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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 64–64 | Cite as

Checkpointhemmerkombination zeigt intrakranielle Aktivität beim Melanom

  • Barbara Kreutzkamp
  • Sabrina Graß
Dermatoonkologie Literatur kompakt
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Nivolumab plus Ipilimumab ist bei Melanom-Patienten mit asymptomatischen, bisher unbehandelten Hirnmetastasen effektiv. In einer Phase-II-Studie zeigte sich bei über der Hälfte der Studienteilnehmer ein meist länger anhaltendes intrakranielles Ansprechen.

Melanomzellen siedeln sich häufig in das zentrale Nervensystem (ZNS) ab. Oligometastasen des Gehirns lassen sich operativ oder mit einer stereotaktischen Bestrahlung behandeln, ein multipler Befall erfordert eine Ganzhirnbestrahlung. Die Erfolge sind allerdings nicht groß. Bei den systemischen Agenzien sind Immuncheckpointinhibitoren und gezielte Therapien die ersten Optionen, die das Überleben der Melanompatienten mit Hirnmetastasen verbessern.

In der offenen Phase-II-Studie CheckMate 204 wurde nun erstmals der Effekt einer Kombinationstherapie des PD-1 („programmed cell death protein 1“)- Hemmers Nivolumab plus den CTLA-4 („cytotoxic T-lymphocyte-associated protein 4“)-Inhibitor Ipilimumab bei Melanompatienten mit bis dahin unbehandelten Hirnmetastasen untersucht.

In dies Studie einbezogen wurden Melanompatienten mit mindestens einer asymptomatischen, unbehandelten Hirnmetastase (0,5–3 cm Durchmesser), die über maximal 4 Zyklen Nivolumab (1 mg/kg Körpergewicht [KG]) plus Ipilimumab (3 mg/kg KG alle 3 Wochen) erhielten und danach Nivolumab (3 mg/kg/KG) alle 2 Wochen bis zur Tumorprogression oder dem Auftreten inakzeptabler Toxizitäten. Primärer Endpunkt war die Rate des klinischen intrakraniellen Nutzens, definiert als der Prozentsatz von Patienten, die über 6 Monate eine stabile Erkrankung, ein komplettes (CR) oder partielles Ansprechen (PR) aufwiesen.

Die Daten von 94 Patienten wurden ausgewertet. Bei ihnen lag die intrakranielle Nutzenrate innerhalb eines medianen Nachbeobachtungszeitraums von 14,0 Monaten bei 57 % (95 %-Konfidenzintervall 47–68). Die Rate für ein CR lagen bei 26 %, die für ein PR bei 30 % und für eine stabile Erkrankung über mindestens 6 Monate bei 2 %. Insgesamt sprachen Patienten mit leicht erhöhten Laktatdehydrogenase-Spiegeln besser an als Patienten mit niedrigeren Werten.

55 % der Patienten entwickelten unter der Therapie behandlungsbedingte Nebenwirkungen vom Grad 3 und 4, bei 7 % der Patienten war das ZNS in Form von z. B. Kopfschmerzen und Hirnödemen betroffen, ein Patient starb aufgrund einer therapiebedingten immunbezogenen Myokarditis. Neue, bisher nicht bekannte unerwünschte Ereignisse wurden nicht gesehen (Infobox).

Fazit: 57 % der Melanompatienten mit bisher nicht behandelten Hirnmetastasen sprachen auf eine kombinierte Nivolumab/Ipilimumab-Therapie an. Neue, bisher nicht bekannte unerwünschte Ereignisse traten nicht auf, rund die Hälfte der Patienten entwickelten Grad-3/4-Nebenwirkungen.

Infobox: Patienten gut überwachen

Trotz der erfreulichen Ergebnisse müssten bei der Entscheidung zur immunologischen Therapie immer die möglichen Nebenwirkungen in Betracht gezogen werden, kommentiert Prof. Dr. Andreas Schalhorn, München, in der Zeitschrift InFo Onkologie die CheckMate-204-Studie [InFo Onkologie. 2018;21(7):22-3]. Diese Therapie bedürfe also einer sehr gründlichen Überwachung, damit gegebenenfalls die Therapie adjustiert und vor allem die Symptome behandelt werden könnten, erklärt er.

Zu bedenken sei auch, dass in die Studie nur Patienten in gutem Allgemeinzustand aufgenommen worden waren (ECOG-Performancestatus 0 und 1). Bei Patienten mit Hirnmetastasen, die sich oft bereits in einem reduzierten Allgemeinzustand befinden würden, müsse daher der Einsatz der kombinierten CTLA-4-/PD-1-Hemmung besonders kritisch abgewogen werden.

Liegt keine aktivierende BRAF-Mutation vor, ergibt sich laut Schalhorn eine klare Indikation für die immunologische Kombinationstherapie. Aktuell werde man allerdings bei Patienten mit einer BRAF-V600-Mutation weiterhin primär mit der kombinierten BRAF/MEK-Hemmung behandeln, führt Schalhorn weiter aus.

Literatur

  1. Tawbi HA et al. Combined nivolumab and ipilimumab in melanoma metastatic to the brain. N Engl J Med. 2018;379(8):722-30CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  • Sabrina Graß
    • 1
  1. 1.

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