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Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 5, pp 42–42 | Cite as

Melanom: eosinophiles kationisches Protein als Prognosemarker?

  • Dagmar Kraus
Dermatoonkologie Literatur kompakt
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Um die Prognose bei Melanompatienten im Stadium IV einschätzen zu können, hilft es offenbar einen Blick auf die Serumkonzentration des eosinophilen kationischen Proteins zu werfen. Ein hoher Serumspiegel hat sich dabei als ungünstig herausgestellt.

Melanompatienten, in deren Blut der Anteil der eosinophilen Granulozyten die Gesamtleukozytenzahl von 7 % überschreitet, überleben ihre Krankheit tendenziell länger als Patienten ohne Eosinophilie. Das gilt jedoch nur, solange die Tumorerkrankung noch nicht metastasiert ist. Gleichzeitig konnte man für das von aktivierten Eosinophilen freigesetzte eosinophile kationische Protein (ECP) eine krebszellschädigende Wirkung beobachten, was ein Dermatologenteam aus Erlangen dazu veranlasste, die prognostische Aussagekraft des ECP bei metastasiertem Melanom zu untersuchen.

Sie werteten die ECP-Serumkonzentrationen von insgesamt 56 klinikeigenen Patienten mit einer Melanomerkrankung im Stadium IV aus und korrelierten diese Werte mit dem Gesamtüberleben. Die ECP-Konzentrationen wurden anhand von Blutproben bestimmt, die vor Beginn einer systemischen Therapie entnommen worden waren. Tatsächlich waren die ECP-Serumspiegel mit der Überlebensdauer assoziiert, jedoch in einer anderen Art und Weise als anfangs vermutet. Denn während Patienten mit einem ECP-Serumspiegel < 16,0 ng/ml (n = 22) — ein Wert der sich an den Spiegeln gesunder Personen (2,3–15,9 ng/ml) orientiert — im Mittel noch 28 Monate lebten, betrug das mediane Überleben bei Patienten mit höheren ECP-Serumkonzentrationen (n = 34) im Mittel nur 12 Monate (Abb. 1).

Abb. 1

Das Gesamtüberleben der Melanompatienten ist abhängig vom eosinophilen kationischen Protein(ECP)-Level (n = 56). Patienten mit einem ECP-Level ≥ 16,0 ng/ml (n = 34) lebten kürzer (a; medianes OS: 12 Monate) als Patienten mit < 16,0 ng/ml ECP-Serumkonzentation (n = 22, medianes OS: 28 Monate) bzw. Patienten mit einem ECP-Level ≥ 12,2 ng/ml (b; n = 39; medianes OS: 12 Monate) lebten kürzer als mit < 12,2 ng/ml Serum ECP (n = 17; medianes OS: 28) Abbildung modifiziert nach Krückel A et al. 2019(1):207.

Dieser Zusammenhang mit dem Gesamtüberleben (OS) blieb auch bei dem durch rekursive Partitionierung festgesetzten Grenzwert von 12,2 ng/ml bestehen. Die 39 Patienten, deren Serumspiegel darüber lagen, lebten median 12 Monate, 17 Patienten mit geringeren ECP-Werten median 28 Monate. Die Unterschiede im OS fielen noch deutlicher aus, wenn ausschließlich kutane Melanome berücksichtigt wurden und die 11 Patienten mit uvealen bzw. mukosalen Melanomen von der Auswertung ausgenommen waren.

Die gewählten Therapieregime hatten keinen Einfluss auf die prognostische Bedeutung des ECP-Levels bei Erstdiagnose. Zudem korrelierten die ECP-Spiegel nicht mit den Serumkonzentrationen der als Tumormarker genutzten Laktatdehydrogenase (LDH).

Fazit: Bei Patienten mit metastasiertem Melanom korrelieren hohe ECP-Konzentrationen mit einem schlechten Outcome, unabhängig von der anschließenden Behandlung, so das Resümee der Dermatologen. Sie werten ECP als neuen von LDH unabhängigen Prognosemarker, der sich in der Klinik einfach bestimmen lässt. Doch zunächst müsse ECP als neuer Biomarker validiert werden.

Literatur

  1. Krückel A et al. Eosinophil-cationic protein — a novel liquid prognostic biomarker in melanoma. BMC Cancer. 2019;19(1):207CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Dagmar Kraus
    • 1
  1. 1.

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