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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 21–21 | Cite as

Smartphoneverbot fürs Schlafzimmer?

Auswirkungen nächtlicher Handy-Aktivitäten

  • Hans Jürgen HeppnerEmail author
journal club
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Kinder und Jugendliche sind in Nachtruhe und Tagesleistungsfähigkeit durch nächtliches Daddeln an Tablet oder Smartphone gestört.

© ljubaphoto / Getty Images / iS (Symbolbild, Fotomodell)

Hintergrund und Fragestellung: Die Autoren gehen in der Beobachtungsstudie der Frage nach, inwiefern Smartphone-Aktivitäten den Nachtschlaf bei Jugendlichen und, damit verbunden, die Tagesaktivität und Konzentration beeinflussen.

Patienten und Methoden: Über einen Zeitraum von 4 Jahren wurde die prospektive Kohorte HERMES (Health Effects Realted to Mobile phone usE in adolescentS) an einer Schweizer Grundschule untersucht. Mittels Fragebogenerhebungen wurden die soziodemografischen Daten und Lifestylevariablen und die tägliche Mobil-/Smartphonenutzung dokumentiert und zusätzlich erfasst, wie das nächtliche Smartphoneverhalten und die „on-screen-time“ war. Weiterhin wurden die Mobiltelefone hinsichtlich ihrer Einschaltdauer und des Gebrauchs ausgelesen. Für die Auswertung der gesundheitsrelevanten Ergebnisse wurde die schweizerische Gesundheitsbefragung (Suisse Herz Survey) angewendet. Zur Erfassung der Lebensqualität und des Wohlfühlens der Probanden wurde KiDscreen-52 benutzt.

Ergebnisse: Die logistischen Regressionsanalysen ergaben, dass Heranwachsende bereits Schlafbeeinträchtigungen zeigen, wenn sie nur einmal im Monat von ihrem Mobiltelefon geweckt werden (Odds Ratio [OR]: 5,66; 95%-Konfidenzintervall 2,24–14,26), gepaart mit Einschlafproblemen (3,51; 1,05–11,74). Je länger die „on-screen-time“ war, desto häufiger zeigten sich Müdigkeit, Leistungsknick und Konzentrationsschwäche bei den Probanden infolge des gestörten Schlafes. Zum Nachverfolgungszeitpunkt nach ca. 1 Jahr schalteten 28 % der Studienteilnehmer ihre Mobiltelefone nachts aus oder wechselten in den Flugmodus, im Vergleich zu 22,5 % zu Beginn der Untersuchung — nächtliche Störungen waren anfangs denn auch häufiger.

Nach Datensatzadjustierung zeigte sich ein klares Bild des Zusammenhanges zwischen nächtlichem Aufwachen durch das Smartphone und daraus resultierenden Einschlafstörungen. Auch das Risiko für anhaltende Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche (2,90; 1,55–5,42) und Kopfschmerzen (ORM1: 2,72; 1,01–7,36) durch aktive Mobiltelefone in der Nacht konnte belegt werden.

Schlussfolgerung: Erholsamer Schlaf ist bei eingeschaltetem/aktivem Smartphone nicht möglich, wie diese longitudinale Beobachtung zeigt. Mobiltelefone/Smartphones sollten nachts ganz abgeschaltet werden, um für soziale Medien nicht rund um die Uhr erreichbar zu sein, bzw. von diesen gestört zu werden.

Kommentar von Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Smartphones beeinträchtigen die Gesundheit Jugendlicher

Durch Telefonanrufe, und auch zunehmend durch Smartphones oder Tablet-PCs die im Schlafzimmer benutzt werden, wird nicht nur der Nachtschlaf gestört, es kommt auch zu auch relevanten Folgen für die Tageswachheit und Konzentration.

So belegt diese Studie an Jugendlichen, was wir eigentlich schon immer befürchtet haben. Schulkinder sind deutlich in ihrer Nachtruhe und ihrer Tagesleistungsfähigkeit durch aktive Smartphones, in diesem Fall während der Nachtzeit, gestört. Auch wenn diese nur einmal im Monat nachts klingeln. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die einzelnen Teilnehmer dann eine entsprechende Erwartungshaltung gegenüber Nachrichten oder Anrufen haben und somit schon der Schlaf beeinflusst ist. Natürlich gibt es bei Jugendlichen viele Ursachen, die den Schlaf beeinflussen und in durchaus stören können, aber die „on-screen-times“ am Smartphone sind sicher eins der Probleme, das sich sehr leicht aus dem Schlafraum verbannen lässt. Daher sollte die generelle Empfehlung, Smartphones auszuschalten oder zumindest in den Nacht-/Flugmodus zu wechseln, unbedingt umgesetzt werden.

Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Literatur

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Originalie

  1. Foerster M, Henneke A, Chetty-Mhlanga S, Röösli M. Impact of Adolescents’ Screen Time and Nocturnal Mobile Phone-Related Awakenings on Sleep and General Health Symptoms: A Prospective Cohort Study. Int J Environ Res Public Health. 2019;  https://doi.org/10.3390/ijerph16030518CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für GeriatrieUniversität Witten/HerdeckeSchwelmDeutschland

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