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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 37–37 | Cite as

Leitlinie von ERS und ATS

Sechs neue Empfehlungen für schweres Asthma

  • Beate Schuhmacher
aktuell
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Die Einführung von Biologika hat die Behandlung des schweren Asthmas verändert. Die europäische und die US-amerikanische Pneumologengesellschaft haben reagiert und gemeinsam neue Therapieempfehlungen formuliert.

Mehr als 20.000 Delegierte nahmen am diesjährigen Kongress der European Respiratory Society vom 28.9.–2.10.2019 in Madrid teil.

© (links) kasto / stock.adobe.com

© (rechts) ERS 2019

Die letzte Leitlinie von European Respiratory Society (ERS) und American Thoracic Society (ATS) zum schweren Asthma stammt aus dem Jahr 2014. Als einziges Biologikum war zu dieser Zeit Omalizumab zur Asthmatherapie zugelassen. Die diesbezügliche Leitlinienempfehlung lautete, bei Patienten mit schwerem allergischem Asthma einen Therapieversuch mit dem Anti-IgE-Antikörper zu unternehmen. Inzwischen haben Ärzte, die schweres Asthma behandeln, also Asthma, das trotz Dauertherapie mit hochdosiertem ICS und einem langwirksamen Betamimetikum nicht kontrolliert ist, die Wahl zwischen insgesamt fünf Biologika. Neu hinzugekommen sind Antikörper gegen IL-5 bzw. den IL-5-Rezeptor (Mepolizumab, Reslizumab, Benralizumab) und gegen den IL-4/13-Rezeptor (Dupilumab).

Eine Task Force von ERS und ATS hat die Evidenz zu diesen und weiteren neuen Strategien (Azithromycin, Tiotropium) in Metaanalysen evaluiert und daraus sechs Empfehlungen abgeleitet (Holguin F et al. Eur Respir J. 2019). Bei fünf von ihnen handelt es sich nur um „bedingte“ Empfehlungen, wie Mitautor Prof. Juan Carlos Cardet von der University of South Florida beim ERS-Kongress in Madrid berichtete. Bei ihnen besteht noch Unsicherheit bezüglich des Verhältnisses von erwünschten zu nicht erwünschten Effekten. Die Empfehlungen lauten:
  1. 1.

    Anti-IL-5-Strategien werden als zusätzliche Therapieoption für Erwachsene mit schwerem unkontrolliertem eosinophilem Asthma empfohlen. Eine bedingte Empfehlung, weil an den Studien Patienten mit unterschiedlichem schwerem Asthma beteiligt waren und die Evidenz für Jugendliche unzureichend ist.

     
  2. 2.

    Als Grenzwert für die Einleitung einer Anti-IL-5-Therapie wird eine Bluteosinophilenzahl von ≥ 150/μl genannt und damit ein niedrigerer Wert als in GINA (≥ 300/μl). Die Leitlinienautoren räumen ein, dass Patienten mit höheren Blutspiegeln stärker zu profitieren scheinen und dass es Antikörper-abhängige Unterschiede gibt. Eine Schwierigkeit besteht außerdem darin, dass die Zahl der Bluteosinophilen sehr variabel ist und durch die Behandlung mit ICS und oralen Kortikosteroiden (OCS) beeinflusst wird.

     
  3. 3.

    Als zusätzliche Biomarker für eine Anti-IgE-Therapie werden Grenzwerte für Bluteosinophile (≥ 260/μl) und Stickstoffmonoxid in der Ausatemluft (FeNO: ≥ 19,5 ppb) vorgeschlagen, um diejenigen Jugendlichen und Erwachsenen mit allergischem Asthma zu identifizieren, bei denen ein Ansprechen besonders wahrscheinlich ist.

     
  4. 4.

    Die einzige starke Empfehlung bezieht sich auf das lang wirksame Anticholinergikum Tiotropium: Das LAMA bewirke, so Cardet, als Zusatz zu hochdosiertem ICS und LABA zwar nur eine leichte Besserung von Lungenfunktion und Exazerbationsfrequenz, habe dafür aber ein günstiges Nebenwirkungsprofil. Tiotropium wird daher als Zusatztherapie für Jugendliche und Erwachsene empfohlen, deren Asthma mit einer Therapie gemäß den GINA-Stufen 4 oder 5 nicht unter Kontrolle ist.

     
  5. 5.

    Im Gegensatz zur vorangegangenen Leitlinie wird zur Reduktion von Exazerbationen ein Versuch mit einer Dauertherapie mit Low-dose-Azithromycin vorgeschlagen, und zwar für Erwachsene, die trotz Stufe-5-Therapie dauerhaft symptomatisch oder unkontrolliert sind. Ausdrücklich abgeraten wird von einem solchen Therapieversuch bei Kindern und Jugendlichen.

     
  6. 6.

    Eine weitere bedingte Empfehlung gibt es für den Anti-IL-4/13-Rezeptor-Antikörper. Er kann als Zusatztherapie bei schwerem eosinophilem Asthma oder bei schwerem von OCS abhängigem Asthma unabhängig von der Eosinophilenzahl eingesetzt werden.

     

Literatur

  1. Jahrestagung der European Respiratory Society, Madrid, 28.9–2.10.2019Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Beate Schuhmacher
    • 1
  1. 1.

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