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Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 5, pp 70–70 | Cite as

microRNA ist zuverlässiger als gängige Tumormarker

  • Robert Bublak
Uroonkologie Literatur kompakt
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Die im Serum bestimmte microRNA-371a-3p ist ein spezifischerer und sensitiverer Tumormarker für testikuläre Keimzelltumoren als herkömmliche Parameter. Das klinische Management von Patienten mit Hodenkrebs könnte sich dadurch vereinfachen.

Auf den ersten Blick mag man bezweifeln, dass es weiterer Tumormarker für die Diagnostik von testikulären Keimzelltumoren bedarf. Schließlich gilt der Einsatz von humanem Choriongonadotropin (Beta-hCG), Alpha-Fetoprotein (AFP) und Laktatdehydrogenase (LDH) als etabliert und wird in den einschlägigen Leitlinien empfohlen. Ein Nachteil ist jedoch deren relativ geringe Sensitivität. Nur etwa die Hälfte aller Keimzelltumoren exprimiert einen der drei Marker, und Seminome sind rundweg negativ auf Alpha-Fetoprotein.

Seit einigen Jahren ruhen die Hoffnungen auf der PCR-Bestimmung von microRNAs, kleinen, nicht kodierenden RNA-Strängen, die an der epigenetischen Regulation der Genexpression beteiligt sind. Speziell im Fokus ist der sogenannte M371-Test auf microRNA-371a-3p im Serum. Alle histologischen Subtypen mit Ausnahme der Teratome exprimieren M371. Dem Anschein nach besitzt der Test das Potenzial, die herkömmlichen Marker an Genauigkeit zu übertreffen. Daten dazu stammen jedoch aus eher kleinen Studien. Auch die Technik der microRNA-Bestimmung unterschied sich in den einzelnen Untersuchungen.

Eine Arbeitsgruppe aus italienischen, ungarischen, österreichischen, schweizerischen und deutschen Medizinern, angeführt von Klaus-Peter Dieckmann vom Hodentumorzentrum der Asklepios Klinik Altona, hat sich deshalb zusammengetan, um unter Zusammenschluss von 37 klinischen Institutionen die Aussagekraft des M371-Tests in einer prospektiven multizentrischen Studie zu analysieren. 874 Patienten im Alter von 16–69 Jahren mit Keimzelltumoren des Hodens waren beteiligt.

In der Primärdiagnostik erzielte der M371-Test ausgezeichnete Ergebnisse. Die Sensitivität lag bei 90,1 %, die Spezifität bei 94,0 %. Die Genauigkeit erreichte 93,2 %, der positive bzw. negative Vorhersagewert 97,2 % bzw. 82,7 %. Die Fläche unter der Kurve der Receiver-Operating-Characteristic hatte einen Wert von 0,966 und kam damit nahe ans Ideal heran. Demgegenüber erreichte die Kombination der traditionellen Marker Beta-hCG, AFP und LDH bei den Seminomen eine Sensitivität von rund 50 % und bei den Nichtseminomen von rund 80 % (Abb. 1).

Abb. 1

Sensitivität von miR-371a-3p in allen Keimzelltumoren (n = 522) verglichen mit den Markern Beta-hCG, AFP, LDH bei Seminomen (rot) oder Nichtseminomen (blau) [modifiziert nach Dieckmann KP et al. 2019;37(16):1412-23]

Die Werte von M371 waren signifikant mit dem klinischen Stadium, der Tumorgröße und dem Ansprechen auf die Therapie assoziiert. M371 stieg bei Rückfällen und normalisierte sich bei Remissionen.

Fazit: Die vorliegende Studie bestätigt frühere Daten mit Blick auf den Nutzen des M371-Tests als neuer Serumbiomarker, so das Forscherteam um Dieckmann. Der Test sei sowohl bei Seminomen wie Nichtseminomen informativ. Allerdings bedürfe er weiterer Validierung in einer unabhängigen Kohorte.

Literatur

  1. Dieckmann KP et al. Serum Levels of MicroRNA-371a-3p (M371 Test) as a New Biomarker of Testicular Germ Cell Tumors: Results of a Prospective Multicentric Study. J Clin Oncol. 2019;37(16):1412–23CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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