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Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 5, pp 3–3 | Cite as

Wie versorgen wir zukünftig die steigende Zahl von Krebspatienten?

  • Springer Medizin
Editorial
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„Eine strukturierte Zusammenarbeit und Koordination zwischen Kliniken, niedergelassenen Onkologen und Hausärzten ist für eine optimale Behandlung der Krebspatienten zwingend notwendig.“

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann

Zentralstelle der klinischen Krebsregistrierung Mecklenburg-Vorpommern, Institut für Community Medicine, Universitätsmedizin Greifswald

© Stefan Dinse

Der demografische und epidemiologische Wandel in Deutschland bewirkt sowohl eine Änderung der Morbiditätslast als auch eine Erhöhung des damit einhergehenden medizinischen Versorgungs- und Pflegebedarfs. Aufgrund der starken Altersassoziation der meisten Krebsarten ist mit einem deutlichen Anstieg der Krebsneuerkrankungen zu rechnen. Auch die Überlebensraten konnten u. a. aufgrund neuer Therapiekonzepte selbst bei einigen sehr aggressiven Krebserkrankungen in den letzten 20 Jahren deutlich gesteigert werden. Damit erhöht sich neben der Anzahl der Krebsneuerkrankungen auch die Prävalenz der mit einer Krebserkrankung lebenden Menschen. Beide Entwicklungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Anforderungen an die zukünftige stationäre und ambulante onkologische Versorgung.

Neben der Akuttherapie werden für Krebspatienten verstärkt onkologische internistische Therapien und Langzeittherapien erforderlich. Die damit einhergehende zunehmende Komplexität der Wechselwirkungen und Nebenwirkungen der verschiedenen Therapien und hochwirksamen Medikamente miteinander erfordert eine Zusammenarbeit vieler medizinischer Fachgebiete und fachgebietsübergreifende Weiterbildungen.

Eine qualitativ hochwertige Krebsbehandlung wird dabei zunehmend über mehrere Sektoren hinweg erfolgen: Neben der Primärtherapie in den Organzentren werden Teile der Behandlung im ambulanten, stationären und rehabilitativen Sektor geleistet werden. Eine strukturierte Zusammenarbeit und Koordination zwischen Kliniken, niedergelassenen Onkologen und Hausärzten ist daher für eine optimale Behandlung der Krebspatienten zwingend notwendig. Hinsichtlich des Facharztangebotes bestehen aber noch immer deutliche Unterschiede in der Versorgung von Krebspatienten zwischen ländlichem Raum und Ballungsräumen. Lange Anfahrtswege zum betreuenden Arzt sind für betroffene Patienten im ländlichen Raum häufig die Regel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anzahl der praktizierenden Haus- und Fachärzte in vielen Regionen kontinuierlich abnimmt. Daher ist es erforderlich, dass insbesondere für den ländlichen Raum innovative Versorgungskonzepte entwickelt, in die Versorgung umgesetzt und bei Erfolg regional ausgebaut werden. Von der Sächsischen Krebsgesellschaft e. V. wurde bspw. das Projekt „Onkolotse“ realisiert, in dem Krankenschwestern sowie onkologisch tätiges Fachpersonal dazu ausgebildet werden, Krebspatienten und deren Angehörige über die für sie regional verfügbaren Versorgungsangebote zu informieren, zu beraten und bei der Inanspruchnahme zu unterstützen. Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wurde der Mobile Onkologische Dienst zur Verbesserung der Versorgung komorbider oder immobiler Krebspatienten entwickelt, die eine onkologische Praxis nur schwer erreichen. Leider fehlt es bisher für eine breitere Implementierung und Praxiswirksamkeit solcher innovativen Konzepte an einer gesetzlichen Grundlage und vielerorts an einer nachhaltigen Finanzierung.

Auch die palliativmedizinische Versorgung ist von den geschilderten Entwicklungen betroffen. Die Anzahl der Menschen, die ihre letzte Lebensphase in einer stationären Pflegeeinrichtung verbringen, nimmt stetig zu. Um die Mitarbeitenden in Pflegeeinrichtungen besonders auf die speziellen Herausforderungen der Hospiz- und Palliativversorgung vorzubereiten, müssen Kooperationen z. B. mit Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) und Palliativstationen in Krankenhäusern etabliert werden. Hier entstehen zusätzliche Aufwände für die onkologisch tätigen Ärztinnen und Ärzte, aber auch neue Anforderungen an die Qualifikation der Pflegekräfte in den stationären Pflegeeinrichtungen.

Wolfgang Hoffmann und Alexander Gebauer

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