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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 50–50 | Cite as

Fortgeschrittene Adenome — erhöhte Darmkrebsinzidenz

  • Peter Leiner
Gastroonkologie Literatur kompakt
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Werden bei einer diagnostischen Koloskopie Adenome im fortgeschrittenen Stadium entdeckt, ist dies im Vergleich zu Patienten ohne Adenome mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert.

Bisher war der Zusammenhang zwischen dem Nachweis von Adenomen bei einer Koloskopie und der Inzidenz kolorektaler Karzinome in den folgenden Jahren unklar. Deshalb hat ein Team um Benjamin Click versucht, den Zusammenhang durch Auswertung von Daten der PLCO-Studie aufzudecken. An der randomisierten Studie zur flexiblen Sigmoidoskopie und nachfolgenden Koloskopie nahmen zwischen 1993 und 2013 fast 155.000 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren teil. 15.935 Teilnehmer unterzogen sich einer Koloskopie, nachdem eine erste Sigmoidoskopie positiv war. Primärer Endpunkt war nach einem medianen Follow-up von 12,9 Jahren die Inzidenz kolorektaler Karzinome.

Werden bei einer Koloskopie fortgeschrittene Adenome gefunden, ist das Darmkrebsrisiko des Patienten erhöht.

© robertprzybysz / Getty Images / iStock

Die Teilnehmer wurden in 3 Gruppen unterteilt, und zwar mit fortgeschrittenen bzw. nicht fortgeschrittenen Adenomen und ohne Adenome. Fortgeschrittene Adenome waren definiert durch eine Größe von mindestens einem Zentimeter und als hochgradige Dysplasie bzw. Adenome mit villöser oder tubulovillöser Histologie. Als „nicht fortgeschritten“ galten Adenome, wenn sie kleiner als 1 cm, nicht dysplastisch oder villös/tubulovillös waren. Bei insgesamt 77.442 Studienteilnehmern war eine flexible Sigmoidoskopie vorgenommen worden, davon bei 64.650 Teilnehmern initial. Bei 15.154 Teilnehmern (19,6 %) war der Befund positiv, bei 10.606 von ihnen (70 %) erfolgte daher innerhalb eines Jahres eine Koloskopie. Bei Teilnehmern mit initial negativer Sigmoidoskopie wurde diese Untersuchung mindestens einmal wiederholt. Schließlich wurde in der Gesamtstudiengruppe bei 16.162 Probanden eine Koloskopie vorgenommen.

Die Untersuchung deckte bei 2.882 Studienteilnehmern (18,1 %) fortgeschrittene und bei 5.068 (31,8 %) nicht fortgeschrittene Adenome auf. Bei 7.985 Teilnehmern (50,1 %) fanden sich keine Adenome. Bis zum Studienende wurde bei 196 Teilnehmern ein kolorektales Karzinom diagnostiziert, 70 in der Gruppe mit fortgeschrittenen und 55 in der Gruppe mit nicht fortgeschrittenen Adenomen sowie 71 in der Gruppe ohne Adenome. Die Inzidenzraten pro 10.000 Personenjahre betrugen 20,0, 9,1 bzw. 7,5. Die kumulative Inzidenz über einen Zeitraum von 15 Jahren lag bei 2,9 %, 1,4 % bzw. 1,2 %. Die Regressionsanalyse ergab schließlich ein höheres Risiko für ein kolorektales Karzinom bei Teilnehmern mit fortgeschrittenen Adenomen im Vergleich zu jenen ohne Adenome (relatives Risiko [RR] 2,6; 95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,9–3,7; p < 0,001). Zwischen den Teilnehmern mit nicht fortgeschrittenen bzw. ohne Adenome gab es beim Darmkrebsrisiko dagegen keinen signifikanten Unterschied (RR 1,2; 95 %-KI 0,8–1,7; p = 0,32).

Schließlich hatten Teilnehmer mit fortgeschrittenen im Vergleich zu Teilnehmern ohne Adenome ein signifikant höheres krebsspezifisches Sterberisiko (RR 2,6; 95 %-KI 1,2–5,7; p = 0,01). Für die Gruppe mit nicht fortgeschrittenen Adenomen traf dies nicht zu.

Einschränkend weisen die Forscher unter anderem darauf hin, dass die endoskopischen Untersuchungen zwischen 1993 und 2003 gemacht worden sind. Es sei unklar, ob die Ergebnisse mit den mit heutiger Technik gewonnenen vergleichbar seien.

Fazit: Bei Patienten mit Adenomen im fortgeschrittenen Stadium ist die Darmkrebsinzidenz signifikant höher als bei Patienten ohne Adenome. Patienten mit nicht fortgeschrittenen Adenomen haben dagegen kein erhöhtes Risiko.

Literatur

  1. Click B et al. Association of Colonoscopy Adenoma Findings With Long-term Colorectal Cancer Incidence. JAMA. 2018;319(19):2021–31CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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