanz von Mädchen und Frauen im MINT-Bereich. Schule im Blickpunkt, 2008/2009(2), 24–26.Google Scholar
  22. Kessels, U., & Hannover, B. (2006). Zum Einfluss des Image von mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulfächern auf die schulische Interessenentwicklung. In M. Prenzel & L. Allolio-Näcke (Hrsg.), Untersuchungen zur Bildungsqualität von Schule. Abschlussbericht des DFG-Schwerpunktsprogramms (S. 350–369). Münster: Waxmann.Google Scholar
  23. Köller, O., Daniels, Z., Schnabel, K., & Baumert, J. (2000). Kurswahl von Mädchen und Jungen im Fach Mathematik: Zur Rolle von fachspezifischem Selbstkonzept und Interesse. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 14(1), 26–37.CrossRefGoogle Scholar
  24. Köller, O., Trautwein, U., Lüdtke, O., & Baumert, J. (2006). Zum Zusammenspiel von schulischer Leistung, Selbstkonzept, und Interesse in der gymnasialen Oberstufe. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 20(1/2), 27–39.CrossRefGoogle Scholar
  25. Krapp, A. (1992). Konzepte und Forschungsansätze zur Analyse des Zusammenhangs von Interesse, Lernen und Leistung. In A. Krapp & M. Prenzel (Hrsg.), Interesse, Lernen, Leistung. Neuere Ansätze der pädagogisch-psychologischen Interessenforschung (S. 9–52). Münster: Aschendorff Verlag.Google Scholar
  26. Krapp, A. (1998). Entwicklung und Förderung von Interessen im Unterricht. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 44, 186–203.Google Scholar
  27. Marsh, H. (1986). Verbal and math self-concepts: An internal/external frame of reference model. American Educationel Research Journal, 23(1), 129–149.CrossRefGoogle Scholar
  28. Merzyn, G. (2010). Kurswahlen in der gymnasialen Oberstufe: Leistungskurs Physik, Chemie, Mathematik. Didaktik der Physik – Beiträge zur DPG-Frühjahrstagung. http://www.phydid.de/index.php/phydid-b/article/view/210/194. Zugegriffen: 10. März 2011.
  29. Möller, J., & Trautwein U. (2009). Selbstkonzept. In E. Wild & . J. Möller (Hrsg.), Pädagogische Psychologie (S. 179–204). Berlin: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  30. Nagy, G. (2006). Berufliche Interessen, kognitive und fachgebundene Kompetenzen: Ihre Bedeutung für die Studienfachwahl und die Bewährung im Studium. Dissertation, Freie Universität, Berlin. http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000002714.
  31. Parsons, F. (1909). Choosing a vocation. Boston: Houghton Mifflin.Google Scholar
  32. Pawek, C. (2009). Schülerlabore als interessefördernde außerschulische Lernumgebungen für Schülerinnen und Schüler aus der Mittel- und Oberstufe. Dissertation, IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel. http://eldiss.uni-kiel.de/macau/receive/dissertation_diss_00003669.
  33. Petsch, C., Gönnenwein, A. & Nickolaus, R. (2012). Effekte des Modellversuchsversuchsprogramms Transfer-21 - Ein Beitrag zur Transferforschung und zu Effekten von BNE. In: BMBF (Hrsg.), Bildung für nachhaltige Entwicklung - Beiträge der Bildungsforschung (S. 43–69). Bonn: Berlin.Google Scholar
  34. PISA-Konsortium Deutschland. (Hrsg.). (2006). PISA 2003. Dokumentation der Erhebungsinstrumente. Münster: Waxmann Verlag GmbH.Google Scholar
  35. Prenzel, M., Schütte, K., & Walter, O. (2007). Interesse an den Naturwissenschaften. In PISA Konsortium Deutschland (Hrsg.), PISA 2006. Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie (S. 107–124). Münster: Waxmann.Google Scholar
  36. Prenzel, M., Reiss, K., & Hasselhorn, M. (2009). Förderung der Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen. In J. Milberg (Hrsg.), Förderung des Nachwuchses in Technik und Naturwissenschaft (S. 15–60). Heidelberg: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  37. Ratschinski, G. (2009). Selbstkonzept und Berufswahl: Eine Überprüfung der Berufswahltheorie von Gottfredson an Sekundarschülern. Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie: Bd. 71. Münster: Waxmann. (Univ., Habil.-Schr.-Hannover, 2007).Google Scholar
  38. Schiefele, U. (1996). Motivation und Lernen mit Texten. Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  39. Schmidt, U., & Herzer, M. (2006). Wege in die Naturwissenschaften. In U. Schmidt (Hrsg.), Übergänge im Bildungssystem. Motivation – Entscheidung – Zufriedenheit (S. 157–226). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  40. Schöne, C., Dickhäuser, O., Spinath B., & Stiensmeier-Pelster, J. (2003). Das Fähigkeitsselbstkonzept und seine Erfassung. In J. Stiensmeier-Pelster & F. Rheinberg (Hrsg.), Diagnostik von Motivation und Selbstkonzept (S. 3–14). Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  41. Schuster, M., Sülzle, A., Winker, G., & Wolffram, A. (2004). Neue Wege in Technik und Naturwissenschaften: Zum Berufswahlverhalten von Mädchen und jungen Frauen. http://doku.b.tu-harburg.de/volltexte/2006/137/pdf/Gutachten_Berufswahlverhalten.pdf. Zugegriffen: 02. Dez. 2012. (Wirtschaftsministerium Baden Württemberg, Hrsg.).
  42. Schütte, K., Frenzel, A., Asseburg, R., & Pekrun, R. (2007). Schülermerkmale, naturwissenschaftliche Kompetenz und Berufserwartung. In PISA Konsortium Deutschland (Hrsg.), PISA 2006. Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie (S. 125. 20). Münster: Waxmann.Google Scholar
  43. Senkbeil, M., Drechsel, B., & Schöps, K. (2007). Schulische Rahmenbedingungen und Lerngelegenheiten für die Naturwissenschaften. In: M. Prenzel, C. Artelt, J. Baumert, W. Blum, M. Hammann, E. Klieme, & R. Pekrun (Hrsg.), PISA 2006. Die Ergebnisse der dritten internationalen Vergleichsstudie. Zusammenfassung. https://bscw.ph-bw.de/pub/bscw.cgi/d811612/Zusammenfassung_PISA2006.pdf.
  44. Solga, H., & Pfahl, L. (2009). Doing Gender im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. In J. Milberg (Hrsg.), Förderung des Nachwuchses in Technik und Naturwissenschaft (S. 155–218). Heidelberg: Springer.CrossRefGoogle Scholar
  45. Statistisches Bundesamt. (2011). Statistisches Jahrbuch. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.Google Scholar
  46. Stiensmeier-Pelster, J., & Schöne, C. (2008). Fähigkeitsselbstkonzept: Self-concept of Ability. In W. Schneider & M. Hasselhorn (Hrsg.), Handbuch der pädagogischen Psychologie (S. 62–73). Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  47. Sumfleth, E., & Henke, C. (2011). Förderung leistungsstarker Oberstufenschülerinnen und -schüler im HIGHSEA-Projekt am Alfred-Wegener Institut, Bremerhaven. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 17, 89–113.Google Scholar
  48. Super, D. E. (1994). Der Lebenszeit-, Lebensraumansatz der Laufbahnentwicklung. In D. Brown & L. Brooks (Hrsg.), Karriere-Entwicklung (S. 211–280). Stuttgart: Klett-Cotta.Google Scholar
  49. Taskinen, P. (2010). Naturwissenschaften als zukünftiges Berufsfeld für Schülerinnen und Schüler mit hoher naturwissenschaftlicher und mathematischer Kompetenz. Eine Untersuchung von Bedingungen für Berufserwartungen. Unv. Diss., Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.Google Scholar
  50. Taskinen, P., Asseburg, R., & Walter, O. (2008). Wer möchte später einen naturwissenschaftsbezogenen oder technischen Beruf ergreifen? Kompetenzen, Selbstkonzept und Motivationen als Prädiktoren der Berufserwartungen in PISA 2006. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 10, 79–105.Google Scholar
  51. Ziegler, A., & Stöger, H. (2002). Motivationale Ziele im Mathematikunterricht von MittelstufenschülerInnen am Gymnasium. Empirische Pädagogik, 16, 57–78.Google Scholar
  52. Ziegler, A., Schirner, S., Schimke, D., & Stoeger, H. (2010). Systematische Mädchenförderung im MINT-Bereich: Das Beispiel CyberMentor. In C. Quaiser-Pohl & M. Endepohls-Ulpe (Hrsg.), Bildungsprozesse im MINT-Bereich. Interesse, Partizipation und Leistungen von Mädchen und Jungen (S. 109–126). Münster: Waxmann.Google Scholar

Copyright information

© Gesellschaft für Didaktik der Physik und Chemie (GDCP) and Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 2014

Authors and Affiliations

  • Svitlana Mokhonko
    • 1
  • Reinhold Nickolaus
    • 1
  • Anne Windaus
    • 1
  1. 1.Institut für Erziehungswissenschaft und Psychologie, Abteilung Berufs-, Wirtschafts- und Technikpädagogik (BWT)Universität StuttgartStuttgartDeutschland

Personalised recommendations