ASS vor Operationen nicht absetzen
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Ein Patient mit einer dualen Thrombozytenaggregationshemmung muss operiert werden — sollten die Plättchenaggregationshemmer kurzfristig abgesetzt werden? Und falls ja welche?
Nach den offiziellen Leitlinien sollten alle Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) eine duale Thrombozytenaggregationshemmung mit ASS plus Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor 12 Monate lang erhalten. Das gilt auch für Patienten, die bei einer Koronarintervention einen medikamentös beschichteten Stent bekommen. Im Falle eines Metallstents kann die Plättchenaggregationshemmung bereits nach 4–6 Wochen auf eine Monotherapie mit ASS umgestellt werden. „Die Empfehlungen sollte man konsequent umsetzen, da 30–40% der Stent-Thrombosen durch Absetzen eines Thrombozytenaggregationshemmers verursacht werden“, sagte Prof. Siegfried Rübenacker, Chefarzt der Chirurgischen Klinik in Langenau. Da immer mehr Patienten eine solche Therapie erhielten, werde auch der Chirurg zunehmend damit konfrontiert, wie er im Falle eines operativen Eingriffs handeln solle.
Welchen Thromozytenaggregationshemmer sollte ein Patient vor einer OP noch einnehmen?
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ASS wegzulassen erhöht Risiko für ACS
Unbestritten sollte eine Plättchenaggregationshemmung im Rahmen einer Primärprävention immer 7–12 Tage vor der geplanten Operation abgesetzt werden. Das ist für die Patienten unbedenklich, zumal eine solche Primärprävention nicht evidenzbasiert ist. Die ASS-Therapie kann frühestens 24 Stunden nach dem Eingriff fortgesetzt werden.
Doch ASS abzusetzen, ist für Patienten mit manifester KHK nicht unproblematisch. Denn Studien zufolge nimmt dann das postoperative Risiko für ein ACS um 10% zu. Andererseits erhöht ASS aber das Blutungsrisiko um etwa 50%, vorrangig jedoch nur bei intrakraniellen und transurethralen Eingriffen. „Wägt man Nutzen und Risiko ab, sollten Patienten mit ACS bzw. Stentimplantation ASS vor der OP nicht absetzen“, rät Rübenacker. Soweit möglich, sollte die OP vor allem bei Patienten mit einem Stent so lange verschoben werden, bis eine duale Plättchenaggregationshemmung nicht mehr nötig ist. Ansonsten sollte der zweite Plättchenaggregationshemmer vorübergehend abgesetzt und perioperativ nur ASS gegeben werden.
Quelle
- 11. Expertentreffen: Niedermolekulare Heparine — up to date 2012, 13.10.2012 in BerlinGoogle Scholar
