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ATZ - Automobiltechnische Zeitschrift

, Volume 116, Issue 2, pp 3–3 | Cite as

Kalte Fakten

  • Alexander Heintzel
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,

in ATZ 10/2013 haben wir an dieser Stelle die Debatte um neue Kältemittel aufgegriffen und beleuchtet. Jenes Editorial hatte ein langes Telefonat mit einer Pressesprecherin von Honeywell zur Folge, in dem diese die Studie von Mercedes zur Gefährlichkeit von R1234yf stark anzweifelte. Die Redaktion wiederum sah keinen Grund, an den Mercedes-Ergebnissen sowie der grundsätzlichen Einschätzung und Empfehlung des Umweltbundesamts (UBA) zu zweifeln. Dennoch war uns dieses Gespräch Anlass genug, nochmal genauer zu recherchieren. Freuen Sie sich auf die Ergebnisse dieser Recherche in ATZ 3. Die Brisanz des Themas rechtfertigt aber allemal einen Vorgriff auf den Report im nächsten Heft.

Denn eines ist klar: Der Streit um das Kältemittel heizt der Industrie gehörig ein. Trotz der Mercedes-Ergebnisse und der Erkenntnisse des UBA geht die Auseinandersetzung mit unverminderter Härte weiter, denn nach Meinung von Honeywell erfüllt R1234yf alle Forderungen der OEMs und stellt auch keine Gefährdung für Mensch und Umwelt dar. Man verweist dort auf das Kraftfahrtbundesamt (KBA) und den internationalen Verband der Automobilingenieure SAE, welche die Bedenken als nicht relevant für die Bewertung einstuften und dem Kältemittel attestierten, es sei „sicher gemäß den geltenden Vorschriften“. Diese Argumentation berücksichtigt jedoch nicht die Erkenntnisse der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die Warnung des Berufsverbands Feuerwehr e.?V. sowie die Meinung führender Chemiker.

Wir meinen, „sicher gemäß den geltenden Vorschriften“ ist nicht gerade ein beruhigendes Attest, um ein bekanntermaßen hochentzündliches Kältemittel dauerhaft in Kundenhand zu geben. Was kühlt, sollte nicht brennen! Dass die Zerfallsprodukte von R1234yf stark gesundheitsgefährdend sind, macht die Sache darüber hinaus nicht besser. Die Situation scheint verfahren zu sein, denn mittlerweile geben sich Gutachten und Gegengutachten buchstäblich die Klinke in die Hand. Dabei liegt die Alternative doch auf der Hand: CO2 als Kältemittel ist nicht brennbar, nicht gesundheitsgefährdend, es kann auch nicht in chemische Bestandteile zerfallen, die Organismen schädigen, und seine Kosten für den Verbraucher halten sich in Grenzen.

Fakt ist, das Thema Kältemittel ist hochkomplex und auch politisch buchstäblich hochexplosiv. Zumal neben der Risiko- und Umweltdiskussion um R1234yf auch die Kosten und inzwischen auch die möglichen Auswirkungen auf das Image der OEMs eine Rolle spielen. Diesen Fragen versucht unser Report in ATZ 3 im kommenden Monat auf den Grund zu gehen. Freuen Sie sich auf ein spannendes Thema.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  • Alexander Heintzel
    • 1
  1. 1.WiesbadenDeutschland

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