Info Diabetologie

, Volume 6, Issue 4, pp 17–17 | Cite as

Bester Prädiktor ist der Blutdruck im Schlaf

Kardiovaskuläre Prognose bei Typ-2-Diabetes
  • Heinrich Holzgreve
Journal Screen Kardiologie
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Ein zu hoher Blutdruck schädigt das Herz — doch welche Werte sind für die Prognose eines kardiovaskulären Ereignisses aussagekräftig?

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Fragestellung: Welchen Vorhersagewert haben die Blutdruckmessung in der Praxis und die einzelnen Komponenten des ambulanten Blutdruck-Monitorings (ABDM) zu Beginn und im weiteren Verlauf im Bezug auf die Entwicklung kardiovaskulärer Komplikationen bei Typ-2-Diabetikern?

Hintergrund: Die Ergebnisse der ABDM korrelieren mit der Entwicklung von hypertensiven Organschäden, den kardiovaskulären Komplikationen und der Langzeitprognose besser als diejenigen der konventionellen Messung. Unklar ist aber immer noch, inwieweit die Werte, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemessenen und für bestimmte Perioden gemittelt wurden, zu Beginn und vor allem im weiteren Verlauf prognostisch von Bedeutung sind.

Patienten und Methodik: Bei 607 Typ-2-Diabetikern — darunter waren 74% hypertensiv — wurde der Blutdruck konventionell und mittels 48 h-Langzeitmessung mindestens jährlich — nach Therapieumstellungen auch häufiger — in einem durchschnittlichen Zeitraum von 5,4 Jahren gemessen. Nach Zufallskriterien wurden die Patienten angehalten, die gesamte antihypertensive Medikation nach dem Aufwachen oder zumindest einen Blutdrucksenker am Abend vor dem Schlafengehen einzunehmen. Die tatsächlichen Liege- bzw. Schlafzeiten wurden anhand von Patientenprotokollen und Aktigraphen gemessen.

Ergebnisse: Während dieser durchschnittllichen 5,4 Jahren kam es zu 107 kardiovaskulären Komplikationen. Der Blutdruck war naturgemäß bei Patienten mit Komplikationen höher als bei denjenigen ohne Komplikationen. Wichtige Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Anämien und chronische Nierenerkrankungen wurden korrigiert. Nach dieser Angleichung stellte sich heraus, dass der systolische Blutdruck im Schlaf und der nächtliche Blutdruckabfall („dipping bzw. non-dipping“) als prognostische Faktoren dominieren. Denn wenn man bei den Analysen den systolischen Blutdruck im Schlaf berücksichtigte, verloren andere Komponenten des Blutdrucks wie Tageswerte, 48 h-Werte und konventionelle Messungen ihre Signifikanz. Aus therapeutischer Sicht am wichtigsten ist die Beobachtung, dass das Überleben ohne Komplikationen mit dem Abfall des systolischen Blutdrucks im Schlaf signifikant korreliert.

Dabei stellte sich heraus, dass die Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität bei moderatem Alkoholkonsum bis 30 g / Tag um 22–52% niedriger war als bei den Abstinenzlern. Bei Mengen über 30 g / Tag ging dieser günstige Effekt dann allerdings wieder weit gehend verloren.

Die Mehrzahl der Probanden hat vor und nach dem Infarkt gleichermaßen Alkohol konsumiert. Patienten, die nur vor, und solche, die nur nach dem Infarkt moderat getrunken haben, profitierten gleichermaßen. Unterschiede zwischen Bier, Wein und anderen Alkoholika gab es nicht.

Schlussfolgerung: Die Daten dieser pospektiven Studie machen deutlich, dass eine inverse Korrelation zwischen einem moderaten Alkoholkonsum und der kardiovaskuklären Sterblichkeit besteht. Ein langfristiger, moderater Alkoholkonsum kann also die kardiovaskuläre Sterblichkeit nach einem ersten Herzinfarkt senken.

Kommentar: Die konventionelle Blutdruckmessung in der Praxis hat zahlreiche Mängel. Für die Diagnose Hypertonie ist diese Methode unzureichend. Deshalb fordern die neuen Empfehlungen des „National Institute for Clinical Excellence“ (NICE) und der europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH) vor Therapiebeginn Langzeitmessung und / oder Selbstmessung. Aus den vorgenannten Ergebnissen muss man folgern, dass für die Therapieüberwachung, zumindest von Diabetikern, vermutlich aber auch aller Hypertoniker am besten die Langzeitmessung geeignet ist. Denn nur sie allein kann den prognostisch bedeutsamen Blutdruck im Schlaf ermitteln.

Literatur

  1. Hermida RC, Ayala DE, Mojón A et al. Sleep-time blood pressure as a therapeutic target for cardiovascular risk reduction in type 2 diabetes. Am J Hypertens. 2012;25(3):325–34.PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Heinrich Holzgreve
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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