DNP - Der Neurologe und Psychiater

, Volume 14, Issue 3, pp 24–24 | Cite as

Money, money, money! Hohe Preise — weniger Konsum

  • Thomas Stöckl
Literatur kompakt
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Am Beispiel Kanada wird gezeigt, wie sich staatlich festgelegte Preispolitik auf das Konsummuster von Alkohol auswirkt. Die Studie gibt damit einen interessanten Denkanstoß zur möglichen Verbesserung der Gesundheit in der Allgemeinbevölkerung.

Dr. med. Thomas Stöckl Universitätsklinikum Erlangen

Eine kanadische Forschergruppe hat zum ersten Mal konkret den Zusammenhang zwischen Preis und Alkoholkonsum pro Kopf erforscht. Ihre Ausgangsthese: Die Erhöhung einer Preisuntergrenze für alkoholische Getränke dämmt den Alkoholkonsum ein. In British Columbia/Kanada besteht eine strenge Alkoholverkaufskontrolle mit staatlich festgesetzten Preisuntergrenzen, die in den letzten 20 Jahren eine intermittierende Anpassung erfahren haben. Alkohol kann nur in den 200 staatlichen Läden der BC Liquor Distribution Branch (BC LDB) gekauft werden, die auch die Einhaltung der Preisuntergrenzen in den über 600 privaten Getränkeläden überwacht. Die Autoren errechneten nun für den Zeitraum 1989 bis 2010 aus den Verkaufszahlen der BC LDB, den Preisuntergrenzen und der Gesamtbevölkerung (über 15-Jährige) den Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol und bestimmten den Einfluss der Preiserhöhungen auf das Konsummuster.

Ein Preisanstieg von 10 % bei einem alkoholischen Getränk reduzierte dessen Konsum um 16,1 % (p < 0.001). Unter der Annahme, dass nach einem Preisanstieg auf andere Arten von Alkohol ausgewichen wird, untersuchten die Autoren den Effekt einer generellen Preiserhöhung um 10 % für alle Arten von alkoholischen Getränken. Es zeigte sich eine Reduktion im Konsum von zum Beispiel Wein um 8,9 % (p = 0,033), Schnaps um 6,8 % (p = 0,004) und Bier um 1,5 % (p = 0,043). Die Autoren errechneten insgesamt eine Verringerung des Alkoholkonsums der Allgemeinbevölkerung um 3,4 % als Folge der 10 %igen Preissteigerung.

Kommentar: Die vorgestellte Studie ist die erste, die anhand einer breiten Datenlage und eines langen Zeitraumes die Beziehung zwischen Preisgestaltung und Alkoholkonsum in konkreten Zahlen darstellen kann. Gerade der lange Beobachtungszeitraum stellt eine wesentliche Stärke der Studie dar. Als Einschränkung kann gesehen werden, dass der Alkoholpreis nicht auf eine Standardwarengröße, also auf die allgemeinen Haushalts- oder Lebenshaltungskosten bezogen wurde. Einen Hinweis auf die konkreten Auswirkungen im Gesundheitswesen, wie eine mögliche Reduktion von Abhängigkeitserkrankungen, gibt die Studie zwar nicht, unter der Erkenntnis, dass besonders Alkoholabhängige und Menschen mit Alkoholmissbrauch die billigste Art an Alkohol konsumieren, können die Ergebnisse aber als Anstoß für eine gezielte und austarierte Preisgestaltung genutzt werden. Hier liefert die Studie, auch im Hinblick auf ein erhöhtes Konsummuster in der jüngeren Generation, wichtige Erkenntnisse.

Literatur

  1. Stockwell T, et al. Does minimum pricing reduce alcohol consumption? The experience of a Canadian province. Addiction 2012; 107 (5): 912–20PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  • Thomas Stöckl

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