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DNP - Der Neurologe und Psychiater

, Volume 13, Issue 1, pp 25–25 | Cite as

Kopfschmerz durch zu viele Analgetika: ambulant entziehen oder stationär?

  • Stefan Evers
Literatur kompakt
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Abstract

Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch ist ein häufiges Problem in Kopfschmerzambulanzen. Die meisten Leitlinien empfehlen einen Medikamentenentzug, der in der Vergangenheit meistens stationär durchgeführt wurde. Ein Paradigmenwechsel führte jetzt dazu, dass die meisten Patienten heute ambulant oder tagesklinisch entzogen werden. Die langfristige Wirksamkeit der beiden Methoden wurde in der vorliegenden Studie untersucht.

Definitionsgemäß handelt es sich bei „Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch“ um chronische Kopfschmerzen bei gleichzeitiger Einnahme von einfachen Analgetika an mehr als 15 Tagen im Monat oder anderen Akutmedikamenten gegen Kopfschmerzen an mehr als zehn Tagen im Monat. In der vorliegenden offenen randomisierten Studie verglichen die französischen Wissenschaftler den ambulanten Entzug mit einer stationären Entzugsbehandlung.

Von den 82 Patienten erhielten in den Jahren 2003 bis 2005 36 Patienten eine ambulante Entzugsbehandlung und 35 eine stationäre. Untersucht wurden sie nach zwei Monaten und nach zwei Jahren, wobei nach zwei Jahren noch Daten von 34 beziehungsweise 32 Patienten erhältlich waren. In beiden Entzugsverfahren wurden die Medikamente abrupt abgesetzt und Entzugserscheinungen mit Amitriptylin behandelt. Außerdem erhielten die Patienten Metoclopramid gegen Übelkeit und bei Bedarf nichtsteroidale Antirheumatika. Der primäre Endpunkt war die Zahl der Kopfschmerztage pro Monat nach zwei Monaten und nach zwei Jahren verglichen mit den Ausgangsdaten. Als Responder wurden Patienten definiert, bei denen der Kopfschmerz wieder an weniger als 15 Tagen im Monat bestand und bei denen an weniger als zehn Tagen im Monat Medikamente zur Akuttherapie eingenommen wurden. Bezüglich der Endpunkte ergab sich zwischen den beiden Behandlungsgruppen kein Unterschied. Die Responderrate betrug jeweils 44 %.

Kommentar: Diese Studie reiht sich in mehrere randomisierte Studien ein, die in den letzten Jahren zur Frage des besten Medikamentenentzugs bei dieser Kopfschmerzform vorgelegt wurden. Die Grundsatzfrage dabei ist immer, ob man diese Patienten stationär oder ambulant entziehen beziehungsweise wann man einen stationären Entzug durchführen soll. Die Studien, einschließlich der hier referierten, zeigen konsistent und eindrucksvoll, dass Patienten mit chronischen Kopfschmerzen und Medikamentenübergebrauch genauso gut ambulant oder tagesklinisch entzogen werden können wie stationär. In die klinische Praxis umgesetzt bedeutet dies, dass die einzigen Patienten, bei denen noch über einen stationären Medikamentenentzug nachgedacht werden sollte, diejenigen mit einem Missbrauch von Opioiden oder Benzodiazepinen sind.

Literatur

  1. Créac’h D et al. In-patient versus out-patient withdrawal programmes for medication overuse headache: A 2-year randomized trial. Cephalalgia 2011; 31: 1189–98CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2012

Authors and Affiliations

  • Stefan Evers

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