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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 59–59 | Cite as

L-Thyroxin-Einnahme könnte Fatigue unter Chemotherapie fördern

  • Sophie Christoph
Supportivtherapie Literatur kompakt
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Daten einer aktuellen Studie deuten darauf hin, dass mit L-Thyroxin substituierte Krebspatienten während der Chemotherapie vermehrt unter Fatigue leiden. Aufgrund der Häufigkeit dieser Medikation könnte dieser Zusammenhang klinisch hoch relevant sein.

L-Thyroxin gehört zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Es wird genutzt, um primäre Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln oder als Hormonersatztherapie nach einer Thyreoidektomie. Dementsprechend nimmt auch ein Viertel der Brustkrebspatientinnen L-Thyroxin unter adjuvanter Chemotherapie ein, wie sich in der BEATE-Studie zeigen ließ.

Fatigue ist ein häufiges und belastendes Symptom für Tumorpatientinnen, die eine Chemotherapie erhalten. Die Ursachen sind noch immer nicht vollständig verstanden und wahrscheinlich multifaktoriell. In früheren Arbeiten ergaben sich bereits Anhaltspunkte dafür, dass eine gleichzeitige L-Thyroxin-Medikation mit höheren Fatigue-Raten unter Chemotherapie verknüpft ist [Schmidt ME et al. Psychooncology. 2015;24(1):40-6].

Potenziell zu Fatigue beitragende Interaktionen von Chemotherapeutika mit L-Thyroxin waren daher Gegenstand einer Subgruppenanalyse aus der BEATE-Studie, in der der Einfluss von Bewegung auf chemotherapieassoziierte Fatigue untersucht wurde im Vergleich zu 25 gesunden Frauen (INVEST-Studie).

Eingeschlossen waren 111 Teilnehmer, für die Daten zu Fatigue und Schilddrüsenhormonen (zum Ausgangszeitpunkt und nach 13 Wochen) vorlagen: Brustkrebspatientinnen, die entweder die Standardtherapie (n = 41) oder ein zusätzliches körperliches Training während der Chemotherapie (n = 45) erhielten sowie eine Kontrollgruppe (n = 25) mit Gesunden, die ebenfalls das Trainingsprogramm durchliefen.

Eine Medikation mit L-Thyroxin war signifikant mit stärkerer körperlicher Fatigue während der Chemotherapie assoziiert (p = 0,004) — allerdings nur in der Subgruppe ohne körperliche Aktivität.

Dieser Zusammenhang schien zumindest partiell von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) vermittelt. Des Weiteren schien Fatigue via erhöhter Kortisolspiegel von TSH beeinflusst zu werden. Bei substituierten Patienten fielen die T3(Triiodthyronin)-Konzentrationen unter Chemotherapie ab, während sie bei Patienten ohne L-Thyroxin-Einnahme stabil blieben. Der Unterschied zwischen den Gruppen erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.

In der Kohorte mit körperlichem Training ergab sich keine signifikante Assoziation zwischen Fatigue und L-Thyroxin-Einnahme.

Fazit: Eine L-Thyroxin-Behandlung während Chemotherapie trägt möglicherweise zu hormonellen Störungen bei, die in vermehrter Fatigue resultieren könnten. Daher sollten mit L-Thyroxin substituierte Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie sorgfältig überwacht und zu körperlicher Aktivität angehalten werden.

Fatigue bewältigen

finden Sie in dem folgenden Beitrag: „Selbstwirksamkeit fördern — Mind-Body-Medizin in der integrativen Onkologie“ [Dobos G et al. Im Focus Onkologie. 2018;21(9):51–5]: www.springermedizin.de/link/16108214

Literatur

  1. Schmidt ME et al. L-Thyroxine intake as a potential risk factor for the development of fatigue in breast cancer patients undergoing chemotherapy. Support Care Cancer. 2018; 26(8):2561–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Sophie Christoph
    • 1
  1. 1.

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