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Pneumo News

, Volume 11, Issue 7, pp 20–20 | Cite as

Immer auf die Lunge achten! Nicht nur der Knochen ist ein Problem

Mortalitätsprädiktoren bei Patienten mit Rippenfrakturen

  • Hans Jürgen HeppnerEmail author
journal club
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Hintergrund und Fragestellung: Ziel der Studie war es, die Risikofaktoren für die Morbidität und Mortalität bei Patienten mit Rippenfrakturen nach stumpfem Thoraxtrauma zu identifizieren und zu bewerten, ob ein altersrelevanter Unterschied besteht.

Patienten und Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive Studie an Patienten mit stumpfem Thoraxtrauma, die sowohl klinisch als auch radiologisch und im Computertomogramm eine Rippenfraktur bzw. Mehrfachfraktur aufwiesen und bei denen zeitgleich eine Lungenkontusion bestand. Der Unfallhergang, soziodemografische Daten, die Glasgow-Coma-Scale, Verletzungsschwere, Komplikationen wie Pneumothorax, Hämatothorax oder nachfolgende Beatmungspflicht bzw. traumabedingte Pneumonie sowie die Sterblichkeit wurden erfasst. Zusätzlich erfolgte eine Behandlung der Patienten nach einem standardisierten Schmerzprotokoll, um eine Vitalkapazität von mehr als 10 ml/kg Körpergewicht zu erreichen.

Sekundäre Lungenkomplikationen nach stumpfem Rippentrauma sind bei Älteren durchaus häufig.

© Artur Gabrysiak / Fotolia

Ergebnisse: Im Studienzeitraum wurden 3.068 Traumapatienten analysiert, von denen 1.188 Rippenfrakturen nach stumpfem Thoraxtrauma aufwiesen. Es waren 800 Männer und 388 Frauen betroffen. Eine Lungenkontusion lag in 27,7 % der Fälle vor, die mediane Anzahl der gebrochenen Rippen waren 4 ± 2, die Inzidenz eines Pneumothorax bzw. seines Hämatopneumothorax lag bei 20,2 %, 27 % der Patienten (321/1.188) mussten mechanisch beatmet werden. Die Häufigkeit der Lungenkomplikationen lag bei 13,6 %, 8,3 % entwickelten ein ARDS. Sterblichkeit über alle Fälle betrug 6 %.

Schlussfolgerung: Sichtbares Ergebnis der Studie ist, dass die Mortalität bei über 65-Jährigen nach Rippenfrakturen bis zum 80. Lebensjahr klar ansteigt und die Anzahl der gebrochenen Rippen keinen Einfluss hat. Wichtig ist hierbei aber, dass die sekundären Lungenkomplikationen wie Pneumothorax und Lungenkontusion auch in dieser Altersgruppe keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen.

Kommentar von Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

Komplikation für Lunge und innere Organe stehen im Vordergrund

Anders als bei penetrierenden Thoraxtraumata denkt man beim stumpfen Thoraxtrauma nicht immer sofort an eine sekundäre Lungenbeteiligung. Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen aber deutlich, dass Sekundärkomplikationen durchaus häufig sind (Odds Ratio der Variablen „Alter“ für die Mortalitätsprädiktion: 1,062; 95%-Konfidenzintervall 1,044–1,080). Diese nehmen auch mit ansteigendem Lebensalter zu, und sind nicht von der Anzahl der gebrochenen Rippen abhängig. Auch wenn es sich hierbei um eine retrospektive Studie handelt und die anatomische Lokalisation der Fraktur nicht berücksichtigt wurde, sollte nicht der Rückschluss erfolgen, dass eine Rippenserienfraktur größere Komplikationen für den älteren Patienten bedeuten könnte.

Univ.-Prof. Dr. med. Hans Jürgen Heppner

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Originalie

  1. Marini CP, Petrone P, Soto-Sánchez A et al. Predictors of mortality in patients with rib fractures. Eur J Trauma Emerg Surg. 2019;  https://doi.org/10.1007/s00068-019-01183-5

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für GeriatrieUniversität Witten/HerdeckeSchwelmDeutschland

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