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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 46–46 | Cite as

Hoher Preis für Jodtherapie

  • Christian Behrend
Kopf-Hals-Tumoren Literatur kompakt
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Bei Patienten mit papillären und follikulären Schilddrüsentumoren kann die an sich effektive Radiojodtherapie die Entwicklung sekundärer hämatologischer Malignitäten bedeuten. Aber welche eigentlich genau? Und wie hoch ist das Risiko? Eine populationsbasierte Studie gibt Antworten.

Eine adjuvante Therapie mit radioaktivem Jod ist bei fortgeschrittenen, gut differenzierten Schilddrüsentumoren vom papillären und follikulären Typ die Therapie der Wahl. Doch bei Erkrankungen niedrigen Schweregrads scheint die Therapie wenig zu helfen und noch dazu das Auftreten sekundärer hämatologischer Malignitäten zu befördern.

Wissenschaftler von der Cleveland Clinic haben diesen Zusammenhang nun mithilfe einer populationsbasierten Kohorte überprüft. Sie entnahmen die Daten den Surveillance, Epidemiology, and End Results(SEER)-Registern des National Cancer Institutes. In diesen sind verschiedene populationsbasierte Datenbanken erfasst, die insgesamt knapp 30 % der US-Bevölkerung abdecken. Die Daten von Patienten mit differenzierten Schilddrüsentumoren wurden nicht nur daraufhin analysiert, ob eine sekundäre hämatologische Malignität auftrat, sondern auch auf die Entwicklung derselben.

Insgesamt fanden sich in der Datenbank 148.215 Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsentumor. 53 % waren lediglich operiert worden, 47 % hatten radioaktives Jod erhalten. Insgesamt entwickelten 783 Patienten eine sekundäre hämatologische Malignität nach einem mittleren Intervall von 6,5 Jahren (3,3 bis 11,2 Jahre) nach der Diagnose des Schilddrüsentumors.

In einer Multivarianzanalyse war die Jodtherapie im Vergleich zur alleinigen Thyroeidektomie mit einem erhöhten frühen Risiko für die Entwicklung einer akuten myeloischen Leukämie (AML; Hazard Ratio [HR] 1,79; p = 0,01; Abb. 1) und einer chronischen myeloischen Leukämie (CML; HR 3,44; p < 0,001) assoziiert. Dieses erhöhte Risiko zeigte sich auch bei Tumoren mit niedrigem und mittlerem Risiko.

Abb. 1

Vor allem in den ersten Jahren nach der Diagnose eines gut differenzierten Schilddrüsentumors ist das relative Risiko für eine akute myeloische Leukämie (AML) durch die Behandlung mit radioaktivem Jod zusätzlich zur Operation stark erhöht.

Das Auftreten einer AML, aber nicht einer CML, bei Patienten mit Schilddrüsenkarzinom war assoziiert mit einem statistisch signifikant kürzeren medianen Gesamtüberleben im Vergleich zu gematchten Kontrollen (8,0 vs. 31,0 Jahre; p = 0,001). Zudem zeigte sich bei Auftreten einer AML nach einer Jodtherapie ein Trend zu einem kürzeren Überleben im Vergleich zu gematchten Kontrollen, die eine De-novo-AML entwickelten: Das mittlere Gesamtüberleben lag hier bei 1,2 versus 2,9 Jahren (p = 0,06).

Fazit: Patienten mit einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom tragen nach einer Therapie mit radioaktivem Jod ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer AML oder CML, aber nicht für andere hämatologische Malignitäten. Wenn eine AML auftritt, geht diese mit einer schlechten Prognose einher. Der Einsatz radioaktiven Jods sollte daher auf Patienten mit einem aggressiven Schilddrüsenkarzinom beschränkt werden. Danach sollte regelmäßig ein Screening auf myeloische Malignitäten erfolgen.

Literatur

  1. Molenaar RJ et al. Risk of Hematologic Malignancies After Radioiodine Treatment of Well-Differentiated Thyroid Cancer. J Clin Oncol. 2018;36(18):1831–9CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christian Behrend
    • 1
  1. 1.

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