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Im Fokus Onkologie

, Volume 22, Issue 2, pp 43–43 | Cite as

Neue Ansätze in der Therapie von Hauttumoren

  • Robert Bublak
Dermatoonkologie Kongressbericht
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Patienten mit fortgeschrittenen spinozellulären Karzinomen hatten bisher eher schlechte Aussichten auf eine durchschlagend wirkende Therapie. Mit dem Einsatz von Checkpointhemmern könnte sich das ändern. Aber auch gegen maligne Melanome tun sich neue Optionen auf.

TZM Essentials 2019

Das Tumorzentrum München lud auch in diesem Jahr zum Austausch ein. Es galt u. a. den dermatoonkologischen Wissenszuwachs der letzten 12 Monate zu selektieren und hinsichtlich seiner Praxisrelevanz zu bewerten.

© Animaflora PicsStock / stock.adobe.com

Insgesamt betrachtet sind die Heilungschancen von Patienten, die an einem kutanen Plattenepithelkarzinom (cSCC) erkrankt sind, recht gut. 95 % der Tumoren lassen sich kurativ behandeln. Doch bei immerhin 3,7 % der Patienten treten Metastasen auf. Und die Mortalität beträgt 2,1 %, wie Carola Berking, München, auf dem Jahreskongress des Münchner Tumorzentrums (TZM) erläuterte.

Ist das Plattenepithelkarzinom der Haut fortgeschritten und nicht mehr operabel, könnte künftig eine Checkpointblockade Erfolg versprechen.

© Dr. Hans Schulz, Bergkamen

Im fortgeschrittenen, also nicht (mehr) operablen oder metastasierten Stadium sind die Behandlungsmöglichkeiten für cSCC-Patienten begrenzt. Kontrollierte, randomisierte Studien zum Nutzen einer systemischen Therapie fehlen. Zwar existieren Daten über Ansprechraten zwischen 84 % und 100 %, darunter rund 50 % Komplettremissionen, für verschiedene platinbasierte Therapieregime, doch über Phase II sind diese Studien noch nicht hinausgekommen. Die Teilnehmerzahl bewegt sich im niedrigen zweistelligen Bereich.

Hoffnungsträger Cemiplimab

Als neue und wirksame Therapieoption führte Berking die Immuncheckpointhemmung an. Im Zentrum steht dabei der PD-1(„programmed cell death protein 1“)-Antikörper Cemiplimab. In der neuen S3-Leitlinie zu aktinischen Keratosen und Plattenepithelkarzinomen der Haut, die derzeit noch in der Konsultationsfassung vorliegt, ist Cemiplimab erwähnt. Dort wird auf die hohe Mutationslast von cSCC verwiesen, die bei anderen Tumoren mit einem Ansprechen auf PD-1-Inhibitoren assoziiert sei — was die Hoffnung nährt, mit diesem Konzept auch bei cSCC erfolgreich zu sein.

Cemiplimab ist in Studien getestet worden, deren Ergebnisse im vergangenen Jahr publiziert worden sind [Migden MR et al. N Engl J Med. 2018;379(4):341-51]. Die Ansprechraten erreichten rund 50 %, und bei etwa 60 % war zumindest eine Kontrolle der Erkrankung zu erreichen. Nach einem Jahr betrug die Wahrscheinlichkeit des progressionsfreien Überlebens 53 %, die des Gesamtüberlebens 81 %. Das Nebenwirkungsprofil war das von Checkpointinhibitoren bekannte, mit Diarrhö (27 % der Patienten), Fatigue (24 %), Übelkeit (17 %), Verstopfung (15 %) und Hautausschlag als den häufigsten. Zu beachten ist aber auch hier, dass es sich um Phase-I- oder Phase-II-Studien mit 26 bzw. 59 Teilnehmern handelte.

Die US-Behörden hielten die Daten jedenfalls für ausreichend, Cemiplimab zur Therapie des fortgeschrittenen cSCC zuzulassen. Die europäische Zulassung wird in diesem Jahr erwartet.

Neues zum malignen Melanom

Aus der Melanomtherapie ist die Checkpointblockade bereits nicht mehr wegzudenken. Im vergangenen Jahr sind Nivolumab und Pembrolizumab für die adjuvante Therapie des Melanoms im Stadium III zugelassen worden. Das gilt auch für die Kombination der Kinaseinhibitoren Dabrafenib und Trametinib, hier aber beschränkt auf BRAF-V600-mutierte Tumoren. Nivolumab kann darüber hinaus in der Adjuvanz im Stadium IV nach Resektion eingesetzt werden. Das Risiko für Rezidive sinkt unter Nivolumab verglichen mit Ipilimumab um 35 % und unter Pembrolizumab im Vergleich zu Placebo um 43 %. Die Kombination Dabrafenib plus Trametinib reduziert die Rezidivhäufigkeit um 51 % gegenüber Placebo, wohlgemerkt bei BRAF-mutierten Melanomen.

Selbst die operative Therapie des Melanoms hat Neuerungen aufzuweisen. Beispielsweise wird beim In-situ-Melanom nach histologisch gesicherter Komplettexzision keine Nachexzision mit einem Sicherheitsabstand von 5 mm mehr gefordert. Zudem ist zu vermuten, dass ein radikales chirurgisches Vorgehen bei positivem Wächterlymphknoten künftig an Stellenwert einbüßen wird. Komplettierende Lymphknotendissektionen scheinen jedenfalls keine Vorteile mit Blick auf das fernmetastasenfreie Überleben nach sich zu ziehen — aber erhebliche Nebeneffekte, wie Lymphödeme in den abhängigen Körperregionen.

Literatur

  1. Bericht vom 11. Jahreskongress des Tumorzentrums München „TZM Essentials“ am 9. Februar 2019Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Robert Bublak
    • 1
  1. 1.

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