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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 39–39 | Cite as

Therapie von gestern?

Zu viele Asthmatiker bekommen regelmäßig orale Steroide

  • Beate Schuhmacher
aktuell
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Dauertherapien mit oralen Kortikosteroiden sollten bei Asthmapatienten heute eigentlich die Ausnahme sein. Tatsächlich handelt es sich um eine gängige Therapie — sogar bei Patienten, die nur mittelschweres Asthma haben.

Beim ERS-Kongress 2019 wurden die neuen Leitlinien vorgestellt, u. a. zu schwerem Asthma, Pleuramesotheliom und pulmonaler NTM-Infektion.

© (2) ERS 2019

Laut Asthma-Leitlinien sind Langzeittherapien mit oralen Kortikosteroiden solchen Patienten vorbehalten, deren Erkrankung trotz optimaler Therapie mit hochdosierten inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und langwirksamem Beta-2-Agonisten (LABA), eventuell ergänzt durch ein lang wirksames Anticholinergikum, nicht kontrolliert ist und die außerdem keine Kandidaten für ein Biologikum sind. Diese Vorbedingungen sind im Alltag jedoch oft nicht erfüllt, wie aus zwei Studien hervorgeht, die jetzt auf dem europäischen Pneumologenkongress in Madrid vorgestellt wurden.

Eine Untersuchung beruht auf Daten von Asthmakranken in den Niederlanden. Von rund 2.300 Patienten mit einer hohen Dosis ICS wurden 29 % längerfristig auch mit einer hohen Dosis OCS behandelt (≥ 420 mg Prednisonäquivalent pro Jahr). Wie die Studienautorin Dr. Katrien Eger von der Universität Amsterdam berichtete, war bei der Mehrzahl der Patienten (78 %) die Notwendigkeit einer Stufe-5-Therapie aber gar nicht gesichert. Sie hatten entweder die inhalative Asthmamedikation weniger als 80 % der Zeit angewendet oder bei der Inhalation Fehler gemacht. Ein klarer Verstoß gegen die GINA-Empfehlungen, die besagen, dass vor jeder Eskalation der Asthmatherapie in die nächste Stufe die Adhärenz und die Inhalationstechnik des Patienten geprüft werden müssen.

Die übrigen 22 % der untersuchten Patienten erfüllten zwar diese Voraussetzungen. Bei ihnen wäre allerdings vor der Langzeitgabe eines OCS die Eignung für eine Therapie mit einem Biologikum zu prüfen gewesen. Ausgehend von den tatsächlichen Verordnungszahlen in den Niederlanden schätzt Eger, dass in den Jahren 2011/12 nur knapp der Hälfte der Biologikakandidaten eine solche Therapie verordnet wurde.

Die wachsende Erfahrung mit Biologika und die Zulassung neuer Antikörper scheinen der Beliebtheit von OCS immer noch keinen Abbruch zu tun. Das ist das Ergebnis der zweiten Untersuchung, die aus Deutschland stammt und von Prof. Marek Lommatzsch von der Universität Rostock auf dem Kongress präsentiert wurde. Für die Studie wurden Daten aus dem IMS Disease Analyzer aus den Jahren 2015 bis 2017 ausgewertet. Einbezogen wurden alle Asthmapatienten ab zwölf Jahren, die bei einem von rund 1.000 Haus- oder von 26 Lungenärzten in Behandlung waren, pro Jahr etwa 40.000 Patienten. Erwartungsgemäß versorgten die Pneumologen einen höheren Anteil von schwer kranken Asthmapatienten. Eine OCS-Therapie für 30 Tage und mehr verordneten sie im Schnitt etwa 6 % all ihrer Patienten, dieser Anteil war über die drei Jahre hinweg konstant. Bei den Hausärzten belief sich der Anteil der Asthmakranken mit OCS-Langzeittherapie sogar auf durchschnittlich 9 %! In beiden Arztgruppen war außerdem von 2015 bis 2017 ein Anstieg der OCS-Tagesdosen zu verzeichnen; im Schnitt verordneten die Fachärzte höhere Dosierungen.

Wie in der niederländischen Studien zeigte sich auch hier, dass Langzeitbehandlungen mit OCS bei Weitem nicht auf Patienten mit maximaler inhalativer Therapie beschränkt waren: Im Jahr 2017 wurden bei den Pneumologen 13 % und bei den Hausärzten sogar 22 % von ihnen nur gemäß Stufe 3 behandelt, also mit einer ICS-Monotherapie in mittlerer Dosierung oder eine Kombination aus niedrig dosiertem LABA und ICS.

Alle Experten betonten die Notwendigkeit, langfristige OCS-Gaben zu vermeiden oder soweit wie möglich einzuschränken. Die Nebenwirkungen wie Osteoporose, Bluthochdruck und Diabetes treten dosisabhängig auf, ohne einen Schwellenwert. Die Leitlinien empfehlen deshalb für die Stufe 5, Biologika den Vorzug vor OCS zu geben. Abhängig vom Asthma-Phänotyp können dafür Anti-IgE-Antikörper bzw. Antikörper gegen IL5(-Rezeptoren) oder gegen IL-4/13-Rezeptoren eingesetzt werden.

Literatur

  1. Jahrestagung der European Respiratory Society, Madrid, 28.9.–2.10.2019Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Beate Schuhmacher
    • 1
  1. 1.

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