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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 40–40 | Cite as

Nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM)

Neue Leitlinien zur Therapie pulmonaler NTM-Infektionen erwartet

  • Roland Fath
aktuell
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Lungenerkrankungen durch Infektionen mit nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM) nehmen weltweit zu und stellen eine therapeutische Herausforderung dar. Mit großer Spannung erwartet werden daher die aktualisierten US-amerikanischen Therapieempfehlungen von ATS/IDSA. Beim ERS 2019 in Madrid wurden erstmals Empfehlungen aus der neuen Leitlinie präsentiert. Die Leitlinie soll nächstes Jahr publiziert werden.

Die Rate pulmonaler NTM-Infektionen (NTM-LD) ist in Deutschland zwischen 2009 und 2014 von 2,3 auf 3,3 pro 100.000 gestiegen [1]. Gefährdet sind vor allem Ältere, Patienten mit Immunschwäche sowie mit vorbestehenden Lungenerkrankungen wie COPD oder Bronchiektasen. NTM-LD sind mit einer beträchtlichen Morbidität und Mortalität verbunden. Abhängig von Symptomatik (Husten, Auswurf, Dyspnoe und Brustschmerzen, außerdem Fatigue, Fieber, Gewichtsverlust, Unwohlsein und reduzierter Allgemeinzustand), NTM-Spezies und radiologischen Lungenbefunden (noduläre oder kavernöse Veränderungen) wird frühzeitig eine aggressive Antibiotika-Therapie empfohlen [2, 3]. Viele Fragen sind aber noch unklar, darunter die am besten geeignete Antibiotika-Kombination in Abhängigkeit von der NTM-Spezies, das Therapieintervall (täglich oder intermittierend) und die Therapiedauer.

Inzwischen sind mehr als 180 Spezies von NTM bekannt, die ubiquitär in unserer Umwelt vorkommen. Die Pathogenität der einzelnen Spezies ist dabei sehr unterschiedlich (s. Abb.). Alle aus Sputumproben von Patienten gewonnenen NTM-Isolate sollten zumindest bis zum Spezies-Level differenziert werden, betonte Dr. Jakko van Ingen, Mikrobiologe aus Nimwegen. Zu den häufigsten Erregern von NTM-LD zählen M. kansasii, M. abscessus und M. avium complex (MAC). In Deutschland werden bei über 50 % der Infizierten MAC nachgewiesen [4]. Jakko empfahl, vor Beginn der Antibiotika-Therapie die Sensitivität der Erreger in vitro auf die üblicherweise bei NTM-LD eingesetzten Antibiotika zu testen. „Es ist ein Mythos, dass die in-vitro-Testung nicht mit den Therapieergebnissen in vivo übereinstimmt“, sagte van Ingen. Insbesondere für Makrolide und Amikacin seien exzellente Korrelationen dokumentiert worden.

Studie aus den Niederlanden zur Pathogenität verschiedener NTM-Spezies.

© R. Fath

In der neuen NTM-Leitlinie von ATS/IDSA werden, basierend auf den verfügbaren Evidenzen, Empfehlungen zum individualisierten Antibiotikaeinsatz bei Patienten mit NTM-LD gegeben. Prof. Charles Daley von der Universität von Colorado in Denver stellte in Madrid die wichtigsten neuen Therapieempfehlungen bei durch MAC induzierten NTM-LD vor.

Empfehlungen zur Antibiotikawahl und Kombination:

  • Bei Patienten mit Makrolid-sensitiven MAC wird ein Regime aus drei Antibiotika inklusive eines Makrolids empfohlen (starke Empfehlung). Studien zufolge wird bei MAC NTM-LD durch Regime mit Makrolid bei 54 % der Behandelten eine Konversion der Sputumkulturen erreicht im Vergleich zu nur 38 % bei Makrolidfreien Regimen.

  • Bei Patienten mit Makrolid-sensitiven MAC wird ein Regime mit mindestens drei Antibiotika (inklusive Makrolid und Ethambutol) gegenüber einem Regime mit nur zwei Antibiotika (Makrolid plus Ethambutol) bevorzugt (konditionale Empfehlung).

  • Bei Makrolid-sensitiven MAC sollte Azithromycin gegenüber Clarithromycin bevorzugt werden (konditionale Empfehlung). Azithromycin hat ein geringeres Potential für Medikamenteninteraktionen. Dies ist besonders relevant bei gleichzeitiger Gabe von Rifamycin.

  • Bei Patienten mit kavitärer oder fortgeschrittener / schwerer bronchiektatischer oder MAC-resistenter NTM-LD sollte parenterales Amikacin oder Streptomycin Bestandteil des initialen Antibiotikaregimes sein (konditionale Empfehlung).

Empfehlungen zu Therapieintervall und -dauer:

  • Patienten mit kavitären Makrolid-sensitiven MAC NTM-LD sollten die Antibiotika täglich einnehmen.

  • Bei Patienten mit nicht-kavitären nodulären / bronchiektatischen Makrolid-empfindlichen NTM-LD wird hingegen die intermitterende Antibiotikagabe (dreimal pro Woche) gegenüber der täglichen Gabe bevorzugt (beides sind konditionale Empfehlungen).

  • Die Behandlung sollte über 12 Monate nach Konversion der Sputumkulturen fortgesetzt werden.

Literatur

  1. 1.
    Ringshausen FC et al. Emerg Infect Dis. 2016;6:1102–5Google Scholar
  2. 2.
    Griffith DE et al. AJRCCM. 2007;175:367–416Google Scholar
  3. 3.
    Schönfeld N et al. Pneumologie. 2013;67:605–33CrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Hoefsloot M et al. Eur Respir J. 2013;42:1604–13CrossRefGoogle Scholar

Literatur

  1. Jahrestagung der European Respiratory Society, Madrid, 28.9.–2.10.2019Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Roland Fath
    • 1
  1. 1.

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