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Dashcams

  • Michael Reichenbach
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,

bereits Anfang 2016 wiesen die Verkehrsexperten des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar auf einen Missstand hin. Nun wurde er kürzlich vom Bundesgerichtshof (BGH) behoben: Das Aufnehmen des Verkehrsgeschehens mit Dashcams ist jetzt erlaubt, wenn diese Geräte nicht ständig laufen. Zum einen stellten die Goslarer Experten schon damals fest, dass die Videoaufzeichnung von Verkehrsvorgängen mit Autokameras einen guten Beitrag zur Aufklärung von Unfallhergängen und Straftaten leisten könne. Zum anderen beeinträchtige die Kameranutzung jedoch erheblich die Persönlichkeitsrechte der gefilmten Verkehrsteilnehmer.

Nun hat der BGH in Karlsruhe am 15. Mai 2018 entschieden, dass Videoaufzeichnungen als Beweismittel in einem Unfallhaftpflichtprozess vor deutschen Gerichten verwertbar sind, weil es technisch möglich sei, die Aufnahme als „eine kurze, anlassbezogene Aufzeichnung unmittelbar des Unfallgeschehens zu gestalten“. Die Richter entschieden sich also eher für die Unfallaufklärung und gegen den Datenschutz. Daueraufnahmen seien weiterhin nicht gestattet, aber Kurzvideos erlaubt, indem die Kamera so programmiert wird, dass „ein dauerndes Überschreiben der Aufzeichnungen in kurzen Abständen und Auslösen der dauerhaften Speicherung erst bei Kollision oder starker Verzögerung des Fahrzeuges“, realisiert wird, so der BGH. Die Erläuterung, wie viele Sekunden Aufnahme es genau sein dürfen, wird in der schriftlichen Erklärung des Urteils erwartet.

Nun frohlocken Versicherer und Dashcam-Hersteller gleichermaßen; sie hoffen auf das große Geschäft. Die Verkaufszahlen bei Rollei und dem Weltmarktführer BlackVue schossen gleich nach der Urteilsverkündung in die Höhe. Autokamera-Produzent Motorola witzelt dabei etwas über das „Datenschutzmekka Deutschland“, habe aber mit der „Loop-Aufnahme“ in seinen Binatone-Kameras das schnelle Löschen schon heute sichergestellt. Auf ihre Kfz-Versicherung erhalten Autofahrer in Großbritannien schon seit Jahren einen Rabatt von bis zu 10 %, wenn sie eine Dashcam im Auto installiert haben. Diesen Abschlag wollen nun laut einer Umfrage des Südwestrundfunks auch deutsche Versicherer wie Allianz und Huk Coburg nicht ausschließen.

Bleibt zu hoffen, dass Dashcams helfen, die Zahl der Verletzten und Toten im Straßenverkehr zu verringern. Denn rücksichtslose Raser wissen jetzt, dass ihre Unarten gefilmt und Straftaten leichter aufgeklärt werden können. Doch man sollte sich auch an die eigene Nase fassen, nicht immer sind die anderen bei einem Unfall Schuld. Kommt also bald die auf den Fahrer gerichtete Dashcam, um auch seine Fehler wie das Auf-dem-Smartphone-Herumtippen zu dokumentieren? Das würde noch mehr den Charakter der Verkehrserziehung erfüllen.

Herzliche Grüße, Ihr

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  • Michael Reichenbach
    • 1
  1. 1.Deutschland

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