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DNP - Der Neurologe und Psychiater

, Volume 13, Issue 1, pp 26–26 | Cite as

Riboflavin hilft Kindern nicht bei Migräne — aber beim Spannungskopfschmerz!

  • Stefan Evers
Literatur kompakt
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Abstract

Thema der folgenden Studie ist die Migräneprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen. Zwei placebokontrollierte Studien derselben Arbeitsgruppe legen nahe, dass 400 mg Riboflavin pro Tag eine migräneprophylaktische Wirkung haben. Diese These konnte aber nicht bestätigt werden.

Riboflavin und CoEnzym Q10 helfen Kindern nicht bei der Migräneprophylaxe.

© Jan Andersen / Fotolia.com

Riboflavin hat so gut wie keine Nebenwirkungen und kann im pathophysiologischen Konzept der Migräne als Stabilisator der zerebralen Energiezufuhr eine Rolle spielen. Deshalb bot es sich an, diese Substanz bei Kindern mit Migräne zu untersuchen. In der vorliegenden holländischen Studie wurden 42 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren aufgenommen, 14 von ihnen mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp.

Nach einer vierwöchigen Ausgangsuntersuchung erhielten die Kinder entweder für 16 Wochen Placebo oder 50 mg Riboflavin pro Tag. Nach einer Auswaschperiode von vier Wochen wurde dann jeweils die andere Behandlung durchgeführt. Der primäre Endpunkt war die Reduktion der mittleren Häufigkeit der Migräneattacken und der Tage mit Spannungskopfschmerz in den letzten vier Wochen der Riboflavin- beziehungsweise Placebophase. Sekundäre Endpunkte waren die mittlere Schwere und die mittlere Dauer der Kopfschmerzereignisse. Verglichen wurden die Behandlungsphasen jeweils mit den Ausgangsdaten oder den Daten aus der Auswaschphase.

Zusammenfassend zeigte die Studie keinen Unterschied bezüglich der Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken zwischen Riboflavin und Placebo. Die Tage mit Kopfschmerzen vom Spannungstyp nahm unter Riboflavin allerdings signifikant ab.

Kommentar: Diese relativ kleine Studie, die eine niedrige Dosis von Riboflavin verwendete, fand keine therapeutische Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe bei Kindern. Die Studie ist wichtig, weil es nur sehr wenige gut durchgeführte Studien zur Migräneprophylaxe bei Kindern gibt. Aber sie leidet auch unter einer geringen statistischen Aussagekraft. Warum Riboflavin bei Kindern im Gegensatz zu Ergebnissen bei Erwachsenen nicht wirksam war, kann nur vermutet werden. Vielleicht war die Dosis mit 50 mg Riboflavin zu niedrig (bei Erwachsenen betrug sie 400 mg). Wegen der höheren metabolischen Rate bei Kindern gegenüber Erwachsenen müssten diese theoretisch sogar eine höhere Dosis von Riboflavin erhalten. Ansonsten ist die Studie methodisch gut durchgeführt.

Ein weiteres Problem: Es kann im Kindesalter sehr schwierig sein, eine Migräne phänotypisch vom Kopfschmerz des Spannungstyps abzugrenzen. So kann das Ergebnis, dass möglicherweise der Kopfschmerz vom Spannungstyp unter Riboflavin besser wird, nicht vernünftig interpretiert werden.

Literatur

  1. Bruijn J et al. Medium-dose riboflavin as a prophylactic agent in children with migraine: a preliminary placebo-controlled, rando-mised, double-blind, cross-over trial. Cephalalgia 2010; 30: 1426–34CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2012

Authors and Affiliations

  • Stefan Evers

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