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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 27–27 | Cite as

PRO: Belastende Symptome bei Krebspatienten zeitnah erfassen

  • Elke Oberhofer
Allgemeine Onkologie Kongressbericht
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Klinikärzte neigen offenbar dazu, die Symptome, unter denen Krebspatienten leiden, zu unterschätzen. Auf dem ESMO in München wurden neue elektronische Systeme vorgestellt, mit denen die Patienten ihre subjektiv belastenden Beschwerden selbst erfassen können.

Darüber, was Lebensqualität für Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung ausmacht, gehen die Ansichten von Behandlern und Patienten teilweise erheblich auseinander. Wie Christina Ruhlmann, Odense, Dänemark, berichtete, neigen Kliniker beispielsweise dazu, physische Symptome wie Übelkeit, Schmerzen oder Mundtrockenheit zu stark in den Vordergrund zu stellen. Für die Betroffenen selbst, so Ruhlmann, seien psychosoziale Beschwerden wie Fatigue, Schlafstörungen und Appetitmangel oft sogar relevanter [Reilly CM et al. Support Care Cancer. 2013;21(6):1525-50]. „Wir Kliniker unterschätzen die Schwere der von den Patienten erlebten Symptome“, betonte Florian Strasser, St. Gallen, Schweiz. Man müsse den Patienten befragen und dazu anleiten, seine Bedürfnisse auszudrücken. Die herkömmlichen Systeme zur Erfassung von Symptomen und Nebenwirkungen würden dem Patienten zu wenig gerecht.

Elektronische PRO-Systeme

„Wir müssen zeitnah erfassen, wann Nebenwirkungen auftreten, wie lange sie dauern und in welchen Phasen sie für den Patienten am schlimmsten sind“, forderte Ruhlmann. Vom National Cancer Institute (NCI) in den USA wurde ein Instrument entwickelt, das diesem Anspruch möglicherweise besser gerecht wird als die herkömmlichen PROMS (Patient Related Outcome Measures). Das PRO-CTCAE-System beruht auf einer Liste von 78 Nebenwirkungen und erlaubt dem Patienten, seine individuellen Symptome zu beschreiben.

Die neuen elektronischen PRO-Systeme (ePRO) scheinen gerade auch von wenig computeraffinen Patienten gut angenommen zu werden, wie Ruhlmann berichtete. In einer Multicenterstudie hatte sich nach 6-monatigem Einsatz die Lebensqualität der Krebspatienten signifikant verbessert, und auch die Rate der Einweisungen auf die Intensivstation konnte gesenkt werden [Basch et al. J Clin Oncol. 2016;34(6):557-65].

In einer Studie zeigte sich, dass Patienten mit Lungenkrebs, die ihre Symptome selbst wöchentlich per ePRO erfassten, im Median signifikant länger lebten als eine Vergleichsgruppe mit routinemäßiger CT-Kontrolle [Denis F et al. J Clin Oncol. 2018;36(Suppl):Abstr 6500].

Intelligenz des Schwarms nutzen

Auf der ESMO-Tagung wurde ein computergestütztes Prognosemodell vorgestellt, das neben „harten“ Parametern wie Diagnosen, Laborwerten und therapeutischen Maßnahmen auch Notizen erfasst, die von sämtlichen an der Patientenversorgung Beteiligten — Ärzten, aber auch Klinikschwestern, Ernährungsspezialisten, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern — festgehalten werden [Gensheimer MF et al. ESMO. 2018; Abstr 1512O]. Insgesamt kam man damit auf rund 4.000 Variablen. Die prädiktive Performance war gut: Der C-Index für Gesamtüberleben lag bei 0,786. Bei der Vorhersage des Nutzens einer palliativen Bestrahlung schnitt das System besser ab als ein etabliertes Modell.

Wie Strasser betonte, könne es nur von Vorteil sein, auf eine solche „Schwarmintelligenz“ zurückzugreifen: „Nutzen Sie Ihr Team, nutzen Sie Ihre Aufzeichnungen, alles was Sie kriegen können!“

Literatur

  1. Bericht vom ESMO-Kongress 2018 vom 19. bis 23. Oktober in MünchenGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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