Advertisement

Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 5, pp 78–78 | Cite as

Maligne Erkrankungen haben erhebliche soziale und psychische Folgen

Sorge um Geld und Zukunft belastet junge Krebspatienten

  • Thomas Hommel
Praxis konkret Zukunft der Onkologie
  • 31 Downloads

Geldnöte und Jobängste setzen jungen Erwachsenen nach der Diagnose Krebs zu. Onkologen fordern daher bessere finanzielle Unterstützung und Beratung aus einer Hand.

Führende deutsche Onkologen haben eine bessere finanzielle Unterstützung und gezielte Beratungsangebote für junge Menschen mit der Diagnose Krebs gefordert. „Es kann nicht sein, dass ein junger Erwachsener zum Sozialhilfefall wird, nachdem er die Diagnose Krebs bekommt“, sagte Professor Mathias Freund von der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs in Berlin. Nötig sei eine Art Überbrückungsgeld, das die finanziellen Folgen der Krebserkrankung für junge Erwachsene abmindere.

Tatsächlich landeten viele der Patienten aber in der Erwerbsminderungsrente oder rutschten in die Sozialhilfe ab, gab Freund zu bedenken. Neben somatischen und psychischen Folgen habe Krebs demnach auch erhebliche soziale Auswirkungen, sagte der Krebsforscher unter Verweis auf Ergebnisse einer aktuellen Studie der Stiftung sowie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO).

Geldnöte unter „Top 3“-Ängsten

Danach gehören Geldnöte zu den „Top 3“ der am häufigsten genannten Probleme, die negativ auf die Lebensqualität junger Krebspatienten einwirken. Die Studie enthält zudem Hilfestellungen bei der Beantragung von BAföG, Krankengeld oder eines Schwerbehindertenausweises.

„Analyse und Ratgeber sind ein erster wichtiger Schritt, aber wir müssen auch zu wirklichen Veränderungen kommen und etwas bewegen“, forderte Stiftungsvorstand und DGHOVorstandsmitglied Professor Diana Lüftner. Nicht selten verlören an Krebs erkrankte junge Menschen ihren Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Anschließend fielen sie durch das soziale Hilfenetz und stürzten finanziell ins Bodenlose. „Über diese Dinge werden die Betroffenen mit der Politik reden wollen.“ Stiftung und Fachgesellschaft wollten den betroffenen Patienten „dabei gerne helfen“.

Frühzeitiger Verlust des Jobs

Jedes Jahr erkrankten rund 18.000 junge Erwachsene neu an Krebs. Nur 56 % der Betroffenen kehrten nach der Therapie wieder vollständig ins Erwerbsleben zurück. Ein frühzeitiger Verlust des Jobs oder Beeinträchtigungen in der Ausbildung bedeuteten für junge Krebspatienten oftmals existenzielle Einschnitte, betonte DGHO-Experte Dr. Volker König. In den ersten Wochen erhielten Patienten Krankengeld — das seien 70 % des letzten Gehalts. „Zieht sich die Behandlung länger als 78 Wochen hin, bleibt nur noch die Erwerbsminderungsrente.“ Im mittleren Lebensalter bedeute das weniger als 800 € monatlich.

Der geschäftsführende DGHO-Vorsitzende Professor Michael Hallek kritisierte, in Deutschland gebe es bislang „erstaunlich wenig Daten“ zur Erwerbstätigkeit nach Krebs, zu Einkommensverlusten, finanziellen Belastungen sowie zum Ausmaß sozialer Leistungen. Notwendig sei ein Register, das Auskunft darüber gebe.

Patientenlotsen für Betroffene

Auch mit Blick auf die Frage, mit welchen Beratungs- und Hilfsangeboten soziale Folgen der Erkrankung besser abgefedert werden könnten, seien die Daten wichtig. „Das Beschämende ist, dass das in Deutschland nicht zu haben ist,“ so Stiftungsmitglied Freund. Darüber hinaus brauche es eine Bündelung von Beratungsangeboten und eine Art Patientenlotsen für die Betroffenen, betonte DGHO-Vorsitzender Hallek. Junge Krebspatienten fänden sich nach der Diagnose Krebs häufig in einem Dschungel aus Ämtern und Beratungsstellen wieder. Hier brauche es jemanden, „der sich kümmert“ — und zwar über die Sektorengrenzen hinweg.

Anträge auf Hilfen dauern zu lange

Er könne sich daher gut die Einrichtung regionaler „Netze“ vorstellen, in denen Lotsen die Patienten bei der Bewältigung von Krebserkrankung und Lebensalltag unterstützten. Auch Krebsexperte Freund mahnte in diesem Zusammenhang einen „Paradigmenwechsel“ an. Die Beratungslandschaft sei teilweise unübersichtlich. Anträge auf Hilfen dauerten zu lange. Betroffene fühlten sich nicht selten überfordert und im Stich gelassen.

Wichtige Rolle für Niedergelassene

In der medizinischen Betreuung spielten niedergelassene Fachärzte eine „wichtige Rolle“, unterstrich Professor Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO). Es sei wichtig, über die sozialen und psychischen Folgen der Krebserkrankung auf die Lebenslage der Patienten zu sprechen. Leistungen der sprechenden Medizin würden aber „nicht ausreichend gewürdigt und finanziert“, kritisierte der BNHO-Chef. Auch sei die Zusammenarbeit von Haus- und Facharzt bei der Behandlung nötig, unterstrich Knauf.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Thomas Hommel
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations