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CardioVasc

, Volume 19, Issue 2, pp 57–57 | Cite as

Blutdruck bei Typ-2-Diabetikern: Wie tief soll er sinken?

  • Walter Zidek
Literatur kompakt
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Über die optimalen Blutdruckwerte bei Diabetes mellitus ist in der Vergangenheit intensiv diskutiert worden. Eine neue Studie aus Korea mit einer beeindruckend hohen Patientenzahl liefert wichtige Informationen zu diesem Thema.

In die Untersuchung von Daten des koreanischen National Health Insurance Service waren 2.262.725 Typ-2-Diabetiker mit regelmäßigen Gesundheitschecks zwischen 2009 und 2012 eingeschlossen. Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Erkrankungen wurden nicht in die Auswertung einbezogen. Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 6,5 Jahre.

Abbildung 1 zeigt die Inzidenz von Schlaganfällen und Herzinfarkten in Abhängigkeit vom Blutdruck. Sie zeigt auch, dass sich das J-Kurven-Phänomen weder für Herzinfarkte noch für Schlaganfälle darstellen ließ. Die Inzidenz beider Ereignisse nahm also bei besonders niedrigen Blutdruckwerten nicht wieder zu.

Inzidenz von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Typ-2-Diabetikern in Abhängigkeit vom systolischen und diastolischen Blutdruck (*signifikant erhöhte Hazard Ratio im Vergleich zu Patienten im Blutdruckbereich 110–119 mmHg systolisch bzw. 75–79 mmHg diastolisch).

Bezogen auf einen systolischen Blutdruck zwischen 110 und 119 mmHg war das Risiko bei einem systolischen Druck zwischen 120 und 129 mmHg nicht erhöht, aber bereits ein Blutdruck von ≥ 130 mmHg systolisch war mit signifikant vermehrten kardiovaskulären Ereignissen assoziiert: In einem Bereich zwischen 130 und 139 mmHg lag die Hazard Ratio für einen Schlaganfall bei 1,15 und für einen Herzinfarkt bei 1,05 verglichen mit Patienten in einem Bereich von 110–119 mmHg systolisch.

Ähnlich hatten Patienten mit einem diastolischen Blutdruck zwischen 80 und 84 mmHg ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Patienten im Bereich von 75–79 mmHg. Die Autoren sehen daher bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 den optimalen Grenzwert für den systolischen Blutdruck bei 130 mmHg, für den diastolischen Blutdruck bei 80 mmHg.

Kommentar

Die Stärke dieser Untersuchung liegt in der sehr hohen Probandenzahl. Ferner bildet sie Real-world-Bedingungen ab, die zur Bestätigung vieler Studienergebnisse von großer Bedeutung sind. Die Schwäche liegt darin, dass beispielsweise Einflüsse einer antihypertensiven Behandlung nicht quantifiziert wurden. Wir können daher zwar einen optimalen Blutdruckwert aus den Ergebnissen entnehmen, nicht aber einen Zielblutdruck im engeren Sinn. Dennoch ist das Ergebnis gut vereinbar mit den jetzt wieder strengeren Blutdruckzielwerten speziell in der wichtigen Gruppe der Typ-2-Diabetiker.

Prof. Dr. med. Walter Zidek

Literatur

  1. Kim MK et al. Blood Pressure and Development of Cardiovascular Disease in Koreans With Type 2 Diabetes Mellitus. Hypertension. 2019;73:319–326.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Walter Zidek
    • 1
  1. 1.Medizinische Klinik IVCharité Universitäts- medizin BerlinBerlinDeutschland

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