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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 12, pp 22–22 | Cite as

Diabetes im mittleren Alter erhöht das Krebsrisiko in späteren Jahren

  • Brigitte Schalhorn
Allgemeine Onkologie Literatur kompakt
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Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Krebs wird kontrovers diskutiert. In einer großen schwedischen Zwillingsstudie zeigte sich, dass ein Typ-2-Diabetes in mittlerem Alter mit einem gesteigerten Risiko für Pharynx-, Dünndarm- und Leberkarzinome im späteren Leben verbunden ist.

In die Studie waren 25.154 Zwillinge aus dem schwedischen Zwillingsregister eingeschlossen, die 1958 oder früher geboren worden waren. Informationen zur Tumordiagnose in fortgeschrittenem Alter (ab 65) wurden den nationalen Patienten- und Krebsregistern von 1998–2014 entnommen. Die Diagnose Typ-2-Diabetes wurde anamnestisch ermittelt auf Basis von Auskünften des Patienten oder beteiligter Personen, anhand des schwedischen Patientenregisters sowie der Verschreibung von Antidiabetika. „Midlife-Diabetes“ wurde definiert als Diabetes vor dem 65. Lebensjahr. Die Daten wurden zum einen einer ungematchten Fall-Kontroll-Analyse unterzogen (GEE-Model, „generalized estimating equation model“). Zum anderen führte man, bei ausreichender Patientenzahl, gematchte paarweise Analysen durch, wenn ein Zwilling ein Karzinom hatte, der andere aber nicht.

Das Risiko für Karzinome nimmt mit steigender Diabetesdauer zu.

© 6okean / Getty Images / iStock

1.766 Studienteilnehmer (7,0 %) hatten einen Midlife-Diabetes und 5.293 (21,0 %) im späteren Leben ein Karzinom. Der Midlife-Diabetes erhöhte signifikant die Wahrscheinlichkeit für Pharynxkarzinome, Dünndarmkarzinome und für Leberkrebs. In den adjustierten GEE-Modellen betrug die Odds Ratio für Pharynxkarzinome 10,55 (95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 2,95–37,67), für Dünndarmkrebs 5,78 (95 %-KI 1,72–19,40) und für Leberkrebs 2,37 (95 %-KI 1,14–4,91). Die Diabetesdauer war „dosisabhängig“ mit dem Krebsrisiko assoziiert.

Umgekehrt war die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs bei Midlife-Diabetes erniedrigt bei einer Odds Ratio von 0,48 (95 %-KI 0,35–0,67). Die Reduktion des Prostatakarzinomrisikos stimmt überein mit der Beobachtung, dass die Testosteronwerte bei Diabetespatienten oft erniedrigt sind. Die Ergebnisse der paarweisen Untersuchung der 176 Prostatakrebs-diskordanten Zwillingspaare sprechen hier für eine Beteiligung genetischer und frühkindlicher Faktoren bei der Tumorgenese.

Zum erhöhten Krebsrisiko bei Diabetes gibt es eine ganze Reihe von Studien, die jedoch teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind. Der positive Zusammenhang zwischen Diabetes und Karzinomrisiko wird in dieser Studie unterstrichen durch seine „Dosisiabhängigkeit“, d. h. die Zunahme des Risikos mit steigender Diabetesdauer.

Fazit: Ein Midlife-Diabetes erhöht das Risiko für Pharynx-, Dünndarm- und Leberkarzinome, reduziert aber das Risiko für Prostatakrebs. Entsprechende Früherkennungsprogramme könnten für Typ-2-Diabetiker daher von großem Nutzen sein.

Literatur

  1. Bao C et al. Diabetes in midlife and risk of cancer in late life: A nationwide Swedish twin study. Int J Cancer. 2018;143(4):793–800CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Brigitte Schalhorn
    • 1
  1. 1.

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